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Magische Klötze und ein Stuhl für Zwerge
Wissenschaft
Die Ausstellung „Mit Sinn und Verstand“ in Würzburg geht erstaunlichen Phänomenen und
den Grenzen der Wahrnehmung auf den Grund – 30 Stationen mit interaktiven Exponaten


Von Michaela Schneider

Würzburg Sanft streichen zwei Pinsel über die eigene Hand sowie über eine Gummihand. Der Blick ruht auf dem leblosen Körperteil. Kurios – und irgendwie ganz schön unheimlich: Schon nach kurzer Zeit meint man, die Berührung auf der Gummihand zu spüren. Was ist passiert? Das Gehirn suggeriert, dass die Gummihand zum eigenen Körper gehört, obwohl man’s doch eigentlich allzu gut besser weiß. Nicht immer ist, was der Mensch wahrnimmt, tatsächlich wahr – das können Besucher der Ausstellung „Mit Sinn und Verstand. Wahrnehmungsphänomene zum Anfassen und Nachdenken“ im Didaktikzentrum Mind! der Julius-Maximilians-Universität in Würzburg derzeit am eigenen Leib erfahren.  


Auf den ersten Blick wirkt die Wanderausstellung des Nürnberger Museums „turmdersinne“ unspektakulär mit ihren gelben Plakaten auf großen Stellwänden. Erst beim zweiten Blick auf die rund 30 verschiedenen Tüfteleien und Versuche wird klar:  Einige Besucher werden hier geraume Zeit verweilen, ausprobieren, staunen, zweifeln und grübeln. „Eine der bedeutendsten Erfahrungen im Leben eines Menschen ist das Erlebnis, dass wir uns täuschen können“, sagt Dr. Rainer Rosenzweig, Wahrnehmungspsychologe und Geschäftsführer der turmdersinne GmbH. Ziel der Ausstellung sei es, über erlebbare Phänomene das Interesse junger Menschen für Wissenschaften zu wecken. Deshalb bietet die Ausstellung übrigens nach Anmeldung gesonderte Öffnungszeiten für Schulklassen und Gruppen an.


Noch eine Tüftelei gefällig? Dann geht es jetzt ans Schnuppern. Im Versuch gehen die Hobbyforscher dem Phänomen auf den Grund, dass der Mensch zwar sage und schreibe zwischen 4000 und 10000 Gerüche unterscheiden kann, eine Benennung häufig jedoch schwer fällt. „Kenn ich, riecht nach – ja was eigentlich?“, ist an der Station zu hören. Was passiert hier? Der Mensch kann Gerüche zwar „erkennen“, ist es aber schlichtweg nicht gewohnt, sie losgelöst von ihrer Entstehung zu benennen.


Faszinierend ist auch der Versuch mit den zwei „magischen Klötzchen“. Hebt man zunächst beide von oben gegriffen mit einer Hand hoch, setzt sie wieder ab und hebt dann nur das kleinere Objekt, erscheint dieses plötzlich viel schwerer als zuvor beide Klötze zusammen. Völlig absurd, kann nicht sein, ist man sich sicher. Was ist passiert?  Das obere Klötzchen ist kleiner, aber viel schwerer als das untere. Das Gehirn geht jedoch vom vermeintlichen Vorwissen aus, dass die Klötzchen aus dem gleichen Material bestehen. Es suggeriert nun: Viel schwerer als erwartet! Das Kuriose: Der Versuch funktioniert sogar, wenn man weiß, dass die Klötze unterschiedlich viel wiegen.


Und auch jede Menge optische Illusionen versetzen in Staunen, etwa wenn sich am so genannten „Beuchet“-Stuhl zwei Ausstellungsbesucher in Zwerg und Riese verwandeln oder sich herausstellt, dass in bestimmter Umgebung ein scheinbar offensichtliches Gelb eigentlich grau ist. Vor einer Streifenwand wird der ein oder andere das Gleichgewicht verlieren und am „Hörschlauch“ ins Stottern geraten.  


„Sinnesdaten werden gefiltert durch Erfahrung, Vorwissen, Kontext und Aufmerksamkeit“, sagt Wahrnehmungspsychologe Rosenzweig. Heißt: Unser Wahrnehmungsergebnis beruht auf Hypothesen des Gehirns. Dieses vollbringt ständig Höchstleistungen, interpretiert und konstruiert einen plausiblen Wahrnehmungseindruck. Aber entspricht dieser auch tatsächlich der Realität? Das wird wohl künftig intensiver hinterfragen, wer sich einmal durch die Ausstellung „Mit Sinn und Verstand“ getüftelt und gestaunt hat.


Übrigens wird dies nicht die letzte Ausstellung im Mind-Center gewesen sein: Ab 2014 ist dort eine ständige interaktive Ausstellung geplant mit dem Ziel, die Faszination an der Wissenschaft zu wecken, Alltagsbezüge zu verdeutlichen und Forschung zu vermitteln. Inhaltlich soll es zunächst einmal um das Higgs-Teilchen, um Wilhelm Conrad Röntgen und die Röntgenstrahlen,  um das Leben und Werk Albert Einsteins und um den menschlichen Körper gehen.  Das Mind-Center ist ein Zusammenschluss aller Didaktiken der mathematisch-naturwissenschaftlichen Fakultäten, hier begegnen sich in Lehr-Lern-Laboren oder auch bei Schülerforschungstagen Wissenschaftler, Studenten, Lehrer und Schüler.

Nicht alles ist, wie es scheint:  Eigentlich sind die beiden Schüler Sarah und Daniel weder Zwerg noch Riese, sondern in etwa gleich groß.

  

Fotos: Michaela Schneider



Infokasten: Die Ausstellung „Mit Sinn und Verstand“


Die Ausstellung „Mit Sinn und Verstand“ ist noch bis zum 31. Juli geöffnet. Sie befindet sich im Mind-Center auf dem Universitätscampus am Hubland-Nord, Matthias-Lexer-Weg 25. Geöffnet ist sie für die Öffentlichkeit Mittwoch bis Sonntag immer von 16 bis 19.30 Uhr. Für Schulklassen und Gruppen mit mehr als 15 Personen gelten nach Voranmeldung zusätzlich folgende Öffnungszeiten:  Montag bis Freitag von 8.30 bis 13 Uhr.  Anmeldung und weitere Informationen unter www.mind.uni-wuerzburg.de/sinn-und-verstand

Der Artikel ist unter anderem in der Tauberzeitung erschienen.