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Wintermärchen Allgäu.                                                                                                                       Foto: Michaela Schneider

Schnee, soweit die Füße tragen

 

Von Michaela Schneider

Hörnerdörfer im Allgäu Schnee, soweit die Füße tragen und stille Winterträume: Immer mehr Menschen entdecken auf Schneeschuhtouren die ruhigen Seiten des Allgäus abseits vom Pistenrummel. Diesem Trend werden auch die Hörnerdörfer gerecht: In allen fünf Bergdörfern stehen geführte Touren im Gästeprogramm, Bolsterlang bietet spezielle Sicherheitskurse an. Und in Ofterschwang hat diesen Winter ein neuer Schneeschuhpark Oberallgäu zwischen weißen Wiesen und verschneiten Winterwäldern den Betrieb aufgenommen.

 

Doch zunächst ein Abstecher in die Geschichte des Schneeschuhgehens, diese wird im FIS-Skimuseum im Gschwenderhaus in Fischen erlebbar. Zwischen hölzernen Skisprungski-Originalen von 1925, Kopien 4000 Jahre alter Skier, Schlitten und historischen Schlittschuhen finden sich hier auch  acht Paar Schneeschuhe, die ältesten Originale stammen aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, erzählt Georg Larsch, Vorsitzender des Museumsfördervereins. Zudem zu sehen: Original-Indianer-Schneeschuhe aus Nordamerika. Gefertigt sind die langgezogenen Objekte aus Holz, Seehundleder und Tiersehnen. Hierzulande verwendete man indes Hanfseile zum Bespannen, zudem waren Schneeschuhe nicht groß und langgezogen wie auf dem fernen Kontinent, sondern rund oder oval und wesentlich kleiner. Doch hier wie dort ging es einst beim Schneeschuhgehen natürlich nicht um Sport und Bewegung zum Spaß, sondern man band sich Ringe, Reifen und Trittlinge schlichtweg an die Füße, um sich auf Schnee fortzubewegen ohne Einzusinken.  "Auch Pferden wurden Schneeschuhe angelegt", erzählt Georg Larsch.

 

Anders sieht es heute aus: Schneeschuhgehen hat sich im vergangenen Jahrzehnt zum beliebten Sport und Freizeitspaß für Jedermann entwickelt. Diesem Trend kommt nun der neue Schneeschuhpark Oberallgäu auf Ofterschwanger Gemarkung entgegen. Das Schöne am Schneeschuhgehen: Es braucht dafür nur wenig Schnee, schon fünf Zentimeter reichen aus, um auf Tour zu gehen. Das Team des Schneeschuhparks konnte heuer bereits Mitte Oktober in die Saison starten. Mehr als 20 Touren haben die Mitarbeiter des Unternehmens "Allgäu Natours" mit Hauptsitz in Kempten ausgearbeitet, mit der Zielsetzung: Landschaftlich attraktiv und von hohem Freizeitwert, aber zugleich naturverträglich. "Wenn ich offroad gehe, muss ich die Natur kennen und wissen, wie ich mich in und mit ihr verhalte", betont Geschäftsführer Norbert Schehle. Denn auch ohne böse Absicht kann viel Schaden angerichtet werden - etwa wenn Wild an Futterstellen gestört wird, der  ohnehin schon begrenzte Lebensraum von Schnee- und Auerhuhn betreten wird oder frisch angepflanzte Bäumchen unter der Schneedecke zertreten werden. "Im Schneeschuhpark können Besucher die Natur hautnah erleben, aber nur mit einem speziell ausgebildeten Führer, der sich auskennt in einem Gebiet, das sich der Mensch mit Pflanzen, jungen Bäumen, Vögeln, Rehen und Hirschen teilt", sagt Schehle. Dies vermitteln die insgesamt 25 Schneeschuhguides im Park anschaulich direkt vor Ort. Zwischen ein und vier Stunden dauern die Touren verschiedener Leistungsstufen in den wildromantischen Naturlandschaften. Startpunkt ist jeweils Schweineberg bei Ofterschwang. Auch die übrigen Hörnerdörfer bieten darüber hinaus geführte Schneeschuhwanderungen an, unter anderem zum Beispiel auch Vollmondtouren, über die Termine informieren die Gästeinformationen. Im Detail aufgelistet sind alle Wanderungen in den fünf Gemeinden zudem in der Broschüre "Kuh-Wert".

 

Schehle weiß sehr gut, wovon er mit Blick aufs Schneeschuhgehen spricht: Schon vor 40 Jahren war der heute 64-Jährige mit Inuit auf Schneeschuh- Expedition, als Polarguide arbeitete er in Nordkanada, Alaska, Spitzbergen und am Nordpol. Doch als waschechter Allgäuer verlor er die Heimat nie aus dem Blick, entwickelte nun die Idee und das Konzept zum Schneeschuhpark.

 

Ein Anliegen ist es ihm bei den dortigen Touren auch, das Bewusstsein der Teilnehmer für alpine Risiken zu wecken. Im flacheren Gebiet geht es dabei vor allem auch um die Orientierung. "Ich betrete mit Schneeschuhen im Prinzip ein Gebiet, das unbegrenzt ist. Das heißt: Entweder sollte ich einen Guide dabei haben oder mich auskennen", sagt Schehle. Unfälle passierten beispielsweise, weil Schneeschuhwanderer ohne Ortskenntnisse in ein unterm Schnee verborgenes Bachbett einbrechen. Wer indes in hochalpines Gebiet vordringt, braucht letztendlich eine Rundum-Lawinenschulung plus die entsprechende Ausrüstung. Ein passendes Trainingsangebot bietet in dem Zusammenhang auch das Hörnerdorf Bolsterlang an: "Training mit dem Verschüttetensuchgerät" sind die Kurse betitelt. Der erste wird bereits am 17. Dezember stattfinden, ab dem 7. Januar werden die Kurse dann 14tägig jeden Montagabend angeboten.

 

Der Schneeschuh-Anfänger sollte indes erst einmal im flacheren Gebiet starten. Nötig ist lediglich ganz normale Winterkleidung, das heißt: Anorak, Schneehose oder auch eine Jeans mit Gamaschen sowie Handschuhe, zudem eine Sonnenbrille. Als Schuhe eignen sich am besten gute, bequeme Wanderstiefel. Schneeschuhe und Stöcke können dann in den Hörnerdörfern ausgeliehen werden. Etwa zehn Minuten braucht es laut Schehle, bis man  mit dem neuen Fortbewegungsmittel umgehen kann, vor allem Kinder hätten damit immer wieder einen Riesenspaß.  Wer im Sommer aktiv wandert, dürfte auch konditionell keine Probleme bei einer normalen Schneeschuhwanderung haben.

 

Für Einsteiger empfiehlt Schehle zum Beispiel die Genusstour im Schneeschuhpark Oberallgäu. Sie führt auf die Wittelsbacher Höhe - einen der schönsten Aussichtspunkte in der Region mit grandiosem Blick ins Gebirge wie auch ins Illertal. Wer indes schon ein wenig Erfahrung hat, kann sich auf die Spuren der touristischen Anfänge in der Region begeben: Denn die ersten Skitouristen kamen einst mit dem Zug in die Region gereist, um die legendäre Hörnertour zu gehen.  Diese bieten die Hörnerdörfer als geführte Schneeschuhwanderung in der Broschüre "Kuh-Wert" gleich mehrmals im Winter an.

Der Artikel wurde im Hörnerdörfer-Magazin

im Auftrag der Presse & Kommunikation Saremba GmbH veröffentlicht.