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Riga – Perle des Baltikums
Lettlands Hauptstadt präsentiert sich als Kulturhauptstadt Europas 2014
 jung und quirlig – Dennoch hat Ukraine-Konflikt Urängste in der baltischen Republik geweckt


Von Michaela Schneider

Riga/Lettland Im August 2014 war es 25 Jahre her, dass sich eine Menschenkette in Lettland, Estland und Litauen bildete. Eine friedliche Menschenkette über mehr als 600 Kilometer durch drei Länder.  Damit demonstrierten mehr als eine Million Menschen einst ihre Einigkeit im Drang nach Freiheit von der Sowjetunion. Der baltische Kampf um die Unabhängigkeit ist inzwischen Teil der Geschichtsbücher, das kleine Lettland seit 1991 Republik, seit 2004 Mitglied der Europäischen Union und NATO-Partner. Zu Beginn dieses Jahres führte Lettland als zweiter der baltischen Staaten den Euro ein. Und die Hauptstadt Riga präsentiert sich als Kulturhauptstadt Europas 2014 jung, quirlig, modern. Trotzdem hat der Ukraine-Konflikt Urängste in der Zwei-Millionen-Einwohner-Republik ausgelöst. Und so erlebt in der lettischen Hauptstadt zwei Seiten, wer Riga in diesen Tagen besucht.


Zunächst der touristische Blick auf die Kulturhauptstadt. Städtereisende lassen sich durch die Kopfsteinpflastergassen der Altstadt treiben - vorbei an Sakralbauten wie der Petrikirche oder dem Dom, an den Speichern und Handelshäusern der alten, bis ins 19. Jahrhundert von Deutschen geprägten Hansestadt oder durch die an Souvenirshops und Restaurants reiche Torna iela. Pflichtfotos werden geschossen vom Schwarzhäupterhaus aus Backstein am Rigaer Rathausplatz, den beschaulichen Höfen des Konventhofs oder dem berühmten Gebäudeensemble der „Drei Brüder“.


 Auf der anderen Seite des Stadtkanals in Rigas Neustadt ein ganz anderes, aber mindestens ebenso attraktives Bild: Jugendstilbauten erzählen hier Straßenzüge lang von jener kurzen, exzentrischen Bauphase des beginnenden 20. Jahrhunderts. Wer osteuropäisches Flair erleben will, stürzt sich indes ins Getümmel des Zentralmarkts mit riesigen Markthallen und Freiflächen. Die angrenzende Moskauer Vorstadt gilt zwar mancherorts als verrufen, doch der Besuch lohnt: Zwischen Blockbauten finden sich hier noch traditionelle lettische Holzhäuser, die - gerade weil in die Jahre gekommen - ihren eigenen Charme verströmen.


Ein reiches Kulturleben mit großen Operninszenierungen, Ballett, Musikfestivals und Ausstellungen prägt das Kulturhauptstadt-Jahr zudem. Da geht es etwa an verschiedenen Orten der Stadt um edlen baltischen Bernstein, der übrigens sogar im Grab des Tutanchamun gefunden wurde. Auch die dunklen Seiten der Stadtgeschichte bleiben nicht ausgeblendet: Im Rigaer Speicherviertel ist unweit der Grenze des ehemaligen jüdischen Ghettos ein Ghettomuseum entstanden – unter anderem mit einer Liste der Holocaustopfer in Lettland während der nationalsozialistischen Besatzung. Namen finden sich hier auch aus Franken, denn mehr als 1000 Menschen aus acht fränkischen Städten wurden 1941 nach Riga deportiert, mehr als 200 stammten aus Würzburg.  


Und in der jüngst eingeweihten, hochmodernen Nationalbibliothek dreht sich eine Ausstellung um „500 Jahre Buchdruck“. Die Bibliothek selbst schaffte es übrigens zu Beginn dieses Jahres selbst international in etliche Medien, als die Bücher vom alten Bibliotheksgebäude in den Neubau transportiert werden mussten. Kurzerhand rief man die Bevölkerung auf, eine Menschenkette zu bilden - ein Bild, das an den baltischen Weg 1989 erinnerte.  Dass dies am kältesten Tag des Jahres bei klirrender Kälte geschah, hinderte die Bevölkerung nicht, über Stunden, Bücher weiterzureichen.


Auch in anderer Hinsicht ist die lettische Nationalbibliothek unbedingt einen Besuch wert:  Hier nämlich steht hinter dickem Glas der Daina-Schrank als vielleicht wichtigstes nationales Heiligtum der Letten. In dessen Schubladen liegt die bedeutendste Sammlung lettischer Volkslieder (Dainas) als zentrale Grundlage der lettischen Kultur. Tatsächlich soll es im „Land der Lieder“ 1,2 Millionen Dainas geben. Und so singt, wer ein echter Lette ist. Gepflegt wird die Tradition auf höchstem Niveau beim alle fünf Jahre stattfindenden lettischen Sängerfest.


Wer sich die Zeit nimmt, kann schon im nahen Umland der lettischen Hauptstadt jede Menge weitere Facetten der kleinen baltischen Republik entdecken. Nur eine knappe halbe Stunde dauert die Fahrt ins vor allem von russischen Gästen geprägte Ostseebad Jurmala.  Attraktiv, gerade in den Sommermonaten, ist zudem ein Ausflug ins Ethnografische Freilichtmuseum von Riga. Idyllisch an einem See zwischen Kiefern gelegen, stehen hier mehr als 100 bis zu 400 Jahre alte Häuser, Scheunen, Windmühlen und Kirchen aus Holz.


Trotzdem noch einmal ein Abstecher zurück in die Altstadt auf den Rathausplatz. Nahezu fensterlos und grau steht hier das Okkupationsmuseum. Dessen Besuch ist Pflicht, will man Lettland – gerade jetzt, in Zeiten der Ukraine-Krise - verstehen. Auf die erste sowjetische Besatzung 1940, folgte von 1941 bis 1944 die zweite durch das nationalsozialistische Deutschland, ehe erneut für die nächsten Jahrzehnte die Sowjetunion die Fremdherrschaft übernahm.


Im lettischen Verständnis bestand der lettische Staat jedoch in all den Jahren fort. Das bedeutete auch: Die einstige lettische Staatsbürgerschaft galt 1991 als nicht erloschen. Wer indes nach 1940 zugewandert war, musste diese nun neu erwerben. Das betrifft vor allem die rund 30 Prozent Menschen russischer Herkunft im Land, die in großen Teilen im Zuge der sowjetischen Siedlungspolitik ins Land kamen. An den Erwerb der Staatsbürgerschaft geknüpft: ein Sprachtest und eine landeskundliche Prüfung. Wer sich diesem Test nicht unterzieht oder ihn nicht besteht, gilt als „Nicht-Bürger“, verfügt über kein Wahlrecht und  kann nicht im öffentlichen Dienst beschäftigt werden.  Immer noch leben 280000 „Nichtbürger“ in Lettland ohne Pass. 2012 hatte zudem eine umstrittene Volksabstimmung für Aufsehen gesorgt. 75 Prozent der Letten lehnten es damals ab, das Russische neben dem Lettischen zur zweiten Amtssprache zu machen. Als Verkehrssprache – beim Einkauf auf dem Markt oder im Alltag indes – ist die russische Sprache weitgehend akzeptiert. Letten und Russen leben im Land eher neben-, als miteinander.


Im Frühjahr hatte die Ukraine-Krise Urängste in der Bevölkerung ausgelöst, die Vergangenheit könne das Land wieder einholen – zu intensiv rufen die Ereignisse auf der Krim die Annektierung Lettlands im Jahr 1940 wach. Anders als die Ukraine ist Lettland jedoch NATO-Mitglied. Entsprechend wichtig ist für den baltischen Staat nicht nur die geforderte NATO-Präsenz im Land. Von Bedeutung war und ist auch eine erneute Bekräftigung der Beistandsgarantie durch die Bündnispartner.

Und Bedeutung hat für Lettland zudem, dass sich die Hauptstadt Riga 2014 als Kulturhauptstadt präsentieren darf. „Für uns ist es sehr wichtig, auf diese Art ein sichtbarer Teil von Europa zu sein“, sagt Kulturministerin Dace Melbarde, fügt an: „Wir sind sehr nah dran an Russland. Die richtige Balance zu finden, ist für Lettland schwierig.“

Der Artikel  ist unter anderem  im Main-Echo erschienen.

Riga - europäische Kulturhauptstadt 2014.

Alle Fotos: Michaela Schneider


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Infokasten:  Riga – Hauptstadt des Jugendstils


Zu Recht gilt Riga als Hauptstadt des Jugendstils in Europa. Mit rund 800 Häusern wurde mehr als ein Drittel des Stadtzentrums von Riga im Jugendstil erbaut – jener Kunstrichtung, die um die Wende zum 20. Jahrhundert in Europa entstand.  Charakteristika: fast schon überladen wirkendende, dekorierte Fassaden, der ornamentale Stil, geschwungene Linien, Asymmetrie. Die Jugendstilmotive entstammen vor allem der Natur, der Mythologie und der antiken Kunst.  Die schönsten Gebäude befinden sich in den Straßenzügen Elizabetes Iela und Alberta Iela, hier können Besucher auch das Rigaer Jugendstilmuseum erkunden.  Ein Besuch lohnt vor allem auch, weil nicht nur dessen Außenfassade, sondern auch die Innenräume  – von der Treppenhalle bis zum Geschirr im Wohnzimmer – als perfektes Beispiel des Jugendstils gelten. Als Koryphäe des Rigaer Jugendstils gilt der Architekt Michail Eisenstein, Sohn einer deutschbaltischen Kaufmannsfamilie – auch wenn Eisenstein zunächst als „verrückter Zuckerbäcker“ verspottet wurde. Um die Altstadt, die Holzarchitektur, vor allem aber auch den Jugendstil für zukünftige Generation zu bewahren, wurde das historische Zentrum von Riga 1997 in die UNESCO-Weltkulturerbeliste.

Infokasten: Heinz Erhardt – Rigas berühmter Sohn


Vielleicht ist er – unter Deutschen – der bekannteste Sohn Rigas: Der unvergessene Komödiant und Schauspieler Heinz Erhardt. Er entstammte einer deutschbaltischen Familie, die wohl bereits seit dem 18. Jahrhundert in Riga lebte. Heinz Erhardt wurde hier am 20. Februar 1909 als Sohn des Musikers und Kapellmeisters August geboren.  In Riga sollte er früh die ersten kurzen Gedichte reimen und sein humoristisches Talent in den Kaffeehäusern der Stadt erproben. Heinz‘ Eltern hatten sich kurz nach der Geburt getrennt, einige Zeit verbrachte er bei der Mutter im heutigen St. Petersburg, Aufenthalte führten ihn auch zum Vater nach Deutschland. Die meiste Zeit lebte er aber bei seinen Großeltern in Riga. Als 17-Jähriger zog der junge Heinz dann zum Kompositions- und Klavierstudium nach Leipzig, brach dieses nach zwei Jahren ab und kehrte zurück nach Riga. Jetzt trat er mit seinen humoristischen Liedern und als Vortragskünstler bei Festen der Deutschbalten, aber auch im „Deutschen Schauspiel“ auf. Nur mühsam konnte er sich finanziell als Künstler über Wasser halten und so zog Heinz Erhardt mit seiner jungen Familie 1938 nach Deutschland, noch vor dem Anschluss Lettlands an die Sowjetunion. Seine Karriere als Star unter den deutschen Komikern begann. Heute werden deutschsprachige Heinz-Erhardt-Themenführungen in Riga angeboten.