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Volkskrankheit mit unbemerkten Vorboten
Unter dem Motto „Gemeinsam den Schlaganfall schlagen“ informiert das neu
begründete Klinik-Netzwerk „TRANSIT-Stroke“ über Prävention, Akutbehandlung und Rehabilitation


Von Michaela Schneider
Würzburg
Ein Schlaganfall tut – anders als ein Herzinfarkt – nicht weh. Und so setzt der Alarm viel zu häufig zu spät ein. Mehr als 2500000 Menschen in Deutschland erleiden jährlich einen Schlaganfall – ein Drittel der Patienten zählt keine 60 Jahre. Oft führt dies zu bleibender Behinderung oder Tod. Reagiert das Umfeld des Betroffenen rasch, könnte dies vielfach verhindert werden. Ebenso wichtig: die funktionierende Versorgungskette, sobald der Notarzt informiert ist. Unter dem Motto „Gemeinsam den Schlaganfall schlagen“ informierte das neu begründete Netzwerk TRANSIT-Stroke am Universitätsklinikum Würzburg nun rund ums Thema Schlaganfall – von der Prävention über die Behandlung bis zur Rehabilitation.


Zunächst ein Blick auf die deutsche Versorgungslandschaft: Seit Mitte der 90er Jahre werden hier – nach skandinavischem Vorbild - so genannte „Stroke Units“ zertifiziert, das heißt, spezialisierte Schlaganfallzentren, die eine optimale Behandlung gewährleisten. Auf diese Art gelang es in Deutschland laut Professor Dr. Rolf Schneider, Chefarzt der Neurologie am Klinikum Aschaffenburg, eines der besten Versorgungssysteme der Welt für akuten Schlaganfall aufzubauen. Derzeit werde deshalb versucht, das deutsche Konzept europaweit zu etablieren. Die rund 250 Stroke-Units in Deutschland befinden sich jedoch in der Regel in Ballungsräumen.


Patienten in Echtzeit über Computer untersucht

Um auch die ländlichen Gebiete in Mainfranken optimal zu versorgen, wurde nun in Nordwestbayern das „Transregionale Netzwerk für Schlaganfall Intervention mit Telemedizin“ begründet, kurz „TRANSIT-Stroke“. Dabei handelt es sich um einen Zusammenschluss von insgesamt zwölf Kliniken in Aschaffenburg, Würzburg, Schweinfurt, Bad Neustadt, dem Spessart, Erlenbach, Kronach, Ochsenfurt und in den Haßbergen.  Die kooperierenden Kliniken wurden in drei Stufen eingeteilt. Zur Stufe III zählen Krankenhäuser mit überregionaler Stroke Unit, hier sind sämtlich diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen bis hin zur intensivmedizinischen Betreuung möglich. Stufe II umfasst Kliniken mit regionaler Stroke Unit, das heißt, hier werden viele, aber nicht alle Behandlungsformen angeboten. In Stufe I finden sich schließlich Partnerkliniken ohne Stroke Unit.  Kern der Kooperation ist die telemedizinische Zusammenarbeit: Patienten können laut Netzwerk-Geschäftsführer Dr. Peter Kraft in Echtzeit über einen Computer von einem Experten im Schlaganfallzentrum untersucht werden.  Die Mediziner können klinikübergreifend Rat einholen, das weitere Vorgehen oder auch eine schnelle Verlegung des Patienten für einen besonderen Eingriff besprechen.


Wie man einen Schlaganfall erkennt

Ehe ein Patient im Krankenhaus behandelt werden kann, kommt es jedoch zunächst einmal darauf an, dass das Umfeld schnellstmöglich die Rettungskräfte unter der Telefonnummer 112 informiert. „Es geht dabei um Minuten“, sagt Dr. Michael Schlenker, Chefarzt der Abteilung für Neurologie des Kreiskrankenhauses Lohr. Die Chancen, das Rad so weit wie möglich zurückzudrehen, seien umso höher, je früher der Arzt eintreffe. Wie aber erkennt der Laie einen Schlaganfall? Betroffen sein können verschiedene Regionen im Gehirn, die wiederum verschiedene Funktionen und Aufgaben haben. Klassische Symptome: eine Sprachlähmung, das heißt, der Betroffene wirft die Grammatik durcheinander oder benutzt zum Beispiel falsche Begriffe; eine Gesichtsfeldeinschränkung, die zum halbseitigen Verlust der Sehfähigkeit führt; oder auch Lähmungserscheinungen auf einer Körperseite. Typische Symptome beim Hirnstammschlaganfall: Der Patient sieht Bilder doppelt, die Sprache wirkt sehr undeutlich, als sei er betrunken, und er empfindet Schwindelgefühl. Auch, wenn die Symptome rasch wieder verschwinden, muss sofort der Notarzt gerufen werden – auch, weil erste Symptome oft nur den stotternden Beginn eines großen Schlaganfalls bedeuten. Wichtig laut Schlenker: Im Telefonat mit dem Rettungsdienst sollte der Verdacht auf einen Schlaganfall sofort erwähnt werden. „Dann geht es zum einen ganz schnell, zum anderen können sofort entsprechende Vorbereitungen zur Behandlung getroffen werden“, sagt der Mediziner. Tatsächlich sei der Anteil der korrekten Diagnosen durch Laien hier mit 80 Prozent außerordentlich hoch.


Bis der Notarzt eintrifft, sollte sich der Betroffene hinlegen. Auf keinen Fall sollte der Medikamente, Essen oder Trinken erhalten. Unterstützen kann das Umfeld auch, indem es wichtige Informationen für den  Rettungsdienst vorbereitet. Bernd Griewing, Chefarzt der Neurologischen Klinik Bad Neustadt/Saale, verweist dabei auf folgenden Fragenkatalog: Wann sind Symptome aufgetreten und welche? Welche Medikamente hat der Betroffene eingenommen? Welche Vorerkrankungen liegen vor? Wer sind Ansprechpartner und wie sind diese erreichbar? Das Optimum: Wer zur Risikogruppe zählt, trägt selbst immer eine Liste mit Medikamentenplan, Vorerkrankungen und Kontaktdaten  der Familie bei sich. In der Regel können Rettungsdienste diese Daten heute per Tablet schon auf dem Weg ins Krankenhaus übermitteln, dort können dann gegebenenfalls bereits Vorbereitungen für die so genannte Thrombolyse-Behandlung getroffen werden.   


Mittels Thrombolyse den „Pfropfen“ auflösen

Warum aber ist das schnelle Reagieren so wichtig? Dafür wirft Professor Dr. Christoph Kleinschnitz, geschäftsführender Oberarzt der Neurologischen Klinik und Poliklinik am Universitätsklinikum Würzburg, einen Blick ins menschliche Hirn. Ist dieses eine Minute lang nicht durchblutet, gehen 1,9 Millionen Neuronen, 14 Billionen Synapsen und zwölf Kilometern Nervenbahnen verloren.  Auslösen kann den Schlaganfall entweder eine Blutung oder eine Art Verstopfung, die Rede ist im zweiten Fall vom ischämischen Schlaganfall. Das Schlaganfallareal dehnt sich nach und nach aus, nach einer gewissen Zeit, ist das gesamte Areal zerstört, das sonst von der Arterie versorgt wird.


Um welche Schlaganfallform es sich handelt, ermitteln die Ärzte im Krankenhaus per Kopf-Computertomographie, denn über die reinen Symptome ist keine Differenzierung möglich. Wichtig ist die Unterscheidung, um beim ischämischen Schlaganfall schnellstmöglich eine so genannte Thrombolyse einzuleiten. Im medizinischen Jargon wird diese oft auch kurz als Lyse betitelt. Dabei wird, wie Kleinschnitz vereinfacht erklärt, mittels Enzymen der „Pfropfen“ aufgelöst, der die Verstopfung bewirkt.  Möglich ist dies allerdings nur bis zu 4,5 Stunden nach Einsetzen der ersten Symptome. Hintergrund: Die Blutgerinnung wird dabei maximal gehemmt, je später das Medikament gegeben wird – intravenös oder intraarteriell über einen Katheter – desto größer ist die Gefahr einer zusätzlichen Hirnblutung.


Bei sehr  schweren Schlaganfällen kann es vorkommen, dass Ärzte die Schädeldecke des Patienten entfernen müssen, denn: Große Schlaganfälle können anschwellen, gesundes Hirngewebe würde eingeklemmt, das könnte zum Tod führen. Wir die Schädeldecke geöffnet, kann sich das kaputte Hirngewebe nach außen ausdehnen.


Nach dem Krankenhausaufenthalt empfehlen Ärzte in der Regel eine neurologische Rehabilitation, sollten Restsymptome in Sachen Motorik, Sehen, Sprache oder Bewegung geblieben sein – und besteht eine Chance auf Verbesserung. Der Reha-Erfolg hängt dabei laut Dr. Hans Molitor, Chefarzt der Abteilung für Neurologie am Juliusspital Würzburg, von zahlreichen Faktoren ab wie etwa der strategischen Lage und Größe des Hirninfarkts, von Vorerkrankungen oder dem Alter des Patienten - vor allem aber auch von seiner Motivation und Mitarbeit.


70 Prozent aller Schlaganfälle wären vermeidbar

Als bestes Mittel gegen den Schlaganfall verweist Dr. Johannes Mühler, Chefarzt der Abteilung für Neurologie des Leopoldina-Krankenhauses Schweinfurt, auf die Prävention. Wichtig sei es dafür zunächst einmal, die persönlichen Risikofaktoren zu kennen – Aufschluss darüber gibt vor allem der so genannte Gesundheitscheck, dessen Kosten alle Krankenkassen bei Mitgliedern ab 35 Jahren übernehmen. Als nicht beeinflussbare Risikofaktoren nennt Mühler das Alter und die Vererbung. Beeinflussbare Faktoren indes sind: Bluthochdruck, Zuckerkrankheit, erhöhte Blutfette, Übergewicht, Bewegungsmangel und eine ungesunde Ernährung. „70 Prozent aller Schlaganfälle wären vermeidbar“, betont der Mediziner.  Seine Empfehlungen: Herzerkrankungen erkennen und behandeln, Bluthochdruck senken, die Zuckerkrankheit entsprechend einstellen, nicht rauchen, eine Obst und gemüsereiche Kost sowie mindestens 30 Minuten Sport dreimal pro Woche.    


Der Artikel  ist unter anderem  im  Magazin „Gesundheit!“ erschienen.

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