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Fit im Job trotz Sehbehinderung

Das Berufsförderungswerk Würzburg unterstützt blinde und sehbehinderte
Menschen beim Wiedereinstieg in den früheren Job oder qualifiziert sie für einen neuen Beruf


Von Michaela Schneider

Würzburg Schleichend lässt die Sehkraft nach. Buchstaben verschwimmen am Bildschirm. Der Blick auf den Monitor strengt im Job derart an, dass Kopfschmerzen und völlige Mattigkeit den Feierabend bestimmen. Vielleicht drängt in solchen Fällen der Chef. Vielleicht weiß auch der Arbeitnehmer selbst schlichtweg nicht mehr weiter, Hilfe muss her. Diese bietet das Berufsförderungswerk (BFW) Würzburg mit Sitz in Veitshöchheim, ein überregionales Zentrum für die berufliche Bildung erwachsener blinder und sehbehinderter Menschen. Zum deutschen Sehbehindertentag am 6. Juni berichtet der 55-jährige Sozialpädagoge und Betriebswirt Sozialwesen (KA), Manfred Gerlinger, von der Arbeit des BFW  und Menschen mit Sehbehinderung im Berufsleben. Er leitet die Abteilung Assessment.


Was genau macht die „Abteilung Assessment“ des Berufsförderungswerks?

Manfred Gerlinger: Wir versuchen die Frage zu beantworten, wie es bei einer Seheinschränkung beruflich weiter geht. Klassisches Beispiel ist ein Arbeitnehmer, der nicht mehr auf 100 Prozent Sehleistung kommt. Wir beurteilen dann im Rahmen einer ein- bis zweiwöchigen „Abklärung der beruflichen Eignung“ in ausführlichen Tests zusammen mit den Ratsuchenden, mit welchen Hilfsmitteln es im erlernten Beruf weitergehen kann oder ob eine berufliche Neuorientierung sinnvoll ist.


Angenommen, es kann im erlernten Beruf weitergehen: Welche Hilfsmittel stehen zum Beispiel zur Verfügung, wie unterstützt nun das BFW?

Gerlinger: Wir führen Gespräche mit dem Arbeitgeber. Wir prüfen, ob der Arbeitsplatz umgestaltet werden kann, gerade auch mit Blick auf Licht und Blendung. Wir klären ab, wie hoch die Belastbarkeit des Arbeitnehmers in Zukunft ist. Zudem gibt es bei einer Sehbehinderung jede Menge Hilfsmittel: Vergrößerungssoftware, Bildschirmlesegeräte, Lupen als mobile Hilfen oder Kantenfilter, um nur einige zu nennen.


Falls die Sehbehinderung einen Wiedereinstieg in den einstigen Beruf verhindert: Wie geht es weiter?

Gerlinger: Dann schauen wir, in welchem Bereich wir den Klienten qualifizieren können. Das Berufsspektrum reicht dabei von Metallberufen wie dem Zerspanungsmechaniker bis hin zu einer ganzen Palette an kaufmännischen und verwaltenden Berufen: Etwa Bürokaufleute, Verwaltungsfachangestellte oder Fachinformatiker. Insgesamt verfügt das BFW über 200 Ausbildungsplätze in mehr als 20 verschiedenen Ausbildungsberufen und Berufsvorbereitungen. Die verschiedenen Kurse vor Ort dauern sechs bis 24 Monate. Darin geht es übrigens auch darum, neben dem Job Perspektiven für den Alltag zu eröffnen: Angefangen beim täglichen Kochen, Sport bis hin zur Frage: Wie kann ich mich als sehbehinderter oder blinder Mensch mich trotzdem ansprechend kleiden, zum Beispiel mit Hilfe eines Farberkennungsgerätes. Denn das Erscheinungsbild am Arbeitsplatz beeinflusst ja unter Umständen auch die beruflichen Chancen. Zu den Qualifizierungen vor Ort kommt ein breites Spektrum an eLearning-Kursen hinzu.


Oberstes Ziel des BFW ist es, blinde oder sehbehinderte Menschen ins Berufsleben wiedereinzugliedern. Wie schwierig ist die Integration in der Praxis?

Gerlinger: Integration ist allgemein ein schwieriges Thema, aber mit entsprechendem Aufwand und viel Überzeugungsarbeit lassen sich potenzielle Arbeitgeber akquirieren. In der Region haben wir feste Ansprechpartner, das BFW ist jedoch in ganz Deutschland tätig. Entsprechend sind wir an einer bundesweiten Vernetzung sehr interessiert. Gute Chancen haben unsere Klienten, Arbeitgeber durch Langzeit- Praktika von sich und ihrer Arbeit zu überzeugen. Denn häufig haben Arbeitgeber zunächst Vorbehalte, fragen sich: Muss man ständig neben dem blinden Mitarbeiter sitzen? Wie kommt er zu Kantine? Wie meistert er den Weg zur Arbeit? Diese Vorbehalte lassen sich in der Praxis schnell ausräumen. In manchen Berufen – nehmen wir zum Beispiel den Fachinformatiker – ist ein sehbehinderter oder blinder Mensch vielleicht sogar bevorteilt, weil er weniger  abgelenkt wird als die sehenden Kollegen. Auch verfügen Menschen mit Seheinschränkung oft über ein sehr strukturiertes Denkvermögen und arbeiten über reine Tasteneingabe schneller als Kollegen, die mit der Maus hantieren. Noch eine Zahl, um Ihre Frage ganz konkret zu beantworten: Die berufliche Wiedereingliederung gelingt bei über 70 Prozent der BFW-Absolventen.


Wie bereitet das BFW seine Klienten auf einen neuen Arbeitsplatz in fremder Umgebung vor?

Gerlinger: Nehmen wir als Beispiel einen blinden Menschen. Hier klären wir zunächst ab, welche Unterstützung benötigt wird. Dann schulen wir durch Mobilitätstraining einerseits Laufwege direkt beim Arbeitgeber, zum anderen bei Bedarf auch den Weg von der Wohnung zum Arbeitgeber.


Warum ist es den Menschen ihrer Erfahrung nach so wichtig, wieder  ins Berufsleben einsteigen zu können?

Gerlinger: Arbeit ist bei uns nun mal ein hohes Gut, unsere Gesellschaft ist leistungsorientiert. Es geht darum, am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben und sich eine finanzielle Unabhängigkeit  zu erarbeiten. Es geht um das eigene Selbstwertgefühl und darum, zu zeigen, dass man trotz der Seheinschränkung mithalten kann.

Der Artikel  ist unter anderem  im Main-Echo erschienen.

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Infokasten: Deutscher Sehbehindertentag am 6. Juni


Der Deutsche Sehbehindertentag wurde als Ergänzung zur bundesweiten Woche des Sehens und dem “Tag des weißen Stocks“ ins Leben gerufen. Intention ist es, auf Menschen mit einem Sehrest aufmerksam zu machen. Als sehbehindert gilt, wer auf dem besseren Auge über maximal 30 Prozent Sehleistung mit Korrektur/Brille verfügt. Als blind dagegen gilt, wer auf dem besseren Auge über maximal zwei Prozent Sehleistung mit Korrektur/Brille verfügt oder ein Gesichtsfeld von maximal fünf Grad hat. In Deutschland gibt es 600000 Menschen mit Sehbehinderung und 155000 blinde Menschen. In Unterfranken sind 4500 Menschen sehbehindert und 1750 blind.