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Alexander Unser, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Religionspädagogik, spricht im Interview über Kinder und Glaube.

Foto: Michaela Schneider


„Mama, wie sieht eigentlich Gott aus?“
Wollen Eltern mit Kindern über Religion reden, müssen sie häufig erst einmal selbst
lernen, über ihren Glauben zu sprechen. Das sagt der Diplom-Theologe Alexander Unser im Interview


Von Michaela Schneider

Würzburg Warum geht man in die Kirche? Wieso hängt da ein Mann am Kreuz? Und wie sieht Gott eigentlich aus? Wer Kinder hat, wird früher oder später mit solchen und ähnlichen Fragen konfrontiert. Vielen Eltern fallen Antworten schwer – tatsächlich spricht man heutzutage lieber über Sexualität als über den eigenen Glauben. Im Interview geht Alexander Unser der Frage nach, wie man mit Kindern über Religion redet, blickt aufs Weihnachtsfest und auf Religionsunterricht heute. Seit 2012 ist der  27-Jährige wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Religionspädagogik und Didaktik des Religionsunterrichts an der Universität Würzburg.


Zum Weihnachtsfest die Frage: Wie spricht man eigentlich mit Kindern über Religion und Glaube?

Alexander Unser: Es fällt uns heute generell schwer über unseren Glauben zu sprechen. Vielleicht, weil wir’s nicht mehr gewohnt sind, auch weil das Thema in unserer Gesellschaft tabuisiert ist. Vielleicht auch, weil Religion vielen zu persönlich ist. Menschen sind heute tatsächlich eher bereit über ihre Sexualität zu sprechen  als über ihre Religiosität. Das heißt: Wenn Eltern mit ihren Kindern über Glaube reden wollen, müssen sie das häufig erst einmal selbst üben. Habe ich gelernt über meine eigene Religiosität zu sprechen, ist der Übergang zum Gespräch mit Kindern nicht mehr groß.


Wie können solche Gespräche dann aussehen?

Unser: Für sehr wichtig halte ich, dass sich Eltern nicht selbst überfordern. Ich muss dem Kind keine fertigen Antworten liefern. Es ist ganz legitim sich gemeinsam mit dem Kind auf die Suche nach Antworten zu machen und sich einzugestehen: Ich bin mir ebenfalls unsicher. Zudem zwei praktische Empfehlungen: Hilfreich für solche Gespräche ist ein fester Platz in der Woche, man kann sie etwa mit einem Abendgebet verbinden. Und: Es gibt sehr, sehr gute Kinderbücher, die Gespräche anstoßen. Solche Materialien können eine große Hilfe sein.


Muss ich mit meinem Kind über Glaube und Religion sprechen?

Unser: Nein, natürlich nicht. Es ist ganz allein die Entscheidung der Eltern, ob sie ihr Kind religiös erziehen wollen. Aber: Grundlegende religiöse oder philosophische Fragen nach dem Sinn kommen früher oder später bei jedem Kind auf. Geht man diesen Fragen aus dem Weg, hören Kinder irgendwann auf sie zu stellen, weil sie erleben: Das ist etwas, worüber man nicht spricht.


Wie eröffne ich meinem Kind einen Zugang zum Gottesdienst?

Unser: Auch hier gilt wieder: Ich kann meinem Kind nur Zugänge zu etwas eröffnen, zu dem ich selbst Zugang habe. Habe ich ihn zum Gottesdienst nicht und will ihn für mein Kind, muss ich mir erst einen eigenen Zugang schaffen.  Bezug zum Gottesdienst bekommt man auf der einen Seite durchs Mitmachen. Auf der anderen Seite sehe ich hier die Kirchengemeinden in einer Bringschuld. Früher war es normal, in die Kirche zu gehen, das hat sich geändert. Gehen Menschen in den Gottesdienst und verstehen nicht, was da passiert, kommen sie nicht wieder. Es wäre zum Beispiel gut, wenn es Angebote für interessierte Eltern und Familien gäbe, bei denen sie erfahren könnten, warum wir so Gottesdienst feiern, wie wir es tun.


Lassen Sie uns über Weihnachten reden: Bleibt zwischen Weihnachtsmännern, Neonlichterketten und Geschenkebergen überhaupt noch Platz in der Familie fürs Weihnachtsfest im christlichen Sinn?

Unser: Ich habe so meine Probleme mit diesen kulturpessimistischen Aussagen. Tatsächlich sehe ich auch viel Positives in der Art, wie Weihnachten heute gefeiert wird. Menschen aller Milieus nehmen sich Zeit innezuhalten. Das Bedürfnis ist groß, mit der Familie zusammen zu sein. Der Gedanke hinter dem Schenken ist es, anderen Menschen Freude zu bereiten. Bei all dem sehe ich Verbindungen zur Botschaft des Weihnachsfestes.


Und ganz konkret: Wie könnte ein gelungener Heiligabend aussehen?

Unser: Das muss jeder für sich entscheiden. Mein Tipp ist: Man sollte sich erst einmal selbst fragen, was einem persönlich am Weihnachtsfest wichtig ist. Möchte ich, dass wir am Heiligabend aus der Bibel lesen? Muss das Kind auf der Blockflöte vorspielen, auch wenn es das gar nicht will? Gibt es Rituale wie ein bestimmtes Lied, ein Gebet oder eine Geschichte, die für mich zum Weihnachtsfest einfach dazugehören? Man sollte den Abend nicht zu voll packen, sondern sich lieber Zeit füreinander nehmen. Und: Auf keinen Fall sollte man sich unter den Druck setzen, an diesem Abend müsse plötzlich alles perfekt und harmonisch sein. Wenn wir die Aussage ernst nehmen, dass Gott an Weihnachten Mensch wird, dann feiern wir, dass sich Gott selbst unperfekt macht, um uns nahe zu sein.


Ein Blick auf den Religionsunterricht: Mit welchen Erwartungen wird ein Religionslehrer konfrontiert?

Unser: Mit sehr vielen. Da ist die Amtskirche, die  eine Reihe von Themenbereichen des christlichen Glaubens im Sinne der Tradition der Kirche behandelt sehen will. Die einen Eltern schicken ihr Kind in den Unterricht, damit es mehr über den Glauben erfährt, andere haben große Vorbehalte und fürchten eine Indoktrination. Es gibt interessierte Schüler und andere, die den Religionsunterricht als Pause im Schulalltag sehen.


Welche Funktion soll der Religionsunterricht heute erfüllen?

Unser: Wegweisend war hier der Synodenbeschluss im Jahr 1974 in Würzburg. Religionsunterricht in der Schule soll demnach junge Menschen dazu befähigen, sich selbstbestimmt und kritisch mit religiösen Sinnangeboten auseinanderzusetzen und zu lernen, begründet Position zu beziehen. Das heißt: Schülern wird die Freiheit gelassen, selbst zu entscheiden, wo sie sich sehen. Gleichzeitig sollen sie sich aber auch fundiert mit der Tradition ihrer Kirche auseinandersetzen, sodass eine Entscheidung überhaupt möglich wird.

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Der Artikel  ist unter anderem  im Main-Echo erschienen.

Geschenke gehören für Kinder zum Weihnachtsfest dazu. Die Botschaft dahinter ist es, anderen Menschen Freude zu bereiten.


Foto: Michaela Schneider