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Von Michaela Schneider

 

Gemünden-Langenprozelten Wenn der Mann denkt, Testosteron sei eine Stadt in Südamerika, dann steht’s schlecht um die eheliche Erotik. Das zumindest reden der alternde Playboy Dieter und die schrille, von Torschlusspanik getriebene Glamourlady Katja ihren Freunden Leah und Paul ein. Letztere sind seit 24 Jahren verheiratet – und sollen nun per doppeltem Seitensprung neuen Schwung in die Beziehung bringen. „Seitensprung für Zwei“ ist die Boulevardkomödie des Erfolgsautorenduos Lars Albaum und Dietmar Jacobs (Grimmepreis für die Serie „Stromberg“) demzufolge auch betitelt, die derzeit in der Spessartgrotte in Langenprozelten bei Gemünden zu sehen ist.

 

Das Stück ist gespickt mit Witz und Pointen. Für wenig Erotik aber viel Gelächter sorgt der unbeholfene Versuch, Kim Basingers 9 ½ Wochen nachzuahmen: Statt Erdbeeren und Honig dienen als Utensilien fürs kulinarische Liebesspiel Bierwurst und Senf. Der spießige Paul (Michel Schäfer) interessiert sich mehr für die heiß geliebte Standuhr, den Wasserschadenfleck an der Decke und den neuen elektrischen Nasenhaartrimmer als für sein sich räkelndes „Bärli“ Leah (Tanja Green). Verdächtig fühlt man sich immer wieder in biederlich-loriotsche Eheszenen versetzt.

 

Die Singlefreunde Katja (Kerstin Kitzig) und Dieter (Fabio Sorgini) indes schwärmen vom Sex im Pater Noster und auf dem Küchentisch. Jetzt stellt sich die Frage: Sind die beiden, wie Leah sagt, „zwei alternde Karnickel, die nur das eine im Kopf haben?“ Oder aber ist Monogamie eine Krankheit? Paul und Leah nehmen sich schließlich doch Dieters Rat zu Herzen, der empfiehlt: „Einer Ehe tut es gut, wenn man auch mal auswärts isst.“ Der Deal: Jeder darf innerhalb der nächsten beiden Wochen einmal fremdgehen. Ein spaßiges Verwirrspiel mit allerlei Überraschungen nimmt seinen Lauf. Warum heißt zum Beispiel Friseurin  Sandy (Veronika Fischer) nicht Mandy? Lediglich am Ende gibt’s ein bisschen zu viel vorhersehbares Happy End auf der ganzen Linie. Die kurzweilige Boulevardkomödie lebt mehr von ständigen Pointen, denn von der großen Dramaturgie. Und vor allem lebt sie von einem hochmotivierten Ensemble auf der Bühne, dem man kleine Textschwächen gern verzeiht.

 

Herrlich überzogen spielen vor allem Fabio Sorgini, Kerstin Kitzig und später Matthias Hock als ungarischer Tennislehrer Laszlo. Vor allem bei deren Kostümauswahl hat Regisseurin Helga Hartmann tief in die Klamottenkiste gegriffen: Dieter mit gruselig-aufgeknöpftem Hemd, Goldketten und viel Brusthaar könnte nicht mehr Möchtegern-Playboy sein. Katja erinnert gerade im Wildkatzenoutfit verdächtig an Peggy Bundy aus der Serie „eine schrecklich nette Familie“.  Das Bühnenbild ist recht schlicht gehalten, dabei ein nettes Detail: Ein Gemälde mit der Freiheitsstatue – denn: „Einmal verrückt sein und aus allen Zwängen flieh’n“, frei nach Udo Jürgens, wollen auf der Bühne schließlich alle!

 

„Ein Seitensprung für Zwei“ in der Spessartgrotte lebt von Situationskomik: von Pauls mehr oder weniger sexy federndem Tigergang und Dieters Liebesschreien als „Ornithologe“; von Sandys scheinbaren Annäherungsversuchen beim Haareschneiden und Laszlos knuffig-ungarischem Akzent; von Katjas frechen Sprüchen (Monogam heißt, nicht mal mit dem Bofrost-Mann?) und Leahs Versuchen, sich gegen Laszlos Tennisunterricht zu wehren. Eine kurzweilige Inszenierung, die den Besuch lohnt und ganz einfach Spaß macht.   

 

Dauer: 150 Minuten (mit Pause); nächste Termine (sonntags Beginn 19 Uhr, sonst 20 Uhr): 31. Dezember, 5., 13., 18., 25. Januar, 8., 16. und 24. Februar; 23. und 31. März; 19. und 27. April;  3. und 17. Mai; 2. und 16. Juni.

Kulinarisches „Liebesspiel“ mit Bierwurst und Senf

 

Boulevardkomödie Spessartgrotte inszeniert einen
„Seitensprung für Zwei“ vom Erfolgsautorenduo Lars Albaum und Dietmar Jacobs

 

          

Leah ((Tanja Green) will Ehemann Paul (Michel Schäfer) im rosa Plüschanzug verführen – der interessiert sich aber vor allem für den neuen Nasenhaartrimmer.

                                                                                                                                                 Alle Fotos: Michaela Schneider

Finale in benachbarten Hotelzimmern. Im Bild von links: Fabio Sorgini als Playboy Dieter, Kerstin Kitzig als Glamourlady Katja, Michel Schäfer als Ehemann Paul, Matthias Hock als Tennislehrer Laszlo und Tanja Green als Ehefrau Leah.

Kerstin Kitzig als Glamourlady Katja (links) gibt ihrer biederen Freundin Leah (Tanja Green) Nachhilfe im Fremdgehen.

Leah (Tanja Green) ist der Tennislehrer Laszlo (Matthias Hock) ziemlich suspekt.

Wenn man solche Freunde hat, braucht man keine Feinde: die Trauzeugen Dieter (Fabio Sorgini) und Katja (Kerstin Kitzig).

Der Artikel ist im  Main-Echo erschienen.

Am Ende ist manches anders, als es scheint. Von links: Kerstin Kitzig als Katja, Fabio Sorgini als Dieter und Michel Schäfer als Paul.

Haben sich endlich gefunden: Friseurin Sandy (Veronika Fischer) und Tennislehrer Laszlo (Matthias Hock).