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Creme-de-la-Creme-Bullen und hornlose Milchkühe
Landwirtschaft
Zuchtexperte spricht über die Arbeit des Rinderzuchtverbands
Franken sowie Trends, Tendenzen und Herausforderungen in der Rinderzucht

Von Michaela Schneider

Würzburg/Unterfranken Drei Prozent Bauernhöfe pro Jahr schließen in Bayern für immer die Rinderstall-Türen. Andere Höfe indes wachsen - und damit bleibt die Anzahl der Tiere relativ konstant. Wolfgang Holzinger ist stellvertretender Zuchtleiter beim Rinderzuchtverband Franken. Er erklärt nicht nur, warum der Verband für heimische Rinderzüchter wichtig ist, sondern spricht über Trends, Tendenzen und Herausforderungen für die Landwirte – jetzt und in Zukunft.

 

Eine Hauptaufgabe des Rinderzuchtverbands: Er kümmert sich mittels regelmäßiger Auktionen um die Vermarktung der Tiere. Nur wer Verbandsmitglied ist, darf hier Tiere versteigern. Einkaufen indes kann jeder. Der Vorteil für die Käufer: Qualität ist sicher gestellt, denn nur wer seit mindestens 15 Jahren Herdbuch auf Grundlage der Milchleistungsprüfungen führt, wird überhaupt erst als Mitglied in den Rinderzuchtverband aufgenommen. Bei den Auktionen werden die Tiere klassifiziert, beste Tiere erzielen auch beste Preise – und mäßige Tiere angemessene Preise. „Da wird die Spreu vom Weizen getrennt“, sagt Holzinger. Der Auktionsumsatz pro Jahr an den beiden Marktstandorten Dettelbach und Ansbach: 21 Millionen Euro. Auch kümmert sich der Verband um den Tierexport ins Ausland.

 

Interessant ist: Nur ein Drittel der verkauften Tiere bleibt in Unterfranken, ein weiteres Drittel zumindest in Bayern – der Rest wird ins gesamte Bundesgebiet verkauft. Und auch in Belgien oder etwa den Beneluxländern sind die hiesigen Tiere begehrt. Hintergrund: Süddeutschland ist führend in der Fleckviehzucht. Der Vorteil der Tiere: Sie sind sowohl als Milch- wie auch als Fleischlieferanten geeignet. Heißt: In Zeiten, in denen sich Fleisch schlechter verkauft, können Landwirte unkompliziert auf Milchwirtschaft umschwenken – und umgekehrt. Bei Verbrauchern kaum bekannt ist, dass ein Drittel der männlichen Nutzkälber Unterfranken zwar verlässt und ein Jahr lang außerhalb gemästet wird, die Tiere aber zum Schlachten nach Franken zurückkehren, weil sich hier bessere Fleischpreise erzielen lassen. Die leeren Lastwagen werden dann laut Holzinger mit neuen, lebenden Kälbern befüllt – und fahren zurück in den Norden.

 

Zu 90 Prozent setzen sich die fränkischen Rindviehbestände heute aus Fleckvieh zusammen, sieben Prozent macht die Rasse Holstein aus. Frankenvieh, das noch vor 20 Jahren in fast jedem hiesigen Stall daheim war, gibt es kaum mehr - Holzinger spricht von noch rund 2500 Herdbuchkühen. Das Problem: Während Fleckvieh mit einer Leistung von 8000 Kilogramm Milch und Holsteiner sogar mit 9000 Kilogramm aufwarten können, hinkt das Frankenvieh um 2000 bis 3000 Kilogramm Milch pro Jahr hinterher. Inzwischen zählt Frankenvieh deshalb zu den aussterbenden Nutztierrassen.

Zweite große Verbandsaufgabe neben der Zuchtberatung: Die Umsetzung des vom Freistaat geförderten Zuchtprogramms. Dafür finden laut Holzinger drei Mal pro Jahr Zuchtwertschätzungen statt, um die genetisch besten Tiere herauszufiltern. Dies sind unter den 1,5 Millionen Kühen in Bayern etwa drei Prozent. „Das ist eine Wissenschaft für sich“, betont Holzinger. Denn nicht nur Vater und Mutter der Kuh entscheiden über ihren Zuchtwert, sondern auch ihre Eigenleistung. Insgesamt ziehen Experten bei der Beurteilung rund 50 verschiedene Merkmale vom Körperbau übers Durchhaltevermögen des Tiers bis hin zur Fleischleistung heran. Die ausgewählten Kühe werden dann gezielt angepaart mit den besten Bullen aus Inland und dem nahen Ausland. Von diesen „Creme-de-la-Creme-Bullen“ gebe es in der Regel nicht mehr als fünf bis zehn insgesamt, betont Holzinger.

 

Ein Resultat des seit 40 Jahren praktizierten Zuchtprogramms in Bayern: Pro Jahr steigt die Milchleistung der Tiere um rund 100 Kilogramm Milch. Dabei beschreibt Holzinger einen ständigen Kreislauf. Kleine Höfe schließen, andere Zuchtbetriebe vergrößern sich. Die Zahl der Milchkühe bleibt damit konstant, die Milchleistung steigt. Um überhaupt Milch zu geben, muss eine Kuh zunächst einmal kalben. Und so bleibt bei einer gleichbleibenden Anzahl von Milchkühen – anders als die Milchmenge – auch die Zahl der Mastkälber gleich. Daraus erklärt sich ein niedriger Milchpreis, während für Fleisch ordentliche Gewinne erzielt werden. Allerdings müssen sehr viele Betriebe noch aufrüsten, wenn sie mittelfristig bestehen wollen. Aktuelle Faustzahl pro Betrieb in Franken: Rund 30 Milchkühe. Holzinger geht jedoch davon aus, dass es in naher Zukunft rund 60 bis 80 Kühe mit einer Milchleistung von 8000 Kilogramm brauchen wird, um eine dreiköpfige Familie zu ernähren.

 

Ein weiterer Zuchterfolg der letzten Jahre geht übrigens Hand in Hand mit dem Thema Tierschutz: Umstritten ist seit vielen Jahren die Enthornung von Kälbern. Schon seit Jahrzehnten züchtet man deshalb Tiere ohne Hörner – doch gaben diese Kühe in der Vergangenheit fast keine Milch. Seit etwa fünf Jahren gibt es nun Bullen, die eine hervorragende Milchleistung vererben – aber keine Hörner.

Der Artikel ist im Main-Echo erschienen.

Infokasten: Über den Rinderzuchtverband Franken

 

Bayernweit gibt es derzeit 15 Züchtervereinigungen für alle Rinderrassen. Im Herbst 2011 hatten die Züchtervereinigungen in Unterfranken und Mittelfranken fusioniert – aus dem Zusammenschluss ging damals der Rinderzuchtverband Franken hervor mit zentralem Sitz in Ansbach und einer Geschäftsstelle in Würzburg. Derzeit gehören dem Verband rund 2300 Mitglieder an, Tendenz sinkend. Allerdings zählen zum Verband nur etwa die Hälfte aller Betriebe in der Region, der Rest ist gar nicht organisiert oder unterzieht seine Tiere zwar der Milchleistungsprüfung, ist aber (noch) nicht Mitglied im Rinderzuchtverband. Ein Viertel der Verbandsmitglieder sitzt in Unterfranken, drei Viertel indes im Mittelfränkischen. Die Zahl der Milchkühe bleibt im Verband relativ konstant mit derzeit rund 102000 Herdbuchkühen. Davon sind 90 Prozent der Tiere Fleckvieh, sieben Prozent Holstein und drei Prozent Fränkisches Gelbvieh.