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Schnapsbrenner setzen künftig auf Klasse
Ende 2017 entfällt das staatliche Branntweinmonopol – Kompetenzteam aus Veitshöchheim
berät bayernweit Edelbrenner – Wer bestehen will, sollte künftig mit Qualität statt Quantität punkten


Von Michaela Schneider
Veitshöchheim  
Deutschlandweit gibt es um die 20000 Kleinbrennereien, allein im Fränkischen Klein- und Obstbrennerverband sind rund 1700 Mitglieder organisiert. Viele von ihnen betreiben die Schnapsbrennerei im Nebenerwerb. Mit dem nahenden Ende des so genannten Branntweinmonopols stehen nun viele dieser Betriebe vor einer Herausforderung.  Bis dato war es Praxis, dass der Staat den überschüssigen  Alkohol der heimischen Betriebe aufkaufte weit über Marktpreis. Damit ist Ende 2017 Schluss. Wer auf dem Markt bestehen will, sollte künftig weniger auf Masse, denn auf Klasse setzen. Doch lässt der Freistaat Bayern seine Klein- und Obstbrenner nicht im Regen stehen. Im November 2014 hat in der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) im unterfränkischen Veitshöchheim ein „Kompetenzteam für Brenner“ die Arbeit aufgenommen. Matthias Krönert begleitet die bayerischen Schnapsbrenner als Fachberater fürs Brennereiwesen, Christiane Weckert fungiert als Baufachberaterin.


Die Edelbrennerei hat in Bayern Tradition – und dient nicht allein der Alkoholproduktion. „Es geht vor allem auch um den Erhalt unserer Kulturlandschaft“, sagt Krönert. Tatsächlich waren etliche Bauernhöfe einst klein und man wollte auf wenig Fläche möglichst viele verschiedene Produkte ernten. Streuobstwiesen entwickelten sich zum wesentlichen Bestandteil der hiesigen Kulturlandschaft. Heute allerdings setzen viele Landwirte lieber auf pflegeleichten Intensivanbau. Vor allem Naturschützer warnen, denn auf Streuobstwiesen konnte sich eine hohe Artenvielfalt entwickeln, bestimmte Tiere sind gar an Streuobst gebunden. Die Schnapsbrennerei galt als eine Möglichkeit, Streuobst lukrativ zu verwerten – und zwar fast 100 Jahre lang vor allem auch mit Blick auf das Branntweinmonopol.


Schon vor einigen Jahren hatten die bayerischen Brennerverbände mit Blick auf dessen nahendes Ende laut Krönert den Wunsch geäußert, dass mehr für die Aus- und Fortbildung der Brenner getan werde. Bis dahin war das Traditionswissen innerhalb der Familien weitergegeben worden, eine Ausbildung – etwa vergleichbar mit der eines Winzers – gab es nicht. Etabliert wurden deshalb sechswöchige, sehr breit aufgestellte Lehrgänge. In Deutenkofen nahe Landshut beschäftigen sich die Teilnehmer mit der Praxis, in Veitshöchheim geht es um die Theorie – vom Gläserseminar bis zum Marketing. Und so kommt es mit Blick aufs gebündelte Profiwissen nicht von ungefähr, dass das zweiköpfige „Kompetenzteam für Brenner“ seit November 2014 von Unterfranken aus Schnapsbrenner in ganz Bayern betreut.

    

Doch geschieht dies nicht vom Büro aus. Fragt ein Brenner einen Termin an, schauen sich Matthias Krönert und Christiane Weckert vor Ort die Menschen, die Umgebung, die Gebäude oder auch die finanziellen Möglichkeiten an und entwickeln Ideen, wie die Produktionsstätte und der Marketingbereich optimiert werden könnten. Anschließend erhält der Betrieb eine grobe Raum- und Funktionsskizze inklusive Kostenschätzung als Denkanstoß und Entscheidungshilfe. Auch schaut das zweiköpfige Team aus Unterfranken aufs Sortiment oder einen einheitlichen Marketingauftritt, zum Beispiel mit Blick aufs Flaschendesign. Das Beratungsangebot des Freistaates kostet die Brenner dabei keinen Cent, gut 30 Brennereien haben es seit Jahresbeginn in Anspruch genommen.


Längst beobachtet Matthias Krönert klare Trends. So reicht es heute nicht mehr, einen einfachen Obstler anzubieten, er empfiehlt stattdessen Sortenreinheit.  „Jonagold schmeckt nun mal anders als Josta“, plädiert er etwa für sortenreine Apfelbrände. Und mit der Qualitätsoffensive in engem Zusammenhang steht auch, dass sich immer mehr Franken auf die Whiskeybrennerei konzentrieren. „Die Kornbrennerei hat bei uns Tradition, zum Beispiel in der Rhön. Aber Whiskey klingt ganz einfach edler als Doppelkorn“, bringt er die Marketingstrategie auf den Punkt.


Zudem spielt heute ein ansprechender Verkaufsbereich auf den Höfen eine wichtige Rolle. Und: Schnaps wird wohl in Zukunft nicht mehr nur im Hinterstübchen, sondern in gläsernen Manufakturen produziert werden. „Wir empfehlen, Brenngeräte werbewirksam in Szene zu setzen für die Direkt- und Selbstvermarktung“, sagt Christiane Weckert. Nicht nur der Trinkgenuss, sondern auch der Einkauf selbst wird damit für die Kunden zum Erlebnis.

 

Neben der Beratungsarbeit präsentiert sich das Kompetenzteam für Brenner bei Festivals und Messen dem Fachpublikum wie auch den Endverbrauchern, zum Beispiel Anfang November auf der desta in Volkach – einer Messe für Edelbrände. Und auch in Sachen Forschung  tut sich Einiges in Veitshöchheim: In Versuchsreihen tüfteln die Experten mit natürlicher Hefeflora, speziellen Destillatschichten oder Enzymen. „Auch unsere Forschung zielt auf Qualität ab“, sagt Krönert. „Wir testen, um den Brennern Empfehlungen für die praktische Arbeit geben zu können.“

Sie bilden das Kompetenzteam für Brenner: Matthias Krönert und Christiane Weckert.



Fotos: Michaela Schneider



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Der Artikel  ist unter anderem  im Main Echo erschienen.

Infokasten: Das staatliche Branntweinmonopol


1919 als Finanzmonopol eingeführt, entwickelte sich das staatliche Branntweinmonopol für manchen Kleinbrenner zur Überlebensgarantie. Die Bundesmonopolverwaltung für Branntwein kauft Rohalkohol für gutes Geld auf, verarbeitet ihn zu Neutralalkohol und wasserfreiem Alkohol und gibt diesen an die Industrie ab. Ende 2017 entfällt jedoch das staatliche Alkohol-Monopol. Wer als Brenner auf dem Markt bestehen will, sollte deshalb künftig mit hochwertigen Destillaten punkten.