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Fotos: Michaela Schneider

„Ich werde leben bis 2020“
Demografie
Ausstellung im Würzburger Rathaus porträtiert Menschen, die 100 Jahre oder
älter sind - Ehrlicher Blick auf Biografien voller Schicksalsschläge und  auf den Alltag betagter Senioren


Von Michaela Schneider

Würzburg Rita Hartigs Leben ist mühsam geworden. Sie sitzt im Rollstuhl, der Körper will nicht mehr wie früher. Trotzdem strahlt die 103-Jährige für die Kameras, betrachtet konzentriert die Stellwände im Würzburger Rathaus, diskutiert versiert über die ungewöhnliche Ausstellung. Dass sie selbst Teil der Ausstellung sei – nun, das sei schon ein bisschen komisch, sagt die betagte Dame. Doch ist sie’s ganz zu Recht: Denn Rita Hartig und den zwölf anderen über Hundertjährigen im Porträt gelingt es, Mut zu machen und ein Stück weit die Angst vor dem Altern zu nehmen. Das funktioniert, gerade weil ein sehr ehrlicher Blick auf das Leben und den Alltag der Senioren geworfen wird.


Zum Projekthintergrund: Gemeinsam mit der Beratungsstelle für Senioren hatte die Fachhochschule Würzburg-Schweinfurt eine Studie mit über 100-Jährigen erarbeitet, die heute in Würzburg leben. Dafür befragten die beiden Studentinnen der angewandten Sozialwissenschaft, Helena Heinrich und Anne Zeun, insgesamt 13 Würzburg, die 100 Jahre oder älter sind. Insgesamt leben in Würzburg derzeit knapp 50 Menschen dieser Altersgruppe. Die Gespräche drehten sich dabei nicht allein um die Lebensläufe und Erinnerungen der Senioren, sondern befassten sich zudem mit Charakterzügen und Vorlieben, aber vor allem auch mit der gegenwärtigen Situation der betagten Würzburger. Die Studenten Rainer Wengel und Daniel Zellfelder von der Fakultät Gestaltung sorgten für die passende Bebilderung: Zu sehen ist in der Ausstellung jeweils nicht nur ein großformatiges Porträt. Fotografien zeigen zudem Interviewsituationen, das heutige Umfeld der Befragten sowie Hände, die 100 und mehr Jahre Arbeit und Leben hinter sich haben.


Sie erlebten die Weimarer Republik, die Gräuel des Krieges und die Vertreibung. Manches schreckliche Erlebnis prägt ein ganzes Leben. Sie könne bis heute keine Sirenen hören ohne an die Luftangriffe des Zweiten Weltkriegs zu denken, erzählt etwa Barbara Hopf aus Essfeld. Doch trotz aller Schicksalsschläge zieht sie ein positives Lebensfazit und würde ihr Leben noch einmal so leben wollen. „Es war ein mörderisches Jahrhundert, in dem Menschenrechte schwer verletzt wurden“, sagt Professor Dr. Theresia Wintergerst, die das Projekt federführend betreut hat. Auch Bildungshoffnungen der Frauen seien schwer enttäuscht worden. „Hauptsache studieren“, war etwa der Wunsch von Helene Reichelt.  Doch dies sei damals aussichtslos geworden. Da sei sie schon unglücklich gewesen, sagt die Seniorin – habe sich aber schnell damit abgefunden.

Beim Studium der Biographien ist rasch klar, was den Befragten vor allem gemein ist: Sie akzeptierten unabänderliche Schicksalsschläge, versuchten diese zu relativieren, legten immer wieder einen unsagbar starken Lebenswillen an den Tag und gestalteten im Rahmen ihrer Möglichkeiten das eigene Leben selbst. Ein Rezept für ein langes Leben? Studiert man die bemerkenswerten Biografien, ist davon auszugehen.


Viele der 100-Jährigen leben seit Jahren in Senioreneinrichtungen, einige wohnen nach wie vor in den eigenen vier Wänden. Zum Beispiel die gebürtige Würzburgerin Luise Singer. Sie wäscht und bügelt selbst, strickt noch und geht alle vier Wochen zum Klassentreffen. Und auch Hedwig Stier bewältigt ihren Haushalt daheim immer noch weitgehend selbst. Allerdings machen ihre Worte nachdenklich: „Wenn man viel selber machen kann, kriegt man keine Hilfe und Unterstützung.“

Nicht die einzige gesellschaftliche Herausforderung mit Blick auf den demografischen Wandel, die bald angegangen werden sollte, denn: 50 Prozent der nach 1970 geborenen Frauen werden in Deutschland  100 Jahre und älter werden, so die Prognose. Entsprechend soll auch die Würzburger Studie weitergeführt werden: „Künftig möchten wir Menschen aus der Region Würzburg einbinden und die Hundertjährigem im ländlichen Raum porträtieren“, sagt Volker Stawski, Leiter der Beratungsstelle für Senioren und Menschen mit Behinderungen in Würzburg.


Auch der Humor kommt in der Ausstellung im Würzburger Rathaus übrigens nicht zu kurz. Befragt nach dem Grund für sein hohes Alter, sagte zum Beispiel Arnold Heimberger, geboren in Amorbach: Ich habe mich an die Worte Winston Churchills gehalten: Whiskey, cigars, no sports.“ Und der 100-jährige Paul Rottenau hat noch einiges vor in seinem Leben. „Ich werde leben bis 2020“, kündigt er auf der Stellwand im Rathausfoyer an.  

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Der Artikel ist im Main-Echo erschienen.

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Infokasten: Ausstellung und Demografieforum


Die Ausstellung zum Projekt „Hundertjährige in Würzburg“ ist bis einschließlich 28. November im Foyer des Würzburger Rathauses während dessen Öffnungszeiten zu sehen. Am 26. November von 9.30 bis 13 Uhr findet im Ratssaal des Rathauses das 4. öffentliche Würzburger Demografieforum statt. Hier wird es ebenfalls um die alternde Bevölkerung und die Folgen für die Gesellschaft gehen.