Michaela Schneider - Freie Journalistin in Würzburg
Ich schreibe für Sie!
Guten Tag!.Journalismus.Schwerpunkte.Leseproben.Fotografie.Kurzgeschichten.Veröffentlichungen.Kontakt.
Hier finden Sie eine Auswahl
an Verlagen und Agenturen,
für die ich schreibe:

Impressum

Meine AGB

Fränkischer Tag

Franken.Das Magazin für Land und Leute

Presse & Kommunikation Saremba GmbH

KulturGut

Museumsmagazin ZeitenRaum

Tanner Werbung GmbH

Ideeologen - Gesellschaft für neue Ideen

Main-Echo

Heragon Verlag

Augsburger Allgemeine

Fränkische Nachrichten

In der deutschlandweiten Kleinkunstszene ein gefragter Regisseur – in Würzburg vor allem Bockshorn-Chef: Mathias Repiscus.                 Foto: Michaela Schneider

 

„Die Frage ist: Hat ein Künstler etwas zu sagen?“

Kulturpreis  Würzburg zeichnet Bockshornchef Mathias Repiscus aus – Der Schweizer
verrät, wie er als Regisseur mit Kabarettgrößen wie Michael Mittermeier oder Urban Priol arbeitet

 

Von Michaela Schneider

 

Würzburg Fast zwei Jahrzehnte ist es her, dass ein junger, unbekannter Kabarettist bei Mathias Repiscus in Sommerhausen anklopfte und darüber klagte, dass seine Karriere nicht so recht anlaufe. Der Regisseur erkannte das Talent des Oberbayern und nahm ihn unter seine Fittiche. Unter anderem choreographierte er mit ihm eine Actionnummer, in der der junge Kabarettist den Computerhelden Supermario gab. Markenzeichen: ein verkehrt herum getragenes Baseball-Käppi. Trainiert wurde nicht nur auf der Bühne, sondern auch in den unterfränkischen Weinbergen: „Der junge Mann schnaufte bei den Proben immens, deshalb gingen wir zusammen joggen“, erzählt Repiscus schmunzelnd. Ein Engagement, das sich lohnen sollte: Der unbekannte Nachwuchskünstler war kein geringerer als der Komiker Michael Mittermeier. Das Super-Mario-Baseball-Käppi sollte der Oberbayer noch Jahre auf der Bühne tragen.

 

Bei zahlreichen weiteren Größen der deutschen Kabarettszene führte Repiscus Regie, gilt in der Szene längst als Erfolgsgarant. Mit dem Aschaffenburger Urban Priol arbeitet der Schweizer seit 25 Jahren zusammen und hat sämtliche Soloprogramme mit ihm entwickelt. „Urban ist ein bisschen abergläubisch. Ich glaube, er hätte ein schlechtes Gefühl, wenn nicht mehr ich derjenige wäre, der seine viel zu langen Programme eindampft“, erzählt der Regisseur. Im Herbst zeichnet die Stadt Würzburg Mathias Repiscus nun mit dem Kulturpreis aus, denn: 1984 eröffnete er das Bockshorn-Theater in Sommerhausen und holte bereits in den Anfangsjahren Kabarettgrößen wie Dieter Hildebrand und Ottfried Fischer nach Unterfranken. Im Oktober 2001 zog Repiscus auf Wunsch der Bezirkshauptstadt mit seinem Bockshorn von Sommerhausen in den Würzburger Kulturspeicher. Heute zählt es zu den bedeutendsten Kabarettbühnen im deutschsprachigen Raum. Dennoch wirkt der kleine Mann mit der grauen Schildmütze im Gespräch eher bescheiden.

 

Bis zu 150 Veranstaltungen gehen pro Jahr im Bockshorn über die Bühne – geeignete Künstler zu finden, sei gar nicht so einfach, sagt der Theaterchef. So schaut er Dvds an, besucht – wenn zeitlich irgendwie machbar – andere Bühnen und tauscht sich mit Kollegen aus. „Gerade bei jungen Unbekannten muss man sehr genau hinschauen“, weiß Repiscus. Mach einer habe seine berühmten fünf Minuten – das mache aber noch kein abendfüllendes Programm aus. Für die sogenannten Großen indes ist das Bockshorn mit seinen 200 Sitzplätzen eigentlich zu klein. „Warum sollen sie hier auftreten, wenn sie auch einen Saal mit 1000 Besuchern füllen können?“, stellt Repiscus in den Raum. Dass im Bockshorn trotzdem echte Kabarettgrößen auftreten, zeugt vom Ruf der kleinen Bühne. Erst kürzlich spielte zum Beispiel Django Asül im Kulturspeicherkeller. „Künstler wie er haben mir schon gesagt: Sie fühlen sich hier zuhause“, erzählt Repiscus.

 

Und auch, wenn sich der Bockshornchef über prominente Besuche freut: Vor allem liegt ihm die Nachwuchsförderung am Herzen. Das „Kabarett New Star Festival“ im November ist zur festen Einrichtung geworden, junge Talente können sich hier an drei Abenden erstmals im Bockshorn vorstellen. Woran aber erkennt ein Mathias Repiscus echte Nachwuchstalente? „Lapidar formuliert ist die Frage: Hat ein Künstler etwas zu sagen?“ Hinzu kommen Ausstrahlung und Präsentation – doch stellt der Regisseur klar: Nicht jeder Künstler bringe von Vornherein das Gesamtpaket mit. „Der Würzburger Mathias Tretter zum Beispiel ist einer, der von der Feder herkommt. Am Komödiantischen arbeite ich dann mit ihm“, so Repiscus.

 

Als Regisseur sei er bekannt als „harter Hund“, sagt Repiscus von sich selbst, fügt aber gleich an: Eine gewisse Altersmilde stelle sich langsam ein – auch wenn er sein eigentliches Alter niemandem verrät. In der praktischen Arbeit mit den Künstlern schaue er sie sich auf der Bühne an, verringere dann die Defizite und baue ihre Stärken weiter aus. Es gehe darum, Persönlichkeiten in den Vordergrund zu stellen: „Anders als beim Theater kann ein Regisseur einen Kabarettisten nicht in eine Jacke zwängen. Das Gesamtbild muss stimmen – dann ist das Programm gut.“

 

Dabei haben sich die Anforderungen in der Szene verändert. Während seiner Anfänge in Sommerhausen sei es noch um Nummernkabarett gegangen, daran wurde mit Künstlern hart gearbeitet, erinnert sich Repiscus mit einer gewissen Sehnsucht ans Inszenieren. Das habe sich mit dem Trend zu Stand-Up-Comedy verändert. „Heute braucht jeder sein Markenzeichen und muss unterhaltsam moderieren können“, sagt Repiscus. Den Mittelfranken Christof Stählin bezeichnet er als den „vielleicht noch einzigen literarischen Kabarettisten“ in der heutigen Zeit der Comedy. Kritik übt Repiscus vor allem an der TV-Szene: „Es gibt Comedians, die im Fernsehen extrem flach wirken, ganz anders als auf der Bühne – schlichtweg weil’s die Sender so wollen und die Künstler nicht anders auftreten lassen.“ Falls es Zensur in Deutschland heute gebe, dann im Fernsehen, so sein scharfes Urteil.

 

Neben dem reinen Kabarett spielt in Matthias Repiscus‘ Leben zudem die Musik eine maßgebliche Rolle. Privat ist er Klassik- und Jazzliebhaber, hat früher selbst Schlagzeug gespielt. Und auch auf der Bühne arbeitet er mit Musikern zusammen: So hat er zum Beispiel beim aktuellen Programm des mehrfach ausgezeichnete Ansbacher a-capella-Ensembles „Viva Voce“ Regie geführt. Repiscus‘ Liebe zur Musik spiegelt sich dabei auch im Bockshorn-Programm wieder. Seine Anforderung: Es sollte möglichst alles dabei sein – solange die Qualität passt. Aber Repiscus betont: „Die Palette ist groß, mit der ich einverstanden bin.“ Er selbst liebe Irritationen auf der Bühne, bedauert aber: Das absurde Kabarett habe es in Deutschland schwer, das Publikum sei hier eher für Handfestes.

 

Dass er nun mit dem Kulturpreis der Stadt Würzburg ausgezeichnet werde, habe ihn überrascht, betont der Bühnenchef. Vor allem freue ihn: Viele Bürger hätten ihm inzwischen persönlich gesagt, dass er den Preis wirklich verdiene. Doch etwas anderes freut den Wahl-Würzburger noch mehr: Nämlich zu beobachten, wie sich seine Zöglinge entwickeln und von Nachwuchstalenten zu gefragten Kabarettisten heranwachsen.

 

 

 

„Ein Regisseur darf
einen Kabarettisten
nicht in eine Jacke zwängen.“

 

(Mathias Repiscus)

Über Mathias Repiscus und das Bockshorn-Theater

 

Mathias Repiscus stammt ursprünglich aus der Schweiz. Nach dem Schulabschluss besuchte er in Frankfurt die Schauspielschule. Er spielte hier an der Städtischen Bühne und in Kellertheatern, wechselte dann zum Modernen Theater nach München. 1970 folgte er dem Ruf Luigi Malipieros ans Torturmtheater in Sommerhausen. Es folgten unter anderem Engagements in Paderborn, Münster und Hannover. Repiscus erzählt: „In den 80er Jahren begann ich am Beruf des Schauspielers und Theaterregisseurs zu zweifeln.“ Nach Brecht, Dürrenmatt und Frisch sei nichts mehr nachgekommen. „Ich fragte mich: Ist Schauspiel wirklich noch interessant?“ Weil er mehr am Puls der Zeit sein wollte, wandte er sich dem Kabarett zu und eröffnete im Oktober 1984 das Bockshorn-Theater in Sommerhausen. Ab 1986 beruflich wie privat an seiner Seite: seine heutige Ehefrau Monika Wagner-Repiscus. Nach 17 Jahren in Sommerhausen zog das Bockshorn im Oktober 2001 nach Würzburg in den Kulturspeicher um. „Die Stadt Würzburg trat damals an mich heran“, erzählt der Theaterchef. Der Zeitpunkt sei der Richtige gewesen: Das Bockshorn war inzwischen derart bekannt, dass es mit seinen 100 Sitzplätzen in Sommerhausen längst zu klein war. Heute zählt das Bockshorn in Würzburg zu den bekanntesten Kabarettbühnen in Deutschland.

Der Artikel wurde unter anderem  im  Main-Echo veröffentlicht.