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Namaste und Lotusblüten

von Michaela Schneider

 

Peter hieß nicht Peter. Aber seinen Namen könne sowieso kein Tourist aussprechen. „Too difficult für German people“, zu schwierig für Deutsche, hatte der Singapur-Inder Thomas und Nathalie erklärt. Auf zwölf, höchstens 13 Jahre schätzten die beiden Deutschen den Jungen, der sie mittags  angesprochen hatte. Er könne ihnen etwas zeigen, das in Singapur einzigartig sei, hatte Peter verschwörerisch versprochen. Eine ganz spezielle Stadtführung zum guten Preis. Der kleine, geschäftstüchtige Kerl war irgendwie putzig warum nicht, hatte das Ehepaar aus München beschlossen.

 

Erste Station: der Sri Mariamman – ältester Hindu-Tempel Singapurs, erbaut 1823. Opulenter Schmuck, Gottheiten, Krieger, Blumenornamente. „Namaste“ hatte Peter gemurmelt, die Handflächen in der Nähe des Herzens zusammengepresst und den Kopf leicht nach vorn gebeugt. So drückten die Hindus sich gegenseitig und dem Göttlichen Respekt aus, hatte der Junge dann erklärt. „Try it!“ Versucht es, hatte er Thomas und Nathalie aufgefordert. Ein bisschen eigenartig war den Beiden zumute, als sie die fremde Geste imitierten.

 

Drei Straßen weiter bat Peter die Deutschen: „Zieht Eure Schuhe aus.“ Für Nathalie zog er zudem ein Kopftuch aus seinem Rucksack, erklärte: „Du musst es nicht tragen, aber es wäre nett.“ Als die kleine Gruppe nun still die Al-Abrar Moschee betrat, war Nathalie eigentümlich feierlich zumute – und auch Peter ließ seine Kamera in der Tasche und ließ ruhig die feierliche Atmosphäre des Gebetsorts auf sich wirken.

 

Während der folgenden Taxifahrt erfuhren Thomas und Nathalie: Gut 140 Tempel, Kirchen, Synagogen und Menschen gibt es in Singapur, oft stehen Hindu-Tempel und Moschee, buddhistisches Heiligtum und christliche Kirche in einer einzigen Straße nebeneinander. Und manchmal, da mischen sich innerhalb eines Gotteshauses sogar die Stile der verschiedenen Religionen als Zeichen des Respekts vor den Nachbarn. Natürlich hatten die beiden Deutschen viel über den Stadtstaat im siamesischen Golf  vor ihrer Reise nach Asien gelesen, wussten: Dass das Miteinander der zahlreichen Nationalitäten in Singapur funktionierte, lag nicht zuletzt an den strengen staatlichen Regeln einer Diktatur. Und trotzdem faszinierte die Zwei, wie selbstverständlich der Teenager nun über das religiöse Miteinander redete.

 

Bevor er mit seinen Begleitern den chinesischen Kwan im Thon Hood Cho Tempel betrat, zog der Junge Lotusblüten, Kerzen und Weihrauchstäbchen aus seinem Rucksack und zeigte Thomas und Nathalie, wie sich Buddhisten damit vor Buddhastatuen drei Mal verbeugen – nicht, um eine Gottheit anzubeten, sondern um einen hohen Gelehrten, seine Verkündigungen und seine Mönche zu ehren. Vor der Maghain Aboth Synagoge reichte Peter Thomas ein kleines Stoffhütchen als Kopfbedeckung.

 

„Gleich kennt ihr Euch selbst aus“, sagte er und zwinkerte fröhlich, als die Drei, unweit entfernt, eine christliche Kirche betraten. Dass, der Singapur-Inder eine Kerze am Seitenaltar anzündete und schweigend verharrte, erstaunte Nathalie schon nicht mehr. Trotzdem, eine Frage, hatte die Deutsche noch: „Peter, welcher Religion gehörst Du an?“ Seine Familie und er seien Hindu – er selbst glaube aber vor allem an die Kraft des Respekts, antwortete der Junge.  

Die Kurzgeschichte ist im Liboriusblatt erschienen.