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Wenn Blinde für Gehörlose dolmetschen
Als erstes Ausbildungszentrum hat das Berufsförderungswerk für Blinde (BFW) in Veitshöchheim
das Potenzial des Berufs des Schriftdolmetschers für Menschen mit Sehbehinderung erkannt


Von Michaela Schneider

Mal ist Melanie Fleischmann zum Seminar für Neuropsychologie zugeschaltet, mal „besucht“ sie via Kopfhörer Rechtsvorlesungen. Ihr Auftrag: Als Schriftdolmetscherin erfasst die 23-Jährige gesprochene Worte für gehörlose Menschen in Echtzeit. Die Besonderheit dabei ist, dass die junge Frau aus Nürnberg blind ist. Mit sieben weiteren Männern und Frauen ließ sie sich am Berufsförderungswerk Würzburg gGmbH / Bildungszentrum für Blinde und Sehbehinderte (BFW) mit Sitz im unterfränkischen Veitshöchheim zur Schriftdolmetscherin für hörgeschädigte Menschen ausbilden. Das Konzept war bei Ausbildungsstart im März 2015 bundesweit einmalig.


Schriftdolmetscher und Schriftdolmetscherinnen kommen dort zum Einsatz, wo die stark vereinfachte Gebärdensprache nicht ausreicht: Etwa, wenn es bei Kongressen oder an Universitäten um Fachthemen geht; wenn komplexe Sachverhalte vermittelt werden sollen, wenn Fachwortschatz gesprochen wird. Die Herausforderungen sind dabei hoch, weiß Monika Weigand, die die Ausbildung am BFW betreut. Eine Sekretärin sollte zwischen 150 und 300 Anschläge pro Minute tippen können – Sprachdolmetscher beginnen bei 400 Anschlägen. Doch das allein genügt nicht. Eine gute Allgemeinbildung ist Voraussetzung, um sich schnell in Fachthemen aller Art hineindenken zu können. Und Schriftdolmetschern werden schnellste Auffassungsgabe und höchste Konzentrationsfähigkeit abverlangt.


Die Ausbildung dauert insgesamt neun Monate, beinhaltet 20 Präsenztage, viel heimisches Training sowie ein Praktikum. Hierfür kooperiert das BFW mit der Münchner Dolmetscher-Agentur VerbaVoice, die zudem die Software zur Verfügung stellt. Die Ausbildung kann berufsbegleitend absolviert werden. Auch Melanie Fleischmann hat übrigens bereits ein Studium als Sozialpädagogin abgeschlossen. Vormittags betreut sie als Schulbegleiterin einen blinden Jungen. Nachmittags arbeitet sie von daheim aus als Schriftdolmetscherin für VerbaVoice.


Während ihrer  Arbeit ist die 23-Jährige komplett verkabelt, arbeitet mit zwei Kopfhörern und spezieller Software. Über einen Screenreader erhält sie jene Informationen über Signale und Sprache vermittelt, die ein sehender Mensch sonst auf dem Computer-Bildschirm lesen kann. Eventuell kommen Chatnachrichten hinzu – und natürlich der zu dolmetschende Vortrag. „Das ist eine sehr extreme Geräuschkulisse, anfangs war ich damit total überfordert“, erinnert sich die junge Frau. Gearbeitet werden kann auf zweierlei Art: Entweder tippen Schriftdolmetscher konventionell Wort für Wort mit, oder aber sie arbeiten mit einem auf den Nutzer eintrainierten Spracherkennungssystem. Das heißt, Redebeiträge werden simultan in die Software eingesprochen, beim Gehörlosen kommen sie verschriftlicht an.


Auch wenn Schriftdolmetschen reichlich anstrengend ist, reizt der Beruf Melanie Fleischmann sehr: Sie könne total flexibel von überall aus arbeiten, solange die Internetanbindung funktioniere. Und die Arbeit sei ein Paradebeispiel für gelungene Inklusion. „Es ist für mich super, hörgeschädigte Menschen zu unterstützen. Die Arbeit ist sinnvoll und das merke ich sofort“, sagt die 23-Jährige.

Der Artikel  ist unter anderem  im Fachmagazin „Behinderte Menschen“ erschienen.