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„In freier Natur verhalten, wie man’s im eigenen Garten gern hätte“

 

Von Michaela Schneider

Stille Winterlandschaften, Frischluft und sanfter Sport: Nicht umsonst liegt Schneeschuhgehen im Trend. Auch die Gästeämter der Ferienregion Alpsee-Grünten bieten geführte Touren in weiße Welten an – zum Beispiel ins Strausberggebiet bei Sonthofen. Das Schöne am Schneeschuhgehen: Schon nach kurzer Zeit hat sich auch ein Anfänger an die „Hilfsfüße“ gewöhnt.

 

Die geführten Tour ins Strausberggebiet startet im Sonthofer Ortsteil Imberg am Parkplatz. Los geht’s mit einer Testrunde, in der sich die Teilnehmer an die breitbeinige Gangart auf Schnee und die rund zwei Kilogramm Gewicht an den Füßen gewöhnen. Als Schuhe eignen sich bequeme Wanderstiefel. Zudem werden die Schneeschuhanfänger für alpine Risiken sensibilisiert: Wer keinen Guide dabei hat, muss sich im Gebiet auskennen – um sich nicht zu verlaufen und um Gefahren wie ein verborgenes Bachbett unterm Schnee zu kennen. In höherer Lage im Hochalpinen wären zudem eine Lawinenschulung und eine entsprechende Lawinenausrüstung unverzichtbar.

 

Dann kann es über offene Wiesenhänge losgehen in Richtung Wanderparkplatz unterhalb der Strausberghütte – etwa 300 Meter haben die Schneeschuhgänger bis dahin überwunden. Jetzt geht es vorwiegend eben rund 2,5 Kilometer weiter zur Strausbergalpe. Die ist zwar im Winter nicht bewirtschaftet, bietet aber ein windstilles, oft sonniges Plätzchen auf Bänken für die Rast. Immer wieder hat die Gruppe unterwegs Tierspuren im Schnee gesehen. Zeit, sich während der Ruhepause mit der Allgäuer Tierwelt auseinanderzusetzen.

 

Einer, der sich damit auskennt, ist der 33-jährige Matthias Kneppler, Jäger im Jagdrevier in Burgberg. Rauhfußhühner, Schnee- und Feldhasen, Schalenwild und Raubwildarten leben in der Region, erzählt er. Zwar verfolgten die Tiere unterschiedliche Überwinterungsstrategien, gemein sei jedoch allen: Um so wenig Energie wie möglich zu verbrauchen, benötigen sie Ruhe. „Die Tiere tun sich leichter, wenn der Mensch kalkulierbar bleibt“, sagt Kneppler. Heißt in der Praxis: Auch wer in der freien Natur abseits von Wanderwegen unterwegs ist, sollte die Standardrouten nicht verlassen – Informationen gibt es bei den Gästeämtern. Ein Pilotprojekt ist in dem Zusammenhang das Burgberger Lebensraumkonzept „Respektiere deine Grenzen“. Dabei sitzen Kommune, Touristiker, Bergwacht, Jäger und Förster an einem Tisch mit dem Ziel, Erholungs- und Freizeitaktivitäten so zu lenken, dass der Natur- und Artenschutz gewährleistet bleibt. Die Kampagne, so die Idee, ließe sich auf ganz Bayern ausweiten.

 

Wie aber verhält man sich richtig in der freien Natur? Am besten ganz normal, sagen Experten. Heißt: Nicht besonders laut sein, aber auch nicht still umherschleichen – so gibt man Tieren die Chance, sich rechtzeitig zu verstecken, ohne panisch fliehen zu müssen. Stehen bleiben und schauen ist laut Kneppler bei einer Begegnung in Ordnung, auf gar keinen Fall aber sollte man Tieren folgen. Zudem verweist er darauf: Rücksicht sei auch nötig, wenn man mit Hund im Gelände unterwegs ist. Immer anleinen, so seine Forderung, gerade im Gebiet von Wildfütterungen. „Wildtiere brauchen enorme Energie, wenn sie aufgescheucht werden – wenn eine ungünstige Witterung dazu kommt, kann das im Winter tödlich enden“, skizziert Kneppler den Extremfall.

 

Oder aber, die Tiere brauchen mehr Nahrung, um ihren Energiebedarf zu decken. Die Folge ist starker Verbiss – und das ist ein Problem für den Forst. Vor allem, wenn die Tiere Jungpflanzen anknabbern. „Diese werden dadurch deutlich geschädigt und im Wachstum gehemmt“, sagt Robert Baldauf, Förster von Burgberg und Sonthofen. Auch aus Sicht des Forsts ist es laut dem 50-Jährigen wichtig, dass sich Wintersportler auf Wegen und ausgewiesenen Routen bewegen, um nicht zum Beispiel bei der Tourenski-Abfahrt die Spitzen junger Bäumchen „abzurasieren“. Zudem seien Sperren zu beachten – sei es, weil Gelände mit Jungwald umzäunt ist oder aber etwa wegen Lawinengefahr. Dabei sind – mehr noch als auf Wanderwegen – Sportler im freien Gelände selbst zur Vorsicht angehalten. „Man darf nicht vergessen. Draußen wird gearbeitet, gerade Baumfällungen  können sehr gefährlich sein“, so Baldauf. Wer also Motorsägen hören sollte oder einen Traktor oder anderes Gerät sieht, muss verstärkt aufpassen. Abschließend sagt Baldauf: „Man bewegt sich bei einer Tour auf fremdem Eigentum, oft auf Privatgrund. Und dabei sollte man sich so verhalten, wie man’s im eigenen Garten gern hätte.“ Heißt: keinen Schaden anrichten und keine Abfälle liegen lassen.

 

Auch die Schneeschuhgruppe an der Strausbergalpe hat die Proviantreste wieder eingepackt. Der Touren-Rückweg führt die „Nordspange“ unterhalb des Strausbergsattels entlang –wer nicht so viel Kondition hat, kann alternativ für Hin- und Rückweg die gleiche Strecke wählen. Nach drei Kilometern ist eine Weggabelung erreicht, hier folgt die Gruppe der Beschilderung „Sonthofer Naturfreundehaus“. Bald ist die Strausberghütte in Sicht, bewirtschaftet ist sie den ganzen Winter über außer Dienstag und Donnerstag. Dort erwartet die Tourengeher vor dem letzten Streckenabschnitt bis zum Ausgangspunkt eine deftige Brotzeit.

 

Infokasten: Schneeschuhtour im Strausberggebiet

 

Gesamt-Gehzeit der Tour etwa drei Stunden; Höhenmeter 890 bis 1250. Für Anfänger mit etwas Kondition geeignet. Jeweils samstags um 10.30 Uhr ab Imberg. Buchbar beim Gästeamt Sonthofen, Rathausplatz 1, Telefon 08321/615291.

 

 

Der Artikel ist im Ferienjournal Alpsee-Grünten erschienen

Im Auftrag der Presse & Kommunikation Saremba GmbH.