Ich schreibe für Sie!
Guten Tag!. Journalismus. Schwerpunkte. Pressetexte. Fotografie. Schöne Literatur. Veröffentlichungen. Kontakt. Michaela Schneider - Freie Journalistin in Würzburg
Hier finden Sie eine Auswahl
an Verlagen und Agenturen,
für die ich schreibe:

Impressum

Meine AGB

Fränkischer Tag

Franken.Das Magazin für Land und Leute

Presse & Kommunikation Saremba GmbH

KulturGut

Museumsmagazin ZeitenRaum

Tanner Werbung GmbH

Ideeologen - Gesellschaft für neue Ideen

Main-Echo

Heragon Verlag

Augsburger Allgemeine

Fränkische Nachrichten

Journalismus

Pressetexte

Fotografie


Kurzgeschichten

                                          Chroniken


Auf Facebook posten
Auf Twitter posten
Auf Google Lesezeichen posten
Per E-Mail senden

Die Ausstellung „Winterfreuden“ im Mainfränkischen Museum zeigt Schlitten aus der zeit des 17. Bis 19. Jahrhunderts.


Fotos: Michaela Schneider

Barocker Jaguarschlitten und Kutschgefährte mit Rücklicht

Kunstgeschichte Sonderausstellung „Winterfreuden“ im Mainfränkischen
Museum in Würzburg zeigt Schlitten und ihre Nutzung von 17.bis ins 19. Jahrhundert


Von Michaela Schneider

Würzburg Die Augen des Jaguars sind aufgerissen, seine Zunge hängt schief aus dem Maul. Das hölzerne Tier reckt seine Pfote wie zum letzten Angriff in die Höhe. Ein Pfeil steckt im gefleckten Fell. Ein unbekannter Künstler hat den Todeskampf der Raubkatze für die Nachwelt festgehalten. Betrachtet man den außergewöhnlichen Barockschlitten in der Sonderausstellung „Winterfreuden. Schlitten im Mainfränkischen Museum Würzburg“, fragt man sich zwangsläufig, wer wohl in dem dramatischen Holzgefährt einst gesessen haben mag. „Schlittenfahren war in der Barockzeit ein adeliges Privileg“, erzählt Kunsthistorikerin Frauke van der Wall. Andere Objekte indes geben Einblicke in andere Gesellschaftsschichten und andere Zeiten: etwa ein Ausfahrtschlitten für Kinder, der einer großbürgerlichen Familie gehört haben könnte. Oder ein schwerer Lastschlitten zum Transport von Eisblöcken.


Auf den ersten Blick sind es „nur“ sechs Schlitten aus der Zeit des 17. bis 19. Jahrhunderts, die in der Kelterhalle des Museums auf der Festung zu sehen sind. Doch erzählen sie auf den zweiten Blick von früheren gesellschaftlichen und kulturellen Lebenswelten. Sie präsentieren eine ganze Bandbreite an verschiedenen Schlittenformen und Funktionen. Und: Das Mainfränkische Museum nutzt die Ausstellung, um den Besuchern Einblicke in die Konservierungs- und Sanierungsarbeit der Sammlungen zu gewähren. Die Schlitten stammen allesamt aus dem Museumsbestand. Die drei ältesten Objekte waren schon bei der Museumseröffnung vor 100 Jahren ausgestellt. Der Gebrauch, die Lagerung und die Zeit hatten ihre Spuren hinterlassen. Abgeblätterte Farbe und der Holzwurm, verformtes Holz und zerrissene Polster forderten die Restauratoren. Gebrauchsspuren sind trotzdem noch erkennbar – und zwar ganz bewusst: „Die Stücke haben ihre Geschichte wie ein Teddy, dem ein Ohr fehlt, weil er zu sehr geknuddelt wurde“, veranschaulicht Susanne Wortmann, Restauratorin des Mainfränkischen Museums.

Aufgebaut ist die Ausstellung „Winterfreuden“ chronologisch, los geht es mit einem Schlitten in Form eines Widders. Sehr naturalistisch gestaltet wurden Locken ins Fell geschnitzt, den Kopf krönen zwei echte Widderhörner. Der Adelige saß im Tierkörperkasten, der Lenker stand hinten auf den Kufen. Die mechanische Bremse bestand aus einem Dorn, der – ähnlich wie heute noch bei Hundeschlitten – mit dem Fuß in den Schnee gedrückt wurde. Genutzt wurden barocke Schlitten vom Adel für private Ausfahrten, vor allem aber auch bei prunkvollen, winterlichen Umzügen. Diese wurden damals laut Frauke van der Wall wie Theaterstücke inszeniert mit bis zu 200 kunstvollen Schlitten - häufig nachts bei Fackelschein. Vielleicht wurde einst auch der Jaguarschlitten für einen Umzug des Adels gefertigt. Kunsthistorikerin van der Wall kann sich indes mit Blick auf das verletzte Raubtier ebenso vorstellen, dass es sich um einen barocken Jagdschlitten handelt, mit dem der Adel  nach der Jagd in die Landhäuser fuhr.


Zu den „Winterfreuden“ des Adels zählten neben Jagden und prachtvollen Umzügen auch rasante Schlittenrennen, davon erzählt das dritte, wesentlich leichtere, wendige Ausstellungsstück. Frauke van der Wall datiert das klassizistische Objekt auf die Zeit um 1770.  Ein Sitzbock bietet Platz für maximal zwei Personen. Er ruht auf geschwungenen Kufen. Deren Spitze krönt ein Adler als beliebtes Symbol großer Herrscherhäuser und reicher Familien.


Und nicht nur adelige und großbürgerliche Erwachsene kamen in den Genuss von „Winterfreuden“. Während wohl vor manchen Kinderschlitten Ponys, Maultiere oder Esel gespannt wurden, dürfte der Ausfahrtschlitten für bis zu drei Kinder im Mainfränkischen Museum mit Blick auf die Handdeichsel von einem Diener oder einer Amme per Hand gezogen worden sein. Spannend gestaltet sich auch der  Blick auf die Details eines Kutschschlittens vom Ende des 19. Jahrhunderts: Hier findet sich zum Beispiel bereits eine Kurbelbremse wie bei frühen Autos. An der Rückseite des Gefährts sind Reflektoren angebracht. „Es gab tatsächlich Polizeiverordnungen, dass nachts mit Beleuchtung zu fahren sei“, erzählt Kunsthistorikerin van der Wall. Denn weil die Schlitten auf Schnee fast lautlos fuhren, ereigneten sich nachts immer wieder Unfälle.


Das jüngste Objekt der Ausstellung schließlich hat weniger mit Winterfreuden, denn mit schwerer Arbeit zu tun: Es handelt sich um einen Lastschlitten aus Schwaben. Er diente dazu, Eisblöcke über den See ans Ufer zu transportieren. Deren Nutzung hatte unterm Strich dann allerdings doch wieder mit Vergnügungen zu tun: Verwendet wurden die Blöcke nämlich zum Beispiel nicht nur in privaten Kellern, sondern auch in Brauereien.  

Ihre Unterstützung:


Hat Ihnen mein Artikel gefallen? Dann würde ich mich freuen, wenn Sie mich mit einem Klick  „flattern“, um mir ein kleines Zeichen der Anerkennung zu schicken. Herzlichen Dank!


Der Artikel ist unter anderem im Main-Echo erschienen.

Flattr this

Infokasten: Über die Ausstellung „Winterfreuden“


Sonderausstellung, Führungen und Vortrag: Die Sonderausstellung „Winterfreuden“ im Mainfränkischen Museum in Würzburg auf der Festung Marienberg ist bis einschließlich 9. März zu sehen. Öffentliche Führungen finden jeweils sonntags um 11 Uhr statt am 1. und 15. Dezember, 12. Januar, 16. Februar und 9. März. Ein Sondervortrag mit Umtrunk am 28. Februar wird sich um Faschingsvergnügungen im barocken Würzburg drehen.


Familienprogramm: An Familiennachmittagen zum Thema „Schlitten, Schnee und schöne Geschichten“ werden die historischen Schlitten unter die Lupe genommen, anschließend können die Familien an Mitmachstationen selbst kreativ werden (1. und 29. Dezember, 19. Januar, 16. Februar). Zudem im Familien-Rahmenprogramm: Puppentheater (6. Dezember), Weihnachtsmärchen (13. Dezember) und ein Ferienprogrammtag zum Thema „Winterzeit, Schlittenzeit“ (2. Januar). Auch können Kinder zwischen 6 und 12 Jahren die Ausstellung mit Hilfe eines Kinderquizes auf eigene Faust entdecken. Es liegt an der Museumskasse aus.