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Für den Amerikaner Unterhaltung, für den Deutschen intellektuelle Kunst
Der Performance-Künstler David Rodgers vergleicht, wie das New Yorker und
das Würzburger Publikum auf seine rätselhaften Darbietungen an unerwarteten Orten reagiert


Von Michaela Schneider

Würzburg/New York Verwirrte Haare, stechender Blick. Zwischen angedeuteten Sternen und Planeten bewegt er sich mit Koffer und Mantel. Bewegt sich der New Yorker Performance Künstler David Rodgers als Astronom Johannes Kepler. Was wäre, wenn der Sprecher der Wahrheit, der Wissenschaftler als Reisender zwischen Raum und Zeit in der modernen Welt landete? Wie würde er sich zurechtfinden? Wie würde er kommunizieren? Das klanglich untermalte, rätselhafte Spektakel will Fragen nicht beantworten, sondern aufwerfen. Es wirkt auf Würzburgs Publikum auf der einen Seite ungewohnt und befremdlich, auf der anderen Seite mysteriös und fesselnd. Und so mangelt es nicht an Zuschauern, als David Rodgers 2012 beim Würzburger Straßenmusikfestival auftritt. Allerdings hält das Publikum schüchternen Abstand. Und das ist nicht der einzige Unterschied, den der Künstler zwischen deutschen und amerikanischen Zuschauern beobachtet.


Studiert hat der gebürtige New  Yorker Theaterwissenschaften und bildende Kunst, seit vielen Jahren arbeitet er als freischaffender Künstler. Rodgers bezeichnet sich als Performancekünstler – eine Kunstform, die in den USA nicht ungewöhnlich, hierzulande eher selten ist. „In meinen Darbietungen will ich sämtliche Grenzen zwischen bildender Kunst und Theater verschwimmen lassen und Bereiche dazwischen entdecken“, erklärt er. Rodgers tritt gelegentlich in Museen oder Galerien auf, bevorzugt aber unkonventionelle Plätze für seine Aufführungen – von der Fußgängerzone bis zur peruanischen Inka-Ruinenstadt Machu Picchu. Plätze, die auf der einen Seite als Theaterkulisse dienen, auf der anderen Seite als Performance-Ort überraschen. Und, Plätze, die keine physische Trennung zwischen Künstler und Publikum zulassen, denn: Wer stehen bleibt, um David Rodgers zu beobachten, muss damit rechnen, selbst Teil der Aufführung zu werden.  


Zum ersten Mal nach Deutschland kommt er als Rucksacktourist im Jahr 1985. Der erste künstlerische Kontakt liegt sechs Jahre zurück. Damals wird der New Yorker zur Veranstaltungsreihe „Kunst in Schloss Homburg“ eingeladen, in den folgenden Jahren reist er immer wieder zur Homburger Sommerakademie – sowohl als Künstler, als auch als Performance-Trainer. Über die hiesige Fotografin Katrin Heyer lernt er Würzburgs Kunstszene kennen, tritt dort erstmals 2009 in ihrem Atelier und dem Plastischen Theater Hobbit auf. Weitere Auftritte inklusive Straßenmusikfestival, kurz STRAMU, folgen von nun an in der Bischofsstadt.


Wie aber reagiert das deutsche Publikum auf die ungewohnte, Fragen aufwerfende Performancekunst? Rodgers erste Spielstätte in Deutschland: der Schlossplatz in Homburg. Bis zur Mitte der Darbietung habe er überhaupt kein Publikum gesehen, erinnert sich der Künstler, ehe er schließlich registrierte, dass Zuschauer zwar da waren, sich aber – ganz anders als in New York - weit weg positioniert hatten. „Anfangs war das für mich befremdlich, weil ich enge physische Nähe zwischen dem Darsteller und dem Publikum will“, erzählt Rodgers. Später habe er begriffen: Abstand hielten die Zuschauer schlichtweg aus Respekt, um der Kunst und dem Künstler ausreichend Freiheit und Raum zu lassen. Rodgers Fazit: In Deutschland spielt die Wahl des Ortes für Performancekünstler eine noch entscheidendere Rolle als in den USA, um einen zu großen Abstand zum Künstler gar nicht erst zu erlauben.


Auch lassen sich Zuschauer in New York weitaus bereitwilliger in eine Darbietung einbeziehen. Doch Rodgers weiß inzwischen, woran er in Homburg oder auch Würzburg ist: „Ich genieße es heute, diesen Augenblick gezielt zu nutzen: das Element der Überraschung, wenn das Publikum unerwartet zum Teil der Performance wird.“  Mit seinen theatralischen Kunstwerken will David Rodgers Fragen aufwerfen. Und hier beobachtet er: Deutsche Zuschauer denken weitaus intensiver nach über seine Darbietungen, analysieren, wollen die Bedeutung verstehen und betrachten Performance-Kunst weniger als Spektakel, denn als intellektuelle Tätigkeit. „Deshalb genieße ich dort den Dialog, der im Anschluss entsteht“, betont er, ergänzt: „Kulturgeschichte und Kunst scheinen ein wesentlich vertrauterer Bestandteil des täglichen Lebens zu sein als in Amerika.“  


Rodgers Eindruck: Der New Yorker im Vergleich akzeptiert, was er  erlebt, genießt das Gefühl, betrachtet Performance-Kunst als Unterhaltung und den Künstler selbst als freakigen Typen, der sich auslebt.  „In Deutschland dagegen spüre ich eine kulturelle Atmosphäre, in der ich als sehr legitimes Mitglied einer großen Gemeinschaft angenommen werde.“  


Weil David Rodgers heute um die Unterschiede zwischen deutschem und amerikanischem Publikum weiß, ändert er seine Darbietungen von Land zu Land entsprechend ab. Beispiel Johannes Kepler. Die Deutschen seien mit der historischen Person viel vertrauter, waren sehr aufmerksam und folgten der Handlung. Als sie selbst mitmachen sollten, allerdings reagierten sie abgeneigt. Bei der späteren Aufführung in New York strich der Künstler dagegen einen guten Teil der Handlung und konzentrierte sich auf das Spektakel, bezog das Publikum von Anfang an ein. „Zu viele Actionfilme und Fernsehshows?“, fragt sich Rodgers. Und antwortet selbst mit einem nachdenklichen „Vielleicht“.


Der Artikel  ist unter anderem  in „KulturGut“ erschienen.

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