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„Der Segen von oben war da“

Kultfilmer Marcus H. Rosenmüller plaudert bei der Vorpremiere im
Mainfrankenpark über seinen neuen Kinofilm „Wer’s glaubt, wird selig“

 

Von Michaela Schneider

 

Dettelbach Seit dem Kinohit „Wer früher stirbt ist länger tot“ wird er gern als Heimatfilmer betitelt – auch wenn er sich selbst nicht als solcher sieht: Kultfilmer Marcus Hausmann Rosenmüller. Seit dem gestrigen Donnerstag flimmert seine neue Komödie „Wer’s glaubt, wird selig“ über die Kinoleinwände. Wieder sprechen die meisten der liebevoll gezeichneten Protagonisten tiefstes Bayerisch, wieder ist ein kleines Dörfchen im Freistaat Schauplatz. Zur Vorpremiere am Mittwoch war Rosenmüller mit seiner Produzentin Susanne Hildebrand zu Gast im Cineworld Mainfrankenpark bei Dettelbach. Im Pressegespräch plauderte der 39-Jährige zunächst mit Journalisten über sein neues Werk, anschließend beantwortete er im Kinosaal vor dem Filmstart die Fragen seiner Fans.

 

Entstanden ist der Film in sportlichen 38 Drehtagen an drei Drehorten. „Das Problem war, dass wir keinen bayerischen Ort fanden, der der Logistik des Drehbuchs stand hielt“, erzählt Rosenmüller. Ein Dorfplatz für den Showdown am Markt war nötig und ein Skilift – und ein bisschen Westerntouch sollte das Szenario haben. Im Ort Kastl nahe Amberg wurde das Filmteam fündig, Rosenmüller bezeichnet die Oberpfalz mit einem Augenzwinkern als den „Wilden Westen Bayerns“. Eines allerdings fehlte hier: „Wir mussten wortwörtlich Berge versetzen“, erzählt der Regisseur. Heißt: Sie wurden nach den Dreharbeiten digital eingearbeitet. Zweiter Drehort war Rom, hier sei das Filmteam für die Aufnahmen „kamikazemäßig unterwegs“ gewesen. Dritte Herausforderung: die Filmszenen im Vatikan. „In Regensburg bei Gloria von Thurn und Taxis wurden wir fündig“, so Rosenmüller. Die Strukturen von Schloss St. Emmeram hätten exakt den Drehbuchanforderungen entsprochen.

 

„Wir sind beide Christian-Ulmen-Fans“

 

Dass der Hamburger Christian Ulmen in einem bayerischen Streifen in die Rolle der Hauptperson Georg schlüpft, überrascht auf den ersten Moment. Das Nordlicht sei seine Wunschbesetzung gewesen, erzählt Rosenmüller. „Wir sind beide absolute Christian-Ulmen-Fans“, ergänzt Produzentin Susanne Hildebrand. Kommunikationsprobleme habe es keine gegeben - letztlich sei der Humor „vom Fischkopp und vom Oberbayer“ zu 98 Prozent gleich, so Rosenmüller. Die Dreharbeiten mit Ulmen hätten riesigen Spaß gemacht – im habe immer der Schalk im Nacken gesessen. Manchmal machte dies das Drehen allerdings nicht ganz einfach, als etwa in der Badezimmerszene Ulmen und Marie Leuenberger als Ehefrau Emilie beim Drehen immer wieder „einen totalen Lachanfall“ bekamen, während die Zeit drängte. Als nicht unkompliziert erwies sich auch der Dreh der Hundeszenen: „Das war so ein lieber Hund, charakterlich einwandfrei“, erzählt Rosenmüller, fügt an: „Dass der in einer Szene knurrt und zubeißt, war schwierig!“

 

Das Wetter indes war dem Filmteam sehr gut gesonnen. Meist habe, obwohl Herbst, die Sonne geschienen. Und einmal hatte es über Nacht geschneit – und zwar exakt an jenem Tag, an dem die Rückblende in jene Zeit gedreht werden sollte, in der es noch schneite und die Welt in Ordnung war. „Der Segen von oben war da“, so Rosenmüller schmunzelnd.  

 

Ob dies in erzkonservativen Kreisen ebenso gesehen wird, bleibt abzuwarten, geht der Regisseur in seinem Film doch reichlich unkonventionell mit Kirche und Katholizismus um. Schwiegermutter Daisy wird vom Kruzifix erschlagen, weil die Wand beim Sex der beiden Hauptfiguren im Nebenzimmer derart wackelt, dass es abstürzt. Ein überaus menschlicher Papst taucht höchstpersönlich in Hollerbach auf. Und mit dem Thema Heiligsprechung geht das Filmteam nicht gerade zimperlich um. Rosenmüller indes war vom englischen Drehbuch gleich begeistert: „Ich konnte mich sehr mit der Hauptfigur Georg identifizieren. Er bezeichnet sich nicht als gläubig und nicht als ungläubig.“ Im selbst gehe es ähnlich, er sehe sich „irgendwo zwischendrin“. Wichtig sei ihm aber gewesen, neben Actionkomödie und Klamauk dem Film einen tieferen Sinn zu geben. „Ohne das Gespräch zwischen dem Papst und Georg wäre der Rest des Films Quatsch“, so der Regisseur wörtlich.

 

Und Rosenmüllers persönliche Lieblingsszenen im Film? Das sei zum einen die Szene, in der Georg und der Papst Teller abspülen und der Heilige Vater kommentiert, Georg solle doch nicht päpstlicher als der Papst sein. Und zum zweiten ein typisches Mann-Frau-Gespräch mit Emilie im Schlafzimmer, während Georg das schlechte Gewissen plagt.

 

Rosenmüllers neue Komödie ist manchmal albern, manchmal schwarzhumorig, manchmal kleinbürgerlich-deftig. Aber ihr dürfte gelingen was sich Rosenmüller erhofft: nämlich, dass sie das Publikum zum Lachen bringt, gut unterhält „und auch ein bissl zum Nachdenken anregt“.

Der Artikel wurde im Main-Echo veröffentlicht.

Im Kino Cineworld im Mainfrankenpark beantwortete Marcus H. Rosenmüller bei der Vorpremiere die Fragen seiner Fans.                                                                                       Foto: Michaela Schneider

Über den Film

 

Als Vorlage zum Film „Wer’s glaubt, wird selig“ diente Jeremy Levens Buchs „St. Daisy“. Im Original spielt es im amerikanischen Vermont. Aber die Geschichte ließ sich wunderbar nach Bayern adaptieren, erzählt  Drehbuchautor und Regisseur Marcus H. Rosenmüller. Hier wie da geht es um einen Skiort, in dem der Schnee ausbleibt. Und hier wie da ist die Bevölkerung katholisch genug, um an eine Heiligsprechung zu denken.

 

Denn: Als Schwiegermutter Daisy (Hannelore Elsner) vom Kruzifix erschlagen wird, kommt dem nach Bayern eingeheirateten Georg (Christian Ulmen) eine so simple wie abstruse Idee: Wird Daisy heiliggesprochen und Hollerbach zum Wallfahrtsort, wäre das Dorf vor dem Bankrott gerettet.

 

Was allerdings fehlt, sind mindestens zwei Wunder. Kurzerhand werden diese für den angeblichen Gesandten des Vatikans inszeniert. In Rückblenden erzählt Ulmen beim Spaghetti kochen, wie das Schlamassel seinen Lauf nimmt – und zwar keinem geringerem als dem Papst (Nikolaus Paryla) persönlich.

Wer’s glaubt,

wird selig

Drehbuchautor und Regisseur Marcus H. Rosenmüller mit seiner Produzentin Susanne Hildebrand.

Foto: Michaela Schneider