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Fotos: Michaela Schneider

Mission Astronautentraining geglückt
Raumfahrt Ein Würzburger Weltraumfan testet beim Parabelflug das Gefühl
der Schwerelosigkeit und fühlt sich 55 Sekunden lang ein klein wenig wie ein Astronaut im All


Von Michaela Schneider

Wien/Würzburg Meist sitzt der Bär im Auto. Zwei oder dreimal im Jahr aber wird er zum Assistenten der Weltraum-Wissenschaft. An Bord des Segelfliegers Sara tanzt das Plüschtier dann für bis zu zehn Mal zwölf Sekunden in der Schwerelosigkeit. Diesmal tanzt es vor den Augen des Würzburgers Peter Schramm, stellvertretender Vorsitzender des Vereins zur Förderung der Raumfahrt. Der 50-jährige Diplom-Informatiker testete jetzt in Stockerau bei Wien am eigenen Leib, wie sich Schwerelosigkeit anfühlt. Am 4. Oktober startet übrigens die Internationale Weltraumwoche der UNO.


Tatsächlich musste bis vor einigen Jahren bis nach Moskau oder Florida reisen und rund 5000 Dollar hinblättern, wer Schwerelosigkeit erfahren wollte. Dort starten umgebaute Zivilflugzeuge zu so genannten Parabelflügen, der Innenraum bietet ausreichend Platz für bis zu 27 frei schwebende Passagiere. Auch Segler Sara fliegt Parabeln - frei schweben kann hier allerdings aus Platzmangel nur der Plüschbär. Das Gefühl der Schwerelosigkeit auf der einen, die extremen Beschleunigungskräfte auf der anderen Seite sind trotzdem für Sekunden spürbar. „Vor allem aber der Bär signalisiert: Du bist wirklich schwerelos“, sagt Schramm später.


Das Angebot auf dem kleinen Flugplatz in Stockerau ist einzigartig, „Vater“ des Projekts ist der Österreicher Paul Bierl. Gelernt habe er Schlosser, im Hauptberuf sei er Bio-Landwirt, zudem hat er einen Pilotschein, erzählt er. Aber seine eigentliche Leidenschaft ist die Raumfahrt. Und: Bierl denkt fast so visionär wie jene Menschen, die den Traum vom Flug ins All Wirklichkeit werden ließen. Er wollte der nicht-raumfahrenden Allgemeinheit den Eindruck der „großen Freiheit“ im All vermitteln, und zwar zu moderaten Preisen, erzählt der Österreicher.


So baute er ein Passagierflugzeug um und schaffte im Innenraum „Platz zum rumturnen“, wie er sagt. Testflüge folgten, bald konnte Bierl – damals in der Slowakei – die ersten Raumfahrtfans mit an Bord nehmen. Sein Anfangsglück: Es gab keine speziellen Auflagen für Parabelflüge im Motorflieger. Das allerdings sollte sich ändern, finanziell unerfüllbare Behördenauflagen bedeuteten zunächst das Ende fürs Projekt. Doch der gebürtige Wiener gab nicht auf: Was im motorisierten Flugzeug geht, müsste auch im Segelflieger funktionieren, überlegte er. Zwei Kunstflugpiloten gingen an den Start. Entgegen der Stimmen etlicher Skeptiker brauchte es nur wenige Versuche, bis die ersten Parabeln geflogen waren. Die Nachteile im Segelflieger gegenüber motorisierten Parabelflügen: Der Passagier ist angeschnallt statt zu schweben und der Zustand der Schwerelosigkeit stellt sich nur für kürzere Zeiträume ein. Entscheidender Vorteil: die niedrigeren Kosten. An zwei Terminen im Jahr können sich in Stockerau Raumfahrtenthusiasten für Sekunden fühlen wie ein Astronaut im Weltraum. 65 Prozent der Gäste kommen aus dem Ausland angereist.


Inzwischen ist der Würzburger Peter Schramm fünf Parabeln geflogen. Kunstflugpilot Josef Reithofer fragt nach, der Magen seines Passagiers hat die Belastung gut überstanden und so folgen auf Schramms Wunsch statt weiteren Parabeln Loopings und Schrauben – oder „Turnübungen“, wie Bierl die Flugshow unter den Wolken vom Boden aus kommentiert.


Dann landet der Segelflieger. Etwas flau fühlten sich Kopf und Magen an, erzählt der Würzburger. Das Gefühl hält den Nachmittag an – der Druck des siebenfachen Eigengewichts auf den Körper ist eben doch nicht ohne. Trotzdem schnellt Schramms Daumen in die Höhe fürs Foto. Auch sein eigenes Experiment hat funktioniert, mit zwei Magneten konnte er die Schwerelosigkeit beim Flug nachweisen und den Versuch per Videokamera filmen. Paul Bierl nickt anerkennend – eigentlich sei man beim ersten Parabelflug mit sich selbst beschäftigt, die eigene Schwerelosigkeit sei schon Versuch genug. Bierl weiß, wovon er spricht: 100 Minuten Schwerelosigkeit hat der Wiener inzwischen hinter sich. Bei Peter Schramm sind es erst 55 Sekunden, doch er strahlt. Die Mission Astronautentraining ist geglückt.

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Der Artikel  ist im  Main-Echo erschienen.

Infokasten: Schwerelosigkeit und Parabelflug


Was ist Schwerelosigkeit? Schwerelosigkeit beschreibt den Zustand, in dem Masse kein Gewicht hat – das heißt, die Masse ist schwerelos und schwebt frei im Raum. Schwerelosigkeit erleben Fallschirmspringer gleich nach dem Ausstieg aus dem Flugzeug für einen kurzen Augenblick, Astronauten, die in einem Raumflugkörper in einem Orbit um Himmelskörper kreisen oder Passagiere beim Sturzflug während eines Parabelfluges.


So funktioniert ein Parabelflug mit „Sara“: Der Segelflieger wird bei einem Parabelfug bis auf rund 1500 Meter geschleppt und dann aus der Schleppmaschine ausgeklinkt. Sara fliegt zunächst horizontal und erreicht dabei Höchstgeschwindigkeiten von bis zu 250 Kilometern pro Stunde. Aus der Horizontalen geht es dann in einem 40-Grad-Winkel abwärts im rasanten Sinkflug und wieder zurück gen Himmel. Dabei beschreibt der Flieger eine zur Erdoberfläche geöffnete Parabel. Bis zu 7 g wirken auf den Körper, wenn der Pilot den Flieger am unteren Punkt abbremst – das heißt, auf den Körper drückt das Siebenfache des eigenen Körpergewichts. Im oberen Punkt der Parabeln indes schweben Sara und die Passagiere in der Schwerelosigkeit, zwischen acht und zwölf Sekunden dauert dieser Zustand. Bis zu zehn Parabeln werden in Stockerau nacheinander geflogen.