Ich schreibe für Sie!
Guten Tag!. Journalismus. Schwerpunkte. Pressetexte. Fotografie. Schöne Literatur. Veröffentlichungen. Kontakt. Michaela Schneider - Freie Journalistin in Würzburg
Hier finden Sie eine Auswahl
an Verlagen und Agenturen,
für die ich schreibe:

Impressum

Meine AGB

Fränkischer Tag

Franken.Das Magazin für Land und Leute

Presse & Kommunikation Saremba GmbH

KulturGut

Museumsmagazin ZeitenRaum

Tanner Werbung GmbH

Ideeologen - Gesellschaft für neue Ideen

Main-Echo

Heragon Verlag

Augsburger Allgemeine

Fränkische Nachrichten

Journalismus

Pressetexte

Fotografie


Kurzgeschichten

                                          Chroniken


Auf Facebook posten
Auf Twitter posten
Auf Google Lesezeichen posten
Per E-Mail senden

Gewalt, Drogenrausch und Exzesse
Regisseur Alexander von Pfeil präsentiert am Würzburger Mainfranken
Theater eine mutige, bildgewaltige Inszenierung von Richard Strauss‘ Oper „Salome“


Von Michaela Schneider

Würzburg Nein, Salome befindet sich an keinem Ort zum Wohlfühlen. Drogen, Alkohol und Exzesse, finster dreinblickende Türsteher, eine schmuddelige Hinterhofatmosphäre, unheimliches Mondlicht und wabernder Nebel bestimmen die Szenerie. Die Welt ist im Umbruch, alte Ideologien zerbrechen, neue Werte fehlen. So geschehen im Jahr 30 nach Christus oder auch im Fin de Siecle, als sich Oscar Wilde und Richard Strauss der „Salome“  widmen. Und in den 1960er Jahren, in die Regisseur Alexander von Pfeil den biblischen Stoff am Würzburger Mainfranken Theater transportiert. Natürlich ist es immer mutig, Opernpublikum mit sehr modernen Inszenierungen zu konfrontieren. Vereinzelte Buh-Rufe bleiben am Ende nicht aus. Übertönt werden sie aber vom umso lauteren Bravo und einem fast zehnminütigen, mehr als verdienten Applaus.


Ganz unabhängig von der Inszenierung: Die herausragendste Leistung liefert am Premierenabend das Philharmonische Orchester unter der Leitung von Enrico Calesso ab. Als der Generalmusikdirektor nach der Vorstellung die Bühne betritt, jubelt das Publikum lauter noch als für Solisten, Ensemble und Regie. Vielleicht fehlt es hier und da einen Tick an Exaktheit, aber das ist fast schon egal. Die Musik zieht an diesem Abend zwangsläufig in ihren Bann: rauschhaft, üppig, dramatisch und unglaublich emotional gespielt.


Dramatisch, an der Grenze zur Perversion, bewegt sich die Geschichte um Salome (Karen Leiber), Tochter der Herodias (Sanja Anastasia)  aus erster Ehe. Letztere ist inzwischen verheiratet mit Herodes (Paul McNamara), der die schöne Stieftochter begehrt. Und nicht nur er, auch der Hauptmann Narraboth (Yong Bae Shin) ist fasziniert von der Prinzessin. Salome indes fühlt sich hingezogen zu Herodes Gefangenem, dem Propheten Jochanaan (Johan F. Kirsten), doch dieser weißt sie zurück. Die Konsequenz: Der Hauptmann bringt sich um und Salome gibt dem Werben des Stiefvaters nach, um sich anschließend das Haupt des Propheten auf einem Silbertablett servieren zu lassen und den Kopf des Leichnams zu küssen.  Das Publikum erlebt Dramatik, unerwiderte Liebe, Inzest, Suizid, Mord, viel Bühnenblut sowie einen ziemlichen hohen Gruselfaktor und verstörende Bilder.  Die geplante Uraufführung der „Salome“ im Jahr 1905 in Wien übrigens scheiterte. Sie fiel der Zensur wegen "die Sittlichkeit beleidigender" Handlung zum Opfer.


Gesanglich sind an diesem Abend letztlich alle Solisten stark. Karen Leiber als „Salome“ zeigt anfangs in den Höhen kleine Schwächen, allerspätestens aber in der finalen Szene und ihrem leidenschaftlichen „Ah! Ich habe Deinen Mund geküsst“ ist das mehr als vergessen. Sanja Anastasia als Herodias dominiert vom ersten Moment an die Bühne, gesanglich wie schauspielerisch - bewegt sich wollüstig, lacht hämisch und gibt sich abgrundtiefem Hass hin. Sehr gut auch Paul McNamara als Herodes. Sein widerliches Werben und seine Gewaltbereitschaft auf der einen, sein Zaudern mit Blick auf den Prophetenmord auf der anderen Seite stoßen ab und faszinieren. Zu begreifen, warum Salome Jochanaan derart begehrt, fällt indes zunächst ein wenig schwer, als er mit wildem Bartwuchs, dicker Brille und irrem Blick der Zisterne entsteigt. Aber: Für Gänsehaut sorgt Johan F. Kirsten trotzdem – und muss dafür noch nicht einmal singen. Allein sein gesprochenes, tiefes, abweisendes „Niemals“ als Antwort auf Salomes Werben genügt. Noch mehr freut man sich natürlich über sein Duett mit Karen Leiber „Wird Dir nicht bange, Tochter der Herodias“.


Bei Regie, Bühnenbild und Kostümen arbeitet nach Giuseppe Verdis „La forza del destino“ im Jahr 2011 nun erneut das Team Alexander von Pfeil, Piero Vinciguerra und Katharina Gault zusammen. Die „Salome“ ist in eine Bauruine verlegt, der Zuschauer blickt auf eine unverputzte Wand, eine Galerie und die Hintereingänge zum „Palast“. die Akteure in 60er-Jahre-Kleidung bewegen sich die meiste Zeit in einem unfertigen, leeren Schwimmbecken. Beschönigt wird nicht. Das Publikum erlebt abschreckende, und  doch sehr ästhetische, atmosphärische, faszinierende Bildwelten - bestimmt von Gewalt, Drogen und Exzessen.


Alexander von Pfeil gelingt es hervorragend, das Rauschhafte der Straussschen Musik in eine gegenwärtige Handlung zu transportieren. „Salome“ wird in der Würzburger Inszenierung zum echten Psychokrimi. Wer moderne, mutige Operninszenierungen mag, dürfte begeistert sein.           

Der Artikel  wurde unter anderem im Main-Echo veröffentlicht.

Ihre Unterstützung:


Hat Ihnen mein Artikel gefallen? Dann würde ich mich freuen, wenn Sie mich mit einem Klick  „flattern“, um mir ein kleines Zeichen der Anerkennung zu schicken. Herzlichen Dank!


Flattr this