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„Selbsthilfe darf kein Jammerverein sein“
Beim 10. Bayerischen Selbsthilfekongress in Würzburg blicken Gruppen, Organisationen,
 Fachkräfte und Engagierte auf Trends und Perspektiven der ehrenamtlichen Arbeit


Von Michaela Schneider
Würzburg
Selbsthilfe ist in der Gesellschaft nicht nur angekommen, sondern befindet sich in Bewegung. Das zeigte sich jetzt beim 10. Bayerischen Selbsthilfekongress in Würzburg.  Dass sich Gruppen, Organisationen, Fachkräfte und Engagierte heuer in der unterfränkischen Stadt am Main trafen, hat zwei Ursachen: Zum einen befindet sich hier die Geschäftsstelle der Selbsthilfekoordination Bayern, diese ging 2002 aus der Würzburger Kontaktstelle für Selbsthilfe hervor. Zum anderen feiert das Aktivbüro der Stadt als Mitveranstalter des Kongresses sein 30-jähriges Bestehen.  Neben Workshops und einem Themenforum „Gesunder Schlaf“ sprachen Experten auf einem „Jetzt-red-i-Stuhl“ über Selbsthilfe heute. Dr. Christopher Kofahl vom Institut für Medizinische Soziologie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf stellte erste Ergebnisse der Studie „Gesundheitsbezogene Selbsthilfe in Deutschland – Entwicklungen, Wirkungen, Perspektiven“ vor.


Zunächst ein Blick auf Selbsthilfe in Bayern im Allgemeinen. Schätzungen zufolge gibt es im Freistaat rund 11000 Selbsthilfegruppen mit 500000 Mitgliedern zu knapp 900 verschiedenen Themen. Zu Beginn wurden hauptsächlich Gruppen aus dem Bereich der chronischen Erkrankungen gegründet, blickt Theresa Keidel, Geschäftsführerin der Selbsthilfekoordination auf die Historie. Seit einem Jahrzehnt initiierten Bürger verstärkt Gruppen aus dem psycho-sozialen Bereich, die Themen reichen dabei von Burnout über junge Depressive bis hin zur Internet- oder Kaufsucht.


Und noch etwas ändert sich laut Keidel: Während sich die Selbsthilfearbeit früher eher auf Gespräche und Fachinformationen beschränkte, bieten viele Gruppen inzwischen zudem gesundheitsfördernde  Maßnahmen und Aktivitäten wie gemeinsamen Sport an. Selbsthilfe befindet sich also in doppelter Hinsicht in Bewegung.  Die Selbsthilfekoordination Bayern sieht ihre primäre Aufgabe in der landesweiten Vernetzung und Unterstützung der Selbsthilfe  im Gesundheits- und Sozialbereich, macht Lobby- und Öffentlichkeitsarbeit, treibt die Kooperation mit Ärzten und Apothekern voran oder organisiert etwa auch Kongresse wie nun in Würzburg.  


Einen wissenschaftlichen Blick werfen derzeit Wissenschaftler der Universitäten Hamburg, Hannover und Köln auf die gesundheitsbezogene Selbsthilfe in Deutschland, knapp 1200 Selbsthilfeorganisationen beteiligten sich laut Christopher Kofahl an der Umfrage zur Bestandsaufnahme.  Dabei kristallisierten sich mehrere Probleme heraus: Es wird schwieriger, Mitglieder für aktive Aufgaben sowie Neumitglieder zu gewinnen. Und die ehrenamtlich Engagierten geraten an die Grenzen ihrer Kräfte – auch, weil es an finanziellen Mitteln und hauptamtlichen Mitarbeitern fehlt. Ein positives Signal setzen hier Politik und Krankenkassen ab Januar 2016: Mit Inkrafttreten des neuen Präventionsgesetzes stocken die Kassen die Selbsthilfeförderung in Deutschland um rund 30 Millionen Euro auf.  Als eine Aufgabe der Zukunft sehen es Experten übrigens auch an, Migranten in die Selbsthilfearbeit einzubinden. Echte Erfolge lassen hier bislang auf sich warten – Kofahl verweist in dem Zusammenhang auch auf ein sprachliches Problem: Selbsthilfe ist eine deutsche Wortkreation, ein vergleichbares Wort im Englischen gibt es nicht. „Angebote können allein schon dadurch von anderssprachigen Menschen nicht gefunden werden“, sagt der Experte.     


Doch wo liegt die Motivation bei den Aktiven, sich zu engagieren – übrigens laut Studie im Schnitt 7,5 Stunden pro Woche? Würzburgs Bürgermeisterin Marion Schäfer-Blake beschreibt Selbsthilfe als „ganz besondere Form des bürgerschaftlichen Engagements von Menschen, die aus der Not heraus aktiv werden“. Vor sechs Jahren gründete zum Beispiel Beate Beyrich in Würzburg die Frauenselbsthilfe nach Krebs. Gruppenabende gestaltet sie bewusst sehr lebhaft, organisiert Referenten aus Kliniken und Co. und betont: „Selbsthilfe darf kein Jammerverein sein. Es darf geweint, aber genauso gelacht werden.“ Deshalb hat sie übrigens ständig eine rote Clown-Nase dabei – ganz einfach, um wenn nötig, ein Lächeln ins Gesicht der Mitmenschen zu zaubern. Beim Kongress wurden die fröhlichen, roten Kugelnasen an alle Teilnehmer verteilt.

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Der Artikel  ist unter anderem  im Main Echo erschienen.