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Pferde als „verkleidete Engel“
Sonderausstellung im Museum im Kulturspeicher in
Würzburg beleuchtet das Lebenswerk der Bildhauerin Renée Sintenis


Von Michaela Schneider

Würzburg Fast jeder dürfte schon eine Skulptur der Bildhauerin Renée Sintenis (1888 – 1965) gesehen haben. In dem meisten Fällen wohl, ohne dies zu wissen, denn: Der Berlinale-Bär – seit mehr als 60 Jahren symbolträchtige Ikone der gleichnamigen Internationalen Filmfestspiele – geht auf einen Entwurf der scheuen Bildhauerin zurück. Gut 200 ihrer Skulpturen sind bis einschließlich 22. Juni im Museum im Kulturspeicher in Würzburg in einer Sonderausstellung zu sehen, darunter etliche Tierfiguren, aber auch Porträts, Selbstbildnisse und Sportlerdarstellungen. Daneben erlauben aussagekräftige Zitate und großformatige Fotografien Einblicke ins Leben der Künstlerin. Betitelt ist die Ausstellung schlicht „Renée Sintenis. Bildhauerin“.


Zu sehen war die Präsentation mit mehr als 200 Plastiken zuvor bereits im Georg Kolbe Museum in Berlin, die Exponate stammen aus dessen Bestand, aus der Berliner Sammlung Knauf und aus der Neuen Nationalgalerie, die den Nachlass der Künstlerin betreut. Was aber hat die gebürtige Schlesierin mit dem Würzburger Kulturspeicher gemein? Würzburg habe mit Emy Roeder ebenfalls eine große Bildhauerin, die – wie Renée Sintenis – Tierplastiken fertigte, sagt Museumsleiterin Dr. Marlene Lauter. Der Kulturspeicher betreut Roeders Nachlass, der Künstlerin ist in der Dauerausstellung ständig ein eigener Raum gewidmet.


Die Sonderausstellung ermöglicht nun einen Blick auf Renée Sintenis‘ Lebenswerk, aber auch auf eine faszinierende Künstlerin selbst, die zwar selbst eher scheu und schüchtern war, allein durch ihr markantes Äußeres jedoch zum Star jeder Party wurde. Großformatige Fotografien in Schwarz-Weiß zeigen die 1,80 Meter große, schlanke Frau mit Bubikopf, hohen Wangenknochen und sinnlichem Mund.  Betrachtet man ihre fragile, zierliche Skulptur der großen Daphne aus dem Jahr 1930, so denkt man fast zwangsläufig an die Bildhauerin selbst. Zitate an den Museumswänden werfen Spotlichter auf das Denken und Arbeiten der Künstlerin.


Sintenis wuchs auf dem Lande auf und war permanent von Tieren umgeben. Vor allem zog es sie in die Pferdeställe. Auch als erwachsene Frau war sie noch eine passionierte Reiterin.  Und auch als Künstlerin wurden Pferde eine ihrer großen Leidenschaften: Ponys und Pferde, Fohlen und ausgewachsene Tiere tummeln sich in allen erdenklichen Situationen in der Kulturspeicher-Ausstellung. Sintenis selbst betitelte Pferde als „verkleidete Engel“. Die kleinen, in Bronze und Silber gegossenen Plastiken veranschaulichen, wie gut die Künstlerin beobachten konnte, wie intensiv sie die Physiognomie der Tiere studierte.  Neben den Pferden sind in der Ausstellung unter anderem Rehe und Elefanten, Ziegen und Lamas, Hunde und Esel zu sehen.


Zudem fertigte Sintenis expressive Porträts inklusive Selbstporträts – und ging hier ebenso sensibel, genau und frei vor wie bei den Tierplastiken. Das zeigt zum Beispiel der Blick aufs Porträt des befreundeten Künstlers Joachim Ringelnatz – auf jenen Mann mit markanter Vogelnase, wilder Frisur und vordrängendem Kinn. Ein eigener Teil der Kulturspeicher-Ausstellung ist zudem Sintenis` Sportlerdarstellungen gewidmet, die erneut ihre genaue Beobachtungsgabe und ihr Interesse an der Bewegung als besondere Herausforderung veranschaulichen: Das Pferd des Polospielers hat nur einen Huf am Boden, ein Moment höchster Dynamik. Der Polospieler selbst – hier gönnt sich Sintenis künstlerische Freiheit – reitet mit nacktem Oberkörper. Muskeln und Sehnen von Mensch und Tier befinden sich in völligem Gleichklang.


Faszinierend ist in der Sonderausstellung dabei nicht allein die künstlerische Lebensleistung von Renée Sintenis als einer der wichtigsten Bildhauerinnen des beginnenden 20. Jahrhunderts, sondern auch ihr emanzipierter, steiniger Lebensweg selbst. Diesen beleuchtet Museumsleiterin Dr. Marlene Lauter. Die Schule hatte Renée, die eigentlich Renate hieß, ohne Abitur verlassen, nahm Zeichenunterricht. Als die Familie nach Berlin zog, begann sie dort eine Ausbildung an der Kunstgewerbeschule, lernte bei einem Historienbildhauer – konnte sich aber mit der Arbeit am Monumentalen nie wirklich identifizieren.  Nach fünf Semestern brach sie das Studium ab, geriet in eine Lebenskrise. Der Vater drängte sie in die Sekretärinnenarbeit hinein, kurz vor dem ersten Weltkrieg brach Renée mit den Eltern. Zur Versöhnung mit dem Vater kam es nie, er fiel im Krieg. Die junge Frau begann als Künstlerin zu arbeiten.


Mit gerade einmal 25 Jahren, im Jahr 1913, konnte sie ihre erste Ausstellung eröffnen und sich in der Berliner Kunstszene durchsetzen. Als Frau und Bildhauerin in jener Zeit eine tolle Sache, wie Lauter betont. Bald schon war sie in allen großen Galerien, Ausstellungen, Privatsammlungen vertreten und wurde 1931 nach Käthe Kollwitz als zweite Frau überhaupt in die Akademie der Künste aufgenommen.


1934 allerdings wurde sie aus der Akademie wieder ausgeschlossen – wegen ihrer jüdischen Großeltern mütterlicherseits. Ihr gelang es, „nur“ als Vierteljüdin statt als Halbjüdin eingestuft zu werden – so blieb sie von Verfolgung verschont und konnte weiter arbeiten, mit ihrer großen Präsenz war es aber zunächst vorbei. Zudem fielen etliche ihrer Kunstwerke den Kriegsbomben zum Opfer. In Vergessenheit geriet Renée Sintenis trotzdem nicht: Nach dem zweiten Weltkrieg wurde sie an die Berliner Hochschule der Künste berufen, 1948 bekam sie den Kunstpreis Berlin. Hohe Auszeichnungen folgten, unter anderem wurde sie zum „Ritter der Friedensklasse“ geschlagen und erhielt das kleine und große Bundesverdienstkreuz.  Und: Seit mehr als 60 Jahren ist ihr „Berliner Bär“ nicht nur Ikone einer Stadt, sondern auch eines international beachteten Filmfestivals.

Der Artikel  ist unter anderem  im Main-Echo erschienen.

Die Sonderausstellung Renée Sintenis. Bildhauerin“ im Museum im Kulturspeicher in Würzburg ist bis einschließlich 22. Juni zu sehen.

Fotos: Michaela Schneider


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Infokasten: Über die Sonderausstellung „Renée Sintenis. Bildhauerin“


Öffnungszeiten: Die Sonderausstellung Renée Sintenis. Bildhauerin“ im Museum im Kulturspeicher in Würzburg ist bis einschließlich 22. Juni zu sehen. Geöffnet ist das Museum Dienstag von 13 bis 18 Uhr, Mittwoch sowie Freitag bis Sonntag von 11 bis 18 Uhr und Donnerstag von 11 bis 19 Uhr.


Sonderführungen:  Führungen zur Ausstellung finden jeweils sonntags um 11.15 Uhr statt, Gruppenführungen können gebucht werden unter Telefon 0931/322250 oder 0931/372650.


Vorträge: „Eine sehr große Frau modelliert sehr kleine Tiere“ ist ein Vortrag von Dr. Ursel Berger am Mittwoch, 7. Mai, um 18.30 Uhr betitelt. Am 3. Juni, ebenfalls um 18.30 Uhr, wird Silke Kettelhake aus der Biografie der Künstlerin lesen unter dem Motto „Renée Sintenis – ein Spaziergang in Bildern“.


Kinderprogramm: In den Oster- und Pfingstferien bietet das Museum im Kulturspeicher mehrere Werkstätten für Kinder rund um Renée Sintenis an. Am Mittwoch, 23. April, ab 12 Uhr unternehmen Kinder zunächst einen Rundgang durch die Ausstellung. Anschließend sollen aus selbst gefertigten Tierzeichnungen Skulpturen aus Ton entstehen. Am Freitag, 25.  April, 12 Uhr können Kinder ab acht Jahren im Museum Porträtbüsten selbst herstellen.  „Aus Klotz wird Kreatur – Holzskulpturen schnitzen“ ist schließlich ein Aktionsnachmittag am Freitag, 20. Juni, ab 12 Uhr für Kinder ab acht Jahren betitelt.