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Wenn im Alter die Sehkraft nachlässt
Augenheilkunde Im deutschlandweit einzigartigen Modellprojekt „Sehen im Alter“ soll ein Leitfaden für Senioreneinrichtungen entwickelt und Ärzte, Optiker und Rehatrainer sollen vernetzt werden

 

Von Michaela Schneider

Würzburg Schon wieder kippt ein Trinkglas um, weil die Augen nicht mehr mitmachen. An die Zeitungslektüre ist schon lange nicht mehr zu denken. Und Stürze häufen sich. Wenn im Alter die Sehkraft nachlässt, können Kleinigkeiten im Alltag zu großen Herausforderungen werden. Lebensqualität geht verloren, weil über Jahrzehnte lieb gewordene Hobbys nicht mehr möglich sind. In vielen Fällen aber wäre mit Augenbehandlungen oder speziellen Sehhilfen Abhilfe zu schaffen. Die Krux dabei: Senioreneinrichtungen sind bislang nicht verpflichtet, mit den Bewohnern für allgemeine Untersuchungen zum Augenarzt zu gehen. „Dafür sind keine Ressourcen vorgesehen“, sagt Sabine Kampmann, Orthoptistin am Würzburger Blindeninstitut. Das Absurde: Sähe mancher Senior besser, hätten auch die Mitarbeiter in den Heimen oft weniger Arbeit. Für Kampmann Anlass genug, mit der Würzburger Blindeninstitutsstiftung und der Low-Vision-Stiftung das groß angelegte, deutschlandweit einmalige Modellprojekt „Sehen im Alter“ auf die Beine zu stellen. Sie selbst ist nun Projektleiterin. Ziel: eine Handlungsempfehlung für Senioreneinrichtungen und die Vernetzung von Pflegeeinrichtungen mit Experten wie Ärzten oder Optikern.

 

Dafür stellt das bayerische Sozialministerium 300000 Euro zur Verfügung. Weitere Gelder fließen über die Edith-Mühlschlegel-Stiftung sowie die Stiftung „Daheim im Heim“. Bewilligt wurde das Projekt im Juni 2012, laufen wird es bis Mai 2015. Wissenschaftlich begleitet wird es von der Pädagogischen Hochschule in Heidelberg und der Abteilung für psychologische Altersforschung am Psychologischen Institut der Universität Heidelberg.

In den kommenden Wochen beginnt nun ein Team aus Mitarbeitern des Blindeninstituts wie auch der Universitätsklinik Würzburg mit der praktischen Arbeit. Dabei werden Augen und Sehkraft von rund  500 Bewohnern aus 20 Senioreneinrichtungen des Caritasverbandes in ganz Mainfranken untersucht werden. Denn Fakt ist: Von allen Sinnen ist der Sehkanal für den Menschen der wichtigste – 80 Prozent seiner Umwelt, nimmt ein gesunder Mensch über die Augen wahr.

 

In vielen Fällen, so Kampmanns Vermutung, könnte schon eine bessere Sehhilfe gute Dienste leisten.  Und dabei geht es nicht allein um eine stärkere Brille, sondern auch um Hilfen wie Lesegeräte oder elektronische Lupen. Immer mehr im Kommen laut der Orthoptistin: mobile Bildschirmlesegeräte mit denen der Senior auch einmal im Garten ein Buch lesen kann. Die Kosten sollte bei medizinischer Notwendigkeit je nach Gerät übrigens die Krankenkasse übernehmen oder bezuschussen, denn die Unterstützung der Lesefähigkeit mit Hilfsmitteln zählt zur Grundversorgung – und auf die hat hierzulande jeder Anspruch.

 

Zudem sollen  durch die Untersuchungen Krankheiten entdeckt werden, denn: Eine altersbedingte Makuladegeneration, ein erhöhter Augeninnendruck (Glaukom) oder Netzhauterkrankungen auf diabetischer Basis beispielsweise können in vielen Fällen behandelt werden – je früher, desto besser.

 

Nach den Untersuchungen werden Empfehlungsschreiben für Pflegeeinrichtungen und Senioren verfasst. Nach weiteren vier bis sechs Wochen wird im Rahmen des Projekts nachgefragt werden, ob die Handlungsempfehlungen befolgt wurden – oder warum gegebenenfalls nicht. Falls die Patienten nun auf Hilfsmittel wie optische oder digitale Sehhilfen zurückgreifen, soll unter anderem hinterfragt werden: Hat sich ihre Lebensqualität dadurch verbessert? Lesen sie wieder? Stürzen sie seltener? Wirken sie zufriedener? Und haben sie wieder mehr sozialen Kontakt zu ihren Mitmenschen?

 

Natürlich kann es vorkommen, dass eine Untersuchung ergibt: Die Sehkraft kann nicht mehr verbessert werden. Doch auch, wenn nur noch ein bisschen Augenlicht erhalten ist, kann laut Kampmann mittels einer entsprechenden Raumgestaltung, Lichtern, Kontrasten und Orientierungshilfen der Alltag massiv erleichtert werden.

Basierend auf den Erfahrungen in den 20 Senioreneinrichtungen der Caritas in der Diözese Würzburg wird das Projektteam dann einen Qualitätsleitfaden als Handlungsempfehlung für Senioreneinrichtungen in ganz Bayern verfassen. Fürs Sozialministerium war aber nicht allein das geplante Schriftstück ein Grund, das Modellprojekt zu unterstützen, erzählt Kampmann.  Ausschlaggebend war vor allem auch der nachhaltige Ansatz, denn: Im Zuge des Projekts werden keine Brillen oder elektronischen Hilfsmittel an Senioren verkauft, die Idee ist eine andere. „Wir wollen durch das Modellprojekt ein Netzwerk an Optikern, Rehatrainern und Augenärzten aufbauen“, berichtet die Orthoptistin. Heißt auch: Experten sollen für das Thema langfristig sensibilisiert werden.

 

Der Gedanke dabei ist zudem: Wenn bei älteren Menschen frühzeitig eine Grundlage für gutes Sehen geschaffen wird, können sie länger ihren gewohnten Hobbys nachgehen wie Nähen, Lesen oder Musizieren – und das erhöht nicht nur die Lebensqualität, sondern hält auch länger fit. Die Alltagskompetenz wird dadurch gefördert. Und mancher Senior könnte mit einer besseren Sehkraft vielleicht sogar länger in den eigenen vier Wänden wohnen bleiben. Für das Gesundheitssystem wiederum brächte dies eine deutliche finanzielle Entlastung mit sich.

 

Kampmann ist bewusst, dass die Arbeit mit älteren Menschen Zeit kostet. Sie fordert: Regelmäßige Augenarztbesuche müssten eigentlich zur Standardversorgung in Pflegeheimen gehören, dazu müssten neue Finanzierungsmodelle her. „Mit Blick auf den demografischen Wandel müssen sich Ärzte auf ältere Patienten einstellen“, so die Orthoptistin.

Fakt ist, dass die Sehkraft ab einem Alter von 75 Jahren massiv nachlässt. Zwischen 1993 und 2011 ist die Zahl der Menschen mit 75 Jahren oder älter aber bereits um mehr als 53 Prozent gestiegen. Und dieser Trend setzt sich fort. Deshalb liegt ein Schwerpunkt des Projekts „Sehen im Alter“ übrigens auch auf der Untersuchung demenzerkrankter Menschen. Denn: Standardisierte Tests funktionieren häufig nicht, wenn bei den Patienten kein Buchstaben- und Zahlenverständnis mehr vorhanden ist.  Eine Diagnostik ist dadurch sehr zeitaufwändig.

 

Doch ist auf diesem Gebiet reichlich Expertise im Würzburger Blindeninstitut vorhanden, denn in der Einrichtung leben, lernen und arbeiten auch Menschen mit Mehrfachbehinderung – und in diesen Fällen wird von jeher mit speziellen Tests gearbeitet. So gibt es etwa nonverbale Untersuchungsmöglichkeiten, bei denen auf der Basis von verschiedenen Sehreizen die jeweilige Augenbewegung als Grundlage dient. Auch diese Erfahrungen sollen nun im Rahmen des neu entstehenden Netzwerks und in den Handlungsempfehlungen an Experten weitergegeben werden.

Der Artikel ist im Magazin „Gesundheit!“ erschienen.

Infokasten: Sehhilfenberatung am Blindeninstitut

 

Das Blindeninstitut Würzburg bietet eine Sehhilfenberatung an. Infrage kommt sie bei Menschen mit Sehauffälligkeiten, Sehbehinderung und gesetzlicher Blindheit. Mit einem Rezept des behandelnden Augenarztes übernimmt die Krankenkasse in der Regel die anfallenden Kosten. Im Zuge der ein- bis zweistündigen Beratung kann die Sehfunktion umfassend überprüft werden, optische und elektronische Hilfsmittel wie Lupen, Lupenbrillen, Bildschirmlesegeräte, spezielle Lichtschutzgläser oder Lampen werden erprobt, um herauszufinden, welche Hilfsmittel sich für den Einsatz im individuellen Fall eignen. Auch geben die Mitarbeiter Tipps, wie die eigenen vier Wände umgestaltet werden können, um über Kontraste und andere Hilfen die Orientierung daheim zu erleichtern. Vermittelt werden auch weiterführende Maßnahmen. Nähere Informationen und Terminvereinbarung bei den beiden Orthoptistinnen Sabine Kampmann, Telefon 0931/20922305, und Katja Schmitt, 0931/20922303.