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Rüsselnasig, frech und wunderbar liebenswert
Spessartgrotte spielt Paul Maars Kindergeschichte „Eine Woche voller Samstage“


Von Michaela Schneider
Gemünden-Langenprozelten  
Es ist klein, rüsselnasig, unglaublich frech – und trotzdem irgendwie niedlich. Nicht Schwein, nicht Affe, nicht Kind. Mit „Eine Woche voller Samstage“ spielt jetzt das Ensemble der Spessartgrotte in Gemünden-Langenprozelten die spaßige Geschichte um Paul Maars Sams – jenes Wesen, das urplötzlich in das spießige Leben des Herrn Taschenbier purzelt, seine biedere Welt gründlich auf den Kopf stellt und ihm zu neuem Selbstvertrauen hilft. So liebenswert wie Selma Kirschner als das Sams, so liebenswert ist die ganze Inszenierung unter Regie von Helga Hartmann inklusive der wunderbaren Bühnenmalereien von Hartwig Kolb.  


Am Sonntag Sonne, am Montag Herr Mohn, am Dienstag Dienst, am Mittwoch Mitte der Woche, am Donnerstag Donner und am Freitag frei. Herr Taschenbier (Michel Schäfer) hat eine sonderbare Woche durchlebt. Da kommt es, wie’s kommen muss: Am Samstag purzelt das Sams in das Leben des ängstlichen Büroangestellten und nennt ihn Papa. Das sonderbare Wesen futtert alles auf, egal ob Krawatten, Holzschemel oder Plastikeimer. Ihm fällt zu jedem und allem Blödsinn sowie ein frecher Reim ein. Noch dazu nimmt das Sams jeden Satz wörtlich und stiftet damit reichlich Verwirrung. Oder mit den Worten des kleinen Wesens selbst: „Elefanten, Kaffeetanten, ich hab den Papa falsch verstanden!“ Schließlich sind da noch die komischen blauen Punkte im Gesicht des Sams – und mit jedem Wunsch, den „Papa Taschenbier“ äußert, verschwindet einer. Dass das Sams wirklich Wünsche erfüllen kann, glaubt der Büroangestellte allerdings erst, als in seiner Wohnung ein Eisbär steht.


Dass das Publikum das freche Kerlchen sofort ins Herz schließt, liegt vor allem an der herrlichen Schauspielerei von Selma Kirschner:  Den Bauch weit raus gestreckt, die Arme in die Hüften gestützt steht sie mit breitem Grinsen da, schneidet Grimassen, singt, reimt und grölt. Sie stapft mit ihren Taucherflossen über die Bühne, hüpft, tanzt und tollt. Und schafft es trotzdem, auch die leisen Zwischentöne zu transportieren. Denn so urkomisch die Szenen im Kaufhaus, in der Schule oder im Büro an sich, so pädagogisch wertvoll ist die Kernaussage in Paul Maars Kindergeschichte: Das Sams zeigt dem Papa, dass die ganzen Respektpersonen, vor denen er so große Angst hat, auch nur ganz normale Menschen mit vielen Schwächen sind. Und hier beweist Michel Schäfer wieder einmal sein schauspielerisches Talent. Anfangs gehorcht er als Herr Taschenbier seiner resoluten, giftigen Vermieterin Frau Rotkohl oder würde im Klamottenladen am liebsten in den Boden versinken. Dann gewinnt er nach und nach an Rückgrat und Selbstvertrauen, gräbt seine Kindlichkeit vergangener Tage aus und schafft es, sein Leben wieder zu genießen.


Unterstützt werden die beiden Hauptdarsteller mit Tanja Green, Paul Seeger und Timo Dassinger von einem sehr engagierten Bühnenteam, die drei schlüpfen engagiert von einer Rolle in die nächste. Für einen der lustigsten Momente sorgt Tanja Green als Vermieterin Frau Rotkohl. Die nämlich sagt auf Herrn Taschenbiers Wunsch hin plötzlich immer das Gegenteil von dem, was sie eigentlich meint. Unglaublich wütend zetert sie nun die höflichsten Worte.


Ins Zeug gelegt hat sich im Vorfeld der Premiere vor allen Dingen auch Bühnenmaler Hartwig Kolb und mit gekonntem Pinselstrich eine wunderbare Szenerie geschaffen mit liebevoll bemalten Hausfassaden, Dorf, Schule, Kaufhaus, Wald und Herrn Taschenbiers Wohnung. Und weil die Spessartgrottenbühne nun einmal klein ist, wird hier kurzerhand im Stehen geschlafen - das Bett ist um 90 Grad gedreht. Regisseurin Helga Hartmann reichert die Inszenierung um ein bisschen pantomimischen Slapstick und sparsam eingesetzte Akustikelemente an, Akkordeonmelodien geben ihr fast schon Poetisches.


Die große Kunst beim Kindertheater ist es, nicht nur den kleinen Gästen, sondern auch ihren erwachsenen Begleitern unterhaltsame Stunden im Theater zu bereiten. Der Drahtseilakt gelingt, das kleine und große Premierenpublikum applaudiert begeistert.


100 Minuten (mit Pause); weitere Vorstellungen, immer 15 Uhr: 16., 17., 20., 26., 29. und 30. Dezember, 3., 6., 10. 24. und 31. Januar, 21. Februar, 6. und 28. März, 17. April, 16. Mai und 5. Juni.

Am Samstag kommt in der Spassartgrotte in Langenprozelten das Sams zurück.

Fotos: Michaela Schneider