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Mobil und selbständig trotz Rheuma
Physio- und Ergotherapeuten erarbeiten mit Arthritis-Patienten Strategien, um den Alltag zu meistern


Von Michaela Schneider
Würzburg  
Die Hände sind geschwollen, die Gelenke schmerzen. Die Bluse am Morgen zuzuknöpfen, entwickelt sich bei jedem neuen Rheuma-Schub zur wahren Tortur. Alltägliche Bewegungen verwandeln sich in kaum überwindbare Barrieren.  0,8 Prozent der Bevölkerung leiden hierzulande an rheumatischen Erkrankungen, Frauen sind dreimal so häufig betroffen wie Männer. Heilbar ist Rheuma nicht, die Krankheit begleitet Betroffene ein Leben lang. Therapien zielen unter anderem darauf ab, dem Patienten wenigstens einen Teil der Schmerzen zu nehmen. Wichtige Bausteine sind dabei die Physio- und Ergotherapie. Hilfreiche Tipps gaben jetzt Claudia Kübbert-Sponner, leitende Physiotherapeutin im Würzburger Krankenhaus Juliusspital, sowie ihre Kollegin, die Ergotherapeutin Marion Scheller, Patienten im Zuge der Vortragsreihe "Juliusspitälische Abende" mit auf den Weg.


Erste Rheuma-Symptome treten laut Kübbert-Sponner in der Regel zwischen dem 25. und 50. Lebensjahr auf.  Im Frühstadium leiden Patienten häufig zunächst unter grippeähnlichen Symptomen. Entzündungen beginnen oft an kleinen Gelenken wie Fingern oder Zehen und greifen dann auf die großen Gelenke über. Überwärmung, Rötungen, Schwellungen und Schmerzen plagen. Rheuma tritt in Schüben auf, diese können Wochen bis Monate dauern. Auf Schwellungen und Schmerzen folgen im Krankheitsverlauf Muskel- und Knochenschwund. Im nächsten Schritt wird der Gelenkknorpel zerstört und das  Bindegewebe geschädigt. Schließlich kann es zu einer Gelenkversteifung kommen, dadurch können sich Gelenke deformieren. Als typisch bezeichnet Kübbert-Sponner etwa eine Schwanenhalsstellung der Finger.   

 

Wie aber können Physiotherapeuten Rheuma-Patienten helfen? Das Training zielt laut der Expertin auf den Erhalt der Muskelkraft- und Gelenkbeweglichkeit sowie den Gelenkschutz ab, Dysfunktionen soll vorgebeugt werden. Die Physiotherapie berücksichtigt dabei immer das Stadium der Erkrankung und den aktuellen Zustand  des Patienten. Beim aktiven Schub lautet die Prämisse Schonung, dann arbeiten Therapeuten mit passiver Bewegung, Dehnungen, Lagerungen oder Kälteanwendungen wie Eistauchbädern oder einer Abreibung mit Eislollies. Wärme dagegen, so Kübbert-Sponners klare Aussage, taugt beim akuten Schub nicht, sie würde die Entzündung noch fördern.   


Früher nahm man an, Sport könne Rheumaschübe auslösen, deshalb rieten Experten davon ab. Heute indes weiß man laut der Physiotherapeutin: Sport ist notwendig, um die Gelenke zu stärken und die allgemeine Aktivität und Lebensqualität der Patienten zu erhalten – allerdings niemals im akuten Stadium. Qualität sei dabei wichtiger als Quantität. Kübbert-Sponner empfiehlt viel Bewegung und wenig Belastung, ebenso Kräftigungsübungen mit wenig Belastung sowie Ausdauertraining. Schnelle, abrupte Bewegungen wie zum Beispiel bei Ballsportarten oder Tennis sollten Rheumapatienten vermeiden,  das gleiche gilt für Stoßbelastungen, Stichwort Joggen.  Empfehlenswert indes seien zum Beispiel Rad fahren, Wandern, Nordic Walking, Schwimmen, Aquafitness und auch gezielter Kraftaufbau.


Zudem entwickeln Therapeuten gemeinsam mit den Patienten Kompensationsstrategien und beraten in Sachen Hilfsmittel.  Dabei können oft schon recht einfach umsetzbare Schritte den Alltag erleichtern, Beispiel Küche. Hier empfiehlt Kübbert-Sponner zum Beispiel unterschiedliche, ergonomische Arbeitshöhen. Vom niedrigen Herd etwa lässt sich ein schwerer Topf leichter heben. Und wer seine Küche nicht eigens umbauen möchte, kann sich vom Schreiner einen kleinen Podest zum Draufstellen anfertigen lassen. Brot schneidet sich leichter auf einer hohen Arbeitsfläche, weil das Körpergewicht mit eingesetzt werden kann.


Um mobil zu bleiben, sollten Rheumapatienten laut der Physiotherapeutin auf gute Schuhe achten – bequem, weit, leicht, mit flexibler Schale und aus weichem Material. Ebenso können Einlagen und orthopädische Schuhe den Alltag erleichtern. Es gibt Handstöcke mit speziellen anatomischen Handgriffen, Unterarmgeh-Stützen, Arthritis-Stützen und Arthritis-Rollator.

Doch auch Prophylaxe im Alltag ist möglich, hier lässt Ergotherapeutin Marion Scheller Rheumapatienten gerne eine achsengerade Linie auf die Hand zeichnen und sich einen Tag lang selbst beobachten. Dabei sollen sie darauf achten, in welchen Situationen sie das Handgelenk nicht gerade halten. Anschließend überlegt die Expertin, wie sich diese Bewegungen vermeiden lassen. Schon eine veränderte Körperhaltung kann helfen, doch gibt es mittlerweile zudem eine Bandbreite an ergonomischem Werkzeug für tägliche Handgriffe - vom verlängerten Schwamm, um den Rücken zu waschen, Zahnbürsten mit Spezialgriff, Greifzangen um Gegenstände vom Boden aufzuheben bis hin zu Strumpfanziehern oder Knöpfhilfen für die Bluse. Elastische Schnürsenkel brauchen nicht jedes Mal aufs Neue gebunden werden. Durch ein Glas mit zwei Henkeln wird die Belastung besser verteilt.  Spezielle Fahrradgriffe ermöglichen Sport mit dem Drahtesel. Ein sogenannter Schwanenhalsring, der tatsächlich wie ein Ring getragen wird, stellt die Greiffunktion der Hand wieder her, um nur einen Bruchteil der kompensatorischen wie prophylaktischen Hilfsmittel zu nennen.


Denn letztlich zielen Physio- und Ergotherapie vor allem auf zwei Dinge ab: Rheumapatienten sollen so schmerzfrei, aber gleichzeitig so selbstständig wie möglich die Herausforderungen des Alltags meistern.

Der Artikel  ist unter anderem  im Magazin „Gesundheit!“ erschienen.

Infokasten: Rheuma – ein Blick aufs Krankheitsbild

„Patient wissen, dass sie Rheuma haben. Das Krankheitsbild kennen sie jedoch nicht so genau“, so die Erfahrung von Claudia Kübbert-Sponner, leitende Physiotherapeutin im Würzburger Krankenhaus Juliusspital. Rheuma beschreibt sie als eine entzündliche Erkrankung, die stets mehrere Gelenke betrifft, deshalb reden Experten auch von chronischer Polyarthritis. Dabei wird die Synovialmembran, ein Teil der Gelenkkapsel, vom eigenen Immunsystem angegriffen, dies löst Entzündungen aus. Ist indes nur ein Gelenk betroffen, handelt es sich vermutlich nicht um Rheuma, sondern eine Arthrose. Übrigens zählen sehr viele Krankheitsbilder zum rheumatischen Formenkreis – zum Beispiel auch Fibromyalgie, eine besondere Form des Faser-Muskel-Schmerzes, oder Morbus Bechterew, eine chronisch-entzündliche Erkrankung der Wirbelsäule, um nur zwei Beispiele zu nennen.