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Soldaten vor flammendem Himmel
Sonderausstellung im Martin-von-Wagner-Museum in Würzburg zeigt rund 250 Werke
des Malers Armin Reumann und zeichnet ein umfassendes, bewegendes Bild des Ersten Weltkriegs


Von Michaela Schneider
Würzburg
Soldaten werfen Granaten und durchbrechen feindliche Linien. Pferdegespanne explodieren, Menschen werden durch die Luft geschleudert. Der Himmel leuchtet in grellem Orange. Ein am Kopf getroffener Soldat bäumt sich ein letztes Mal auf. Schlachtenbilder und der Tod als die eine Seite des Krieges. Was aber machen Soldaten, wenn sie nicht kämpfen? Sie essen, trinken und betrinken sich, sie betreiben Körperhygiene und besuchen die Feldandacht. Und in eroberten Gebieten machen sie hübschen Frauen Avancen oder gehen ins Bordell. Selten ist ein so vollständiges Bild des Kriegs erlebbar wie derzeit im Martin-von-Wagner-Museums in Würzburg. „Armin Reumann: Bilder von Krieg, 1914 – 1918“ ist die Sonderausstellung in den Räumen der Gemäldegalerie betitelt. Sie zeigt rund 250 Gemälde und Skizzen des Malers, einige Skulpturen sowie biographisch relevante Objekte und Zeitdokumente.  Die meisten Werke waren öffentlich noch nie zu sehen.

Warum aber widmet sich dem heute eher unbekannten Maler eine komplette Ausstellung in Sälen, die eigentlich älteren Epochen vorenthalten sind? Damian Dombrowski, Kunsthistoriker und seit kurzem Direktor der Neueren Abteilung des Museums, spricht vom Zufall. Im Newsletter des Museumsbundes hatten Armin Reumanns Enkel Werke des Großvaters für eine Ausstellung angeboten. Er habe den Namen zum ersten Mal gehört, gesteht Dombrowski. Dennoch nahm er – neugierig geworden – Kontakt zur Familie auf. Dann sei  er auf Anhieb begeistert gewesen von Armin Reumanns Schaffen.

Dombrowski spricht inzwischen von einem Künstler, der zu Unrecht in Vergessenheit geriet – aus historischer wie künstlerischer Sicht. Auf der einen Seite schildert Reumann den ersten Weltkrieg so umfassend, drastisch und ergreifend wie kaum ein Künstler. Auf der anderen Seite beeindrucken die Werke ästhetisch, reichen weit hinaus über das rein Dokumentarische. „Der künstlerische Eigenwert steht nie in Frage“, betont Dombrowski.  Die wissenschaftliche Erschließung des Reumannschen Werks steht zwar noch aus, die Ausstellung sei aber ein Anfang, so der Museumsleiter.


Wer aber war Armin Reumann (1889 – 1952)? Der aus Thüringen stammende Maler zählte in den Jahren vor dem ersten Weltkrieg zu den begabtesten Malern Münchens und wurde dort bis 1914 als aufgehender Stern am Künstlerhimmel gefeiert. Der Krieg jedoch veränderte alles. Reumann wurde in den Krieg eingezogen. Er verbrachte dreieinhalb Jahre an wechselnden Fronten – erst auf dem Balkan, dann in Frankreich. Der Offiziersstab hatte Reumanns Talent erkannt, vor allem auch als Porträtmaler. Deshalb wurde der  Künstler zum Malen vom Waffendienst frei gestellt. In den Kriegsjahren schuf er Hunderte von Werken. Als Reumann aus dem Krieg heimkehrte, hatte er sich verändert – auch als Künstler. Ein Jahr nach Kriegsende verließ er München, kehrte in die alte thüringische Heimat Sonneberg zurück.


Die Werke in der Sonderausstellung sind nicht chronologisch, sondern thematisch angeordnet. Zunächst begegnet der Museumsbesucher dem Künstler selbst – auf großen Porträts, Texttafeln, Schriftdokumenten, einer Hand voll Objekten wie erst kürzlich entdeckten Feldpostbriefen und auch in seiner Zeit als Maler im mondänen Vorkriegsmünchen.  In den folgenden Abschnitten beschäftigen sich Reumanns Kunstwerke dann zunächst mit den Erlebnissen an der Front: mit dem Warten vor dem Gefecht, mit Stellungskrieg und Nahkampf, mit Vernichtung, Verwundung, Tod und Trauer auf dem Feld, mit Flucht, Gefangenschaft und Kriegsschäden. Dann der Blickwechsel hinter die Front: Nüchtern zeichnete Reumann das Leben und die Aufgaben der Soldaten im Quartier. Begegnungen mit Frauen erinnern an Zeichnungen in einem Modekatalog. Und intensiv befasste  sich der Künstler mit dem ersten Weltkrieg als dem größten Pferdekrieg der Geschichte, Tiere scheuen dabei auf dem Schlachtfeld oder verenden am Wegesrand.  


Am Ende der Ausstellung rückt das Kunstschaffen jenseits des Kriegs in den Blick, denn: Reumann ließ sich auch von der Exotik des Balkans und Mazedoniens, von den Städten und Bauwerken Frankreichs inspirieren. Er suchte Humor als Ausgleich zum Grauen und drückte gleichzeitig in gespenstischen, symbolhaften Ikonographien seine Sehnsucht nach Frieden aus.   Der Tod etwa macht sich im Narrengewand auf einem bockenden Esel über eine Trauergemeinde lustig und hat sichtlich Freude am willkürlichen Töten.


Gerade diese Ausdrucksvielfalt fasziniert in der Ausstellung „Armin Reumann: Bilder von Krieg, 1914 – 1918“. Da finden sich nüchterne Dokumentationen hinter der Front, hochexpressive Dynamik auf den Schlachtfeldern, Karikaturen und düstere Allegorien. Manches Motiv wie der sich aufbäumende, verwundete Soldat wirkt lange nach. Der Ausstellungsbesucher erlebt den Kriegsalltag und unsagbare Gräuel.  Armin Reumanns Werke also als Kunst für sich auf der einen, und als ein bewegendes historisches Zeitdokument 100 Jahre nach Ausbruch des ersten Weltkriegs auf der anderen Seite.

Dr. Jürgen Lenssen, Domkapitular und Leiter der Museen der Diözese Würzburg, der Künstler Winfried Muthesius und der rund 800 Jahre alte Schädel aus dem Fundament St. Petri.Auch große Dessous-Größen können stilvoll und sexy sein.  


Alle Fotos: Michaela Schneider


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Der Artikel  ist unter anderem  m Main Echo erschienen.

Infokasten: Über die Ausstellung „Armin Reumann: Bilder vom Krieg, 1914 – 1918“


Öffnungszeiten: Die Sonderausstellung „Armin Reumann: Bilder vom Krieg, 1914-1918“ im Martin-von-Wagner-Museum in Würzburg ist bis einschließlich 15. Februar 2015 zu sehen. Der Eintritt ist frei. Geöffnet ist die Ausstellung Dienstag und Mittwoch von 10 bis 13.30 Uhr sowie Donnerstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr.


Führungen: Führungen für Schulkassen und andere Gruppen durch die Ausstellung sind möglich nach Anmeldung unter Telefon 0931/3182283 sowie per Email: museum.na@uni-wuerzburg.de oder museumsinitiative@uni-wuerzburg.de


Katalog: Zur Ausstellung ist ein 272-seitiger Katalog mit 349 farbigen Abbildungen und verschiedenen Fachbeiträgen im Deutschen Kunstverlag erschienen. Herausgeber: Damian Dombrowski. ISBN 978-3-422-07278-7.


Infokasten: Vortragsreihe zur Ausstellung


Zur Ausstellung bietet die Universität eine öffentliche Vortragsreihe mit dem Titel „Der Erste Weltkrieg in Kunst, Literatur und Musik“ an. Wissenschaftler gehen darin künstlerischen Reaktionen auf den Krieg nach. Die Vorträge sind öffentlich und finden jeweils mittwochs um 19.15 Uhr in einem der Ausstellungssäle des Martin-von-Wagner-Museums statt.


- 19. November: Der Bilder- und Medienkrieg (Peter Hoeres, Universität Würzburg)
- 26. November: Würzburger an der Front - alliierte Kriegsgefangene in Würzburg (Roland Flade, Journalist aus Würzburg)
- 10. Dezember: 1914 - Avantgarden im Kampf: Die lange Geburt einer Ausstellung (Angelica Francke, Bundeskunsthalle Bonn)
- 17. Dezember: Den Krieg ausstellen - Erfahrungen aus einem Kunstmuseum (Ralf Gottschlich, Städtisches Kunstmuseum Spendhaus, Reutlingen)
- 7. Januar: Max Regers „Vaterländische Ouvertüre“ (Ulrich Konrad, Universität Würzburg)
- 14. Januar: Der Erste Weltkrieg und die Grenzen der Repräsentation: Darstellungen des Shell Shock-Syndroms in der englischen Literatur (Isabel Karremann, Universität Würzburg)
21. Januar: Die Enkel der Grande Guerre in der französischen Literatur (Irmgard Scharold, Universität Würzburg)
- 28. Januar: Ernst Jüngers „In Stahlgewittern“ (Wolfgang Riedel, Universität Würzburg)
- 4. Februar: Shakespeare in the Trenches (Ton Hoenselaars, Universität Utrecht)