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Schaumschlägerei, Lügen und Satire
Mainfranken Theater Würzburg startet mit der Gogol-Komödie „Der Revisor“ in die neue Spielzeit


Von Michaela Schneider
Würzburg
Schaumschläger – das sind jene Menschen, die aus wenig viel herbei reden. Anders gesagt: große Klappe nichts dahinter. In Nikolai Gogols Gesellschaftssatire „Der Revisor“  begegnet sich ein ganzer Trupp an Schaumschlägern in einem kleinen, russischen Provinzstädtchen. Wie aktuell Themen wie Korruption, der Reiz der Macht, leere gesellschaftliche Versprechen und das Bedürfnis, sich von künstlich gemachten Stars blenden zu lassen, sind, zeigt Regisseur Stephan Suschke jetzt in seiner Interpretation der Gogol-Komödie aus dem Jahr 1836 am Mainfranken Theater in Würzburg. Schnell ist klar, weshalb Bühnenbildner Momme Röhrbein die „Schaumschläger“  in und an einem großen schaumbefüllten Becken mit Stegen vor schlichter Betonwand agieren lässt. Gogols Revisor zählt zu den großen Satiren der Bühnenliteratur. Das Stück allein birgt so viel komische Substanz, dass in Suschkes Inszenierung ein bisschen weniger mehr gewesen wäre.  Ein Zuviel an Slapstick und Albernheit verdrängt an mancher Stelle die feine Satire.


Ein Revisor soll die Stadtverwaltung einer russischen Provinzstadt inkognito unter die Lupe nehmen, der Stadthauptmann bekommt Wind davon. Mit Georg Zeies ist die Rolle des Stadthauptmanns hervorragend besetzt – denn er kann zugleich kaltschnäuzig, linkisch, taktierend, baut dabei auf Körpersprache und die nicht zu offensiv gesetzten, großen Gesten des Machtmenschen und Blenders. Das braucht`s - in seinem Städtchen nämlich regieren Bürgerschikane, Bestechung, jeder wirtschaftet in die eigene Tasche und verfolgt private Interessen. Die beiden männlichen Tratschweiber Dobtschinski (Alexander Hetterle) und Bobtschinski (Timo Ben Schöfer) vermuten in einem jungen Fremden im Gasthaus den Revisor, schnell macht das Gerücht die Runde.


Chlestakow allerdings ist nicht mehr als ein kleiner, verschuldeter Beamter aus Moskau, der mit seinem trockenen, putzigen und herrlich sächselnden Diener Ossi(p) (Heiner Junghans) gerne in die angebotene Rolle schlüpft. Daniel Ratthei, 2015 einer der Neuzugänge am Mainfranken Theater, überzeugt als cleverer Luftikus und zeichnet als Chlestakow eine Satire auf die Blenderei der heutigen mediengemachten Stars- und Sternchen-Welt.  Angetrunken vom Wein und der Macht über die an seinen Lippen hängenden Dörflern scheint er sich irgendwann selbst zu glauben, dass Werke von Faust bis Schwanensee aus seiner Feder stammen und er ganz kurz davor steht, Präsident zu werden.


Im Dorf glaubt man`s, jetzt wird auf Teufel komm raus bestochen. Alexander Hetterle und Timo Ben Schöfer dürfen in die vollen Greifen und zeichnen im Schauspielsprint die komischsten Charaktere: den saufenden, russischen Postmeister, den dauergeilen, verwirrten Lehrer mit „Sprachfindungsschwierigkeiten“, den selbstverliebten Arzt, dem die Frauen vertrauen, oder den Richter-Machtmenschen, den Bestechen auch reichlich körperliche Überwindung kostet.


Chlestakow lässt sich von der neuen Macht derart berauschen, dass er gleichzeitig der Tochter des Stadthauptmanns Marja und ihrer Mutter Anna den Hof macht. Hier wäre nun in der Tat ein bisschen weniger mehr gewesen: Petra Hartung und Theresa Palfi überdrehen leider, was satirisch rüberkommen könnte,  wirkt albern. Die Komödie endet, wie`s nicht anders zu erwarten war: Als ihm die Situation zu heiß wird, verschwindet Chlestakow, die einstigen Betrüger merken, dass sie selbst betrogen wurden. Und zu allem Übel steht inzwischen der echte Revisor vor den Stadttoren.


Bei der ersten Premiere der Spielzeit 2015/16 am Mainfranken Theater blieb von Beginn an mancher Sitzplatz frei. Vereinzelte Besucher verließen das Theater in der Pause. Andere indes wissen gerade zu würdigen, dass Regisseur Suschke eben nicht nur einen Klassiker nachspielen lässt, sondern ihm eine eigene Komik-Note gibt und aus einer Kritik auf die zaristische Bürokratie eine zeitgenössische Gesellschaftssatire bastelt. Hierzu trägt auch Angelika Rieck mit zum Teil schrillen, klischeehaften Kostümen bei wie Minis im Tierfellmuster und goldenen Billigkleidern für die Damen oder das Dundee-Outfit mit Anzug, weißem Hut, Schal und Zigarre für Chlestakow.


Trotzdem bleibt Suschke Gogols Ansatz treu, der nämlich hatte sein Werk einst folgendermaßen resümiert: „Im Revisor beschloss ich, alles Schlechte in Russland, was ich damals kannte, auf einen Haufen zu sammeln und mit einem Mal alles zu verlachen.“ Lachen darf das Publikum auch am Mainfranken Theater jede Menge – und muss sich gleichzeitig vor Augen halten lassen, dass Bestechung, Ämterpatronage und die Verknüpfung dienstlicher mit privaten Interessen alles andere als russische Historie sind, sondern ein weltweites, gesellschaftliches Problem. Den einen wird der „Revisor“ in seiner frechen Form gefallen, den anderen nicht. Und vielleicht ist auch dies ein Stück weit Gogol, dass sich das Theaterteam eben nicht von braver Massentauglichkeit bestechen lässt.


Dauer: 150 Minuten (mit Pause); nächste Vorstellungen: 19.30 Uhr:  20.09./ 27.09./ 07.10./ 09.10./ 11.10./ 14.10./ 16.10./ 20.10./ 25.10./ 28.10./ 07.11./ 14.11./ 19.11./ 18.12./ 26.12./ 03.01./ 09.01.; 15.00 Uhr:  18.10./ 22.11.

Der Artikel  ist unter anderem  im Main-Echo erschienen.