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Marylin Monroe und ägyptische Pyramiden im Schnee
In der Sonderausstellung „Kleine Kugel – Weite Welt“ im Mainfränkischen Museum sind
einige der Schneekugeln aus der weltgrößten Sammlung des Nürnbergers Josef Kardinal zu sehen


Von Michaela Schneider
Würzburg
Für die einen sind sie Kitsch, für die anderen faszinierende Minitaturwelten. Ob nun Pyramiden in der ägyptischen Wüste, ein reizendes Schneewittchen, große Stars wie Marylin Monroe oder Kunstobjekte: Wer eine Schneekugel in der Hand hält, kann Orte, Menschen oder Gebäude in einer zauberhaften Schnee- oder Glitzerwelt in Szene setzen.  Für seine diesjährige Winter- und Familienausstellung konnte das Mainfränkische Museum in Würzburg den Nürnberger Josef Kardinal gewinnen, der inzwischen mehr als 9200 Schneekugeln und - vom Guinessbuch der Rekorde zweifach bescheinigt - die weltweit größte Sammlung besitzt. Unter dem Motto „Kleine Kugel – Weite Welt“ sind mehr als 350 Objekte in überwältigender Themenvielfalt zu sehen.


Kuratorin Veronika Genslein hatte vorab Themenschwerpunkte gebildet: Winter und Weihnacht, Sammler und Sammlung, Land und Leute, Frank und Frei, Märchen und Meer, Horror und Hexen, Stars und Sternchen sowie Film und Fernsehen. Die Auswahl passender Exponate überließ sie dann Josef Kardinal selbst. Und der bewies dabei durchaus Humor. So hat er etwa in die Weihnachtsvitrine auch ein Teufelchen  geschmuggelt, „damit es vor lauter Himmel nicht zu schön wird“, wie er mit einem Augenzwinkern erzählt.  In einigen Schneekugeln hat er sich gleich selbst verewigt - und steht zum Beispiel auf Bugs Bunnys Klavier.


Heute im Besitz der größten Schneekugelsammlung der Welt, war`s bei Josef Kardinal wie bei vielen Sammlern: Er kam zu dem ungewöhnlichen Hobby wie die Jungfrau zum Kinde. Freunde hatten ihm 1985 eine Schneekugel aus Oberstdorf geschenkt. Pflichtschuldig platzierte er diese auf seinem Klavier. Sein Umfeld sah dies – und brachte dem scheinbaren Schneekugelfan weitere Objekte mit. Mit der Sammlung begannen auch Josef Kardinals Sammelleidenschaft zu wachsen und der Wunsch, immer ausgefallener Motive zu entdecken:  Ob Marylin Manson, Halloween-Grusel oder ein Spanien-Souvenir, bei dem die Kugel im Schuh einer Flamencotänzerin steckt.


Mit seiner Sammelleidenschaft hat sich Josef Kardinal längst einen Namen gemacht, in rund 25 Ausstellungen waren seine Schneekugeln bis dato zu bestaunen. Auch in der Filmindustrie sind die Miniaturwelten begehrt: Immer wieder verleiht der Nürnberger Schneekugeln für Fernsehproduktionen. Aktuell seien sie zum Beispiel freitags in der ZDF-Vorabendserie Dr. Klein zu sehen, erzählt er. Und selbst Künstler wie der Fürther Patrick Preller fertigen für den Sammler Unikate.


Um Kunst in der Kugel in limitierter Auflage und vielleicht gar mit der Unterschrift des Künstlers oder Designers zu ergattern, reist Kardinal durch die Museen der Welt. Kommt ein neuer Disneyfilm heraus, führte ihn schon mehr als einmal der Weg nach Paris, um im Freizeitpark Disneyland einzukaufen.  Denn auch diese Kugeln gibt`s vielfach nur in limitierter Auflage, schon nach kurzer Zeit steigt ihr Preis um ein Vielfaches. Und die Sammlung ist nicht nur mit Reisen, sondern auch mit reichlich Pflege verbunden: Mal ganz abgesehen davon, dass die 9203 Stücke gereinigt und regelmäßig geschüttelt werden wollen, damit Kunstschnee und Glitzer nicht verklumpen, muss bei etwa 7000 der Objektchen alle sechs Monate neue Flüssigkeit eingespritzt werden.


Josef Kardinals älteste Schneekugel stammt aus dem Jahr 1890/91, zeigt den Eifelturm und  damit ein Motiv möglicherweise aus der Geburtsstadt der Schneekugeln. Denn eine der ersten bekannten  Schneekugeln wurde 1878 bei der Weltausstellung in Paris gezeigt. Der wirtschaftliche Erfolg blieb allerdings aus. So konnte der Wiener Erwin Perzy Schneekugeln sozusagen neu erfinden und ließ sich den Schneeeffekt in der Glaskugel 1898 patentieren. Sein Schnee bestand damals aus Gries, auch Getreide oder Gold wurden in den Anfangsjahren gerne verwendet. Das Unternehmen existiert bis heute, wird inzwischen von Percys Enkel geführt und gilt als einer der wichtigsten Schneekugel-Produzenten weltweit.

   

Doch in der Sonderausstellung können Besucher nicht nur Objekte in Vitrinen entdecken und bestaunen. In einer Ecke wird darüber hinaus die Produktion der Schneekugel veranschaulicht, hier gibt`s vor allem auch für die kleinen Besucher zudem einen Schwung Kugeln zum Schütteln. Und wer möchte, kann selbst in eine Südsee-Welt spazieren und auf einem Foto Teil einer Schneekugel-Miniaturwelt werden.

Nicolas Régniers Barockgemälde „Die büßende Maria Magdalena“.

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Fotos: Michaela Schneider


Infokasten: Über die Sonderausstellung „Kleine Kugel – weite Welt“


Die Sonderausstellung „Kleine Kugel – weite Welt“ mit Schneekugeln aus der Sammlung Josef Kardinal ist bis zum 21. Februar im Mainfränkischen Museum Würzburg in der Kelterhalle zu sehen. Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag zwischen 10 und 16 Uhr.  Am 24., 25. und 31. Dezember bleibt das Museum geschlossen. Begleitend finden Familiennachmittage, Ferienworkshops und Familienführungen statt, Details dazu auf der Internetseite des Museums unter www.mainfraenkisches-museum.de. Am 29. November und am 24. Januar jeweils um 11 Uhr wird der Sammler Josef Kardinal selbst durch die Ausstellung führen. Weitere Höhepunkte im Veranstaltungsprogramm sind die „Weihnachtsmärchen im Advent“ am 6. Dezember ab 16 Uhr mit der Erzählerin Gesine Kleinwächter sowie die Museumsweihnacht am 13. Dezember um 18 Uhr rund um das Märchen „Die Schneekönigin“ mit Liedern von Mendelssohn, Debussy und Chausson.  Mehr über Josef Kardinal kann man auch unter www.schneekugel-sammlung.de erfahren.


Der Artikel ist unter anderem im Main Echo erschienen.