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Ekstase am Morgen und Forschung für die Weltherrschaft
Science Slam: Beim „Tag der Physik“ treten Wissenschaftler zum Wettkampf der klugen
Köpfe an – Das Publikum wählt den Sieger - Balanceakt zwischen Fachwissen und Unterhaltung


Von Michaela Schneider
Würzburg  
„Macht Naturwissenschaften sexy“, appelliert Thore Posske an seine Kollegen. Und selbst macht der Physiker aus Würzburg gleich vor, wie‘s geht: Am Tag der Physik der Julius-Maximilians-Universität in Würzburg holt er mit viel Körpereinsatz und Leidenschaft für seine Disziplin jetzt den ersten Preis beim „Science Slam“. Bei dem humorvollen Wettkampf der Wissenschaftler hatte jeder der sechs Teilnehmer zehn Minuten Zeit, ein Teilgebiet seiner Disziplin zu präsentieren. Erlaubt: sämtliche Mittel – vom Comic bis zur schauspielerischen Einlage.


In vielen deutschen Universitätsstädten erleben die Wettkämpfe der klugen Köpfe derzeit Hochkonjunktur, selbst auf manchem Fernsehsender flimmern inzwischen „Science Slams“. Erfinder war einst der Psychologe Alexander Deppert. Als Vorbild zog er die Poetry Slams heran, zu Deutsch Dichterwettstreite, und entwickelte im Jahr 2006 ein vergleichbares wissenschaftliches Format für Darmstadt. „Wissenschaft bedarf einer Erklärung und die Darstellung im öffentlichen Raum gelingt nicht immer“, erklärt der Moderator in Würzburg, Universitätsprofessor Ronny Thomale, die Intention der Veranstaltung.

Der Anspruch an die Teilnehmer ist dabei hoch: Sie sollen ihr Arbeits- oder Forschungsgebiet so verständlich und anschaulich wie möglich darstellen. Das Publikum wählt anschließend den Sieger – und bei der Bewertung spielt nicht allein das Fachwissen eine Rolle, sondern vor allem die beste Zehn-Minuten-Show. Für die Physiker  geht damit ein Balanceakt zwischen wissenschaftlichem Anspruch und populärer Unterhaltung einher.


Der Astrophysiker Tobias Beuchert etwa greift auf einen ganzen Schwung Vergleiche zurück, um die Entstehung des Universums unter dem Motto „Ekstase am frühen Morgen“ zu erklären. Das Vakuum besteht aus einem Haufen Hamster, die sich ständig fortpflanzen. Ein Hamster, zwei Hamster, ganz viele Hamster, die dann wieder zerfallen. Als nächstes ein gedanklicher Abstecher auf eine 90er Party, auf der nachts ein Haufen Teilchen – Pärchen, Neutronen und Protonen – interagieren, abhauen, vor Britney Spears flüchten und die Verbliebenen sich dann zu Atomen verbinden.


Der Experimentalphysiker Patrick Vogel erzählt eine kurze Geschichte mit Bob. Bob ist ein bisschen schräg. Das sei klar, denn er sei ja Physiker. Als Atomkraftgegner lehnt er Verfahren wie Magnetresonanz-, Computer- und Positronen-Emissions-Tomographie ab. Allerdings entwickeln sich in Bobs Körper Bösewichtzellen – und ruckzuck begreift das Science-Slam-Publikum anhand vieler Bildchen, Skizzen und Lacheinlagen, wie Physiker „Bösewichtzellen“ mit neuen Verfahren sichtbar machen.

Thorsten Ohl sprintet durch die Geschichte und durch Epochen, als alles besser war. Denn immerhin bewegten sich zu Isaac Newtons Zeit Erde und Planeten noch in geschlossenen Kreisen, heute dagegen torkeln sie in unerklärbaren Bahnen um die Sonne. Theobald Fuchs plaudert über „Mikroskopie mit X“, sprich Röntgentechnik. Doktorand Christoph Seibel stellt kurzerhand klar: Die Experimentelle Physik 7 forsche für die Weltherrschaft. Darth Vader erscheint auf der Leinwand, Seibels Showeinlage erinnert erfrischend an eine Mischung aus der „Sendung mit der Maus“ und den Komiker Eckart von Hirschhausen.   


Und schließlich ein Blick auf den Gewinner des wissenschaftlichen Wettkampfs, auf Thore Posske. Der nämlich  hält ein leidenschaftliches Plädoyer an seine Kollegen, Pseudowissenschaftler als Wölfe im Schafspelz zu entlarven. Immerhin zahlten die Deutschen jährlich erschreckende 500 Millionen Euro für Astrologie-Erstellung, statt echten Wissenschaftlern zu glauben. Warum das so sei? Weil Physiker sich abkapselten, keinen Humor hätten und Nerds seien, vermutet Posske.  Und liefert in einer Show mit jeder Menge Körpereinsatz und intelligenten Ideen den Gegenbeweis. „Sorgt für Gesellschaftsnähe“, lautet eine seiner Aufforderungen. Und schließt mit den Worten: „Deshalb sind Science Slams so geil!“

Vor zahlreichen Zuschauern erzählt der Experimentalphysiker Patrick Vogel beim Science Slam „eine kurze Geschichte mit Bob“.

Foto: Michaela Schneider


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Der Artikel  ist unter anderem  im Main Echo erschienen.

Infokasten: Tag der Physik


Wissenschaftler und Studenten der Julius-Maximilians-Universität veranstalten einmal pro Jahr einen Tag der Physik für die Öffentlichkeit, für Schulen, Studieninteressierte und Alumni. Bei Vorträgen, einem Forschungsbasar und in den Laboren werden Beispiele aus Forschung und Lehre anschaulich präsentiert – unter anderem beim „Science Slam“. Rund 300 Mitarbeiter forschen am Physikalischen Institut sowie am Institut für Theoretische Physik und Astrophysik an insgesamt rund 15 Lehrstühlen und in unabhängigen Arbeits- und Forschungsgruppen.