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Ein „Stachel“ als Zeichen für den Kriegsrat
Stadt(ver)führung „Würzburg brennt! Ketzer und Rebellen im späten Mittelalter“
beleuchtet Spannungen, die zwischen Würzburgs Fürstbischöfen und der Bürgerschaft herrschten


Von Michaela Schneider

Würzburg Ein Sprichwort lautet „Unterm Krummstab ist gut leben“. Es entstand einst, weil die Untertanen in kirchlichen Territorien mehr Rechtssicherheit und bessere Lebensbedingungen genossen ohne Großgrundbesitzer und Leibeigenschaft. Zu allerlei Spannungen kam es aber auch hier, wie ein Blick aufs Fürstbistum Würzburg zeigt. In seiner Stadtführung „Würzburg brennt! Ketzer und Rebellen im späten Mittelalter“ blickt Gästeführer Johannes Wohlfahrt auf Konflikte zwischen Fürstbischof und Bürgerschaft. Nächster Termin im Zuge der Würzburger Stadt(ver)führungen ist der 17. August. Die Tour spannt den Bogen von den vergeblichen Bemühungen der Stadt um die Reichsunmittelbarkeit in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts über die Ereignisse um den charismatischen Prediger „Pfeiferhannes“ bis hin zum Bauernkrieg im Jahre 1525.


Episode Nummer 1, Würzburg schreibt das Jahr 1372. „Mit Georg von Schwarzburg bekommen die Würzburger vom Papst einen Fürstbischof vor die Nase gesetzt, der egozentrisch und machtbesessen ist“, sagt Wohlfahrt. Dafür auch schon zuvor als Bischof von Naumburg bekannt, setzt er seinen groben Stil bald schon in der Stadt am Main fort, führt zum Beispiel Sondersteuern ein, exkommuniziert jene, die nicht zahlen, oder nimmt – entgegen vorheriger Versprechen – der Stadtverwaltung den Stadtschlüssel ab.  Zweimal greifen die Bürger zu den Waffen, einmal versuchen sie sogar die Festung zu erobern. Der Bischof sammelt seinen Truppen, belagert die Stadt und die Bevölkerung hungert. In einem letzten Akt der Auflehnung versuchen die Bürger ein bischöfliches Lager mit Getreidespeichern bei Bergtheim zu stürmen. Doch die Truppen des Bischofs erwarten die Aufständischen bereits, diese haben keine Chance. Trauriges Resultat der Auseinandersetzungen unter Georg von Schwarzburg: Mehr als ein Drittel der männlichen Würzburger kommt ums Leben, die Rädelsführer werden grausam hingerichtet.


Ebenfalls in die Regierungszeit von Georg von Schwarzburg fällt der Versuch der Bürger, „Freie Reichsstadt“ zu werden und damit nicht länger in der Abhängigkeit des Fürstbischofs zu stehen. König Wenzel weilt damals in Würzburg, empfangen wird er im heutigen „Wenzelsaal“ des städtischen Rathauses. Er verspricht den Bürgern, Würzburg zur freien Reichsstadt zu machen. Unter dem Druck der Fürsten und Bischöfe beim Reichstag in Frankfurt allerdings knickt er ein und nimmt seine Entscheidung wieder zurück. „Für Würzburg bedeutete dies, dass die Stadtgeschichte weiterhin von Fürstbischöfen geprägt wurde und sich das Bürgertum weniger entfalten konnte als in anderen Städten wie etwa der freien Reichsstadt Rothenburg ob der Tauber“, sagt Wohlfahrt.   


Episode Nummer 2, jetzt regiert Fürstbischof Rudolf von Scherenberg die Stadt am Main. Die Vorboten der Revolution machen sich bemerkbar, Visionäre und Prediger ziehen durchs Land. Im Taubertal fasziniert der charismatische „Pfeifer von Niklashausen“ die Menschen. Zum einen prangert er laut Wohlfahrt Fronarbeit, Pfründenwirtschaft, Steuerunrecht und das ausschweifende Leben von Adel und Klerus an. Zum anderen motivieren den „Pfeiferhannes“ angeblich 18 Visionen zu seinen Predigten, denen seinerzeit bis zu 40000 Menschen lauschen. „Von der  Bevölkerung wird er als lebender Heiliger gehandelt“, sagt der Stadtführer. Das missfällt Obrigkeiten und Kirche. Kurzerhand schickt Rudolf von Scherenberg im Jahr 1476 seine Schergen, die holen den Pfeiferhannes nachts aus dem Bett und bringen ihn nach Würzburg. „Von Scherenberg lässt ihn verbrennen und seine Asche im Main verstreuen, damit keine Kultstätte entsteht“, so Wohlfahrt.   


Episode Nummer 3 ereignet sich 1525, ein Silberner Keil erinnert in Würzburg an den Bauernkrieg. Unruhen erschüttern zu jener Zeit zahlreiche Landstriche, die Bevölkerung lehnt sich gegen hohe Abgaben und die Willkür der Obrigkeit auf. Der bekannteste Rebell jener Zeit dürfte hierzulande Reichsritter Florian Geyer von Giebelstadt gewesen sein. Er fungiert 1525 als Berater und Verhandlungsführer der Tauberbauern, die sich mit der Stadt Würzburg verbünden. Die Strategen – darunter übrigens auch Götz von Berlichingen sowie Tilmann Riemenschneider – tagen damals im Gasthaus „Gressenhof“ in Würzburg. Als Zeichen für den Kriegsrat wird ein Morgenstern – auch Stachel genannt – aus dem Fenster gehängt. Nach dem Bürgerkrieg wird das Wirtshaus deshalb in „Zum Stachel“ umbenannt. Diesen Namen trägt Würzburgs ältestes Gasthaus bis heute.


Doch zurück zur Auseinandersetzung:  „Eigentlich ist die Situation in Würzburg lächerlich, denn sage und schreibe 30000 Bauern stehen 300 bis 400 Soldaten gegenüber“, sagt Wohlfahrt. Trotzdem ist die Bevölkerung chancenlos. Die bäuerlichen Truppen scheitern an den dicken Festungsmauern,  am schweren Kriegsgerät der fürstbischöflichen Truppen und an mangelnder Strategie. „Für den historischen Moment ist das Auflehnen auch diesmal wieder vergeblich“, sagt Wohlfahrt. Unterm Strich aber war der Bauernaufstand die erste deutsche Revolution - und die Entwicklung bis zur heutigen Demokratie eine lange, aber stetige.

Hier tagten Strategen wie Florian Geyer und Götz von Berlichingen während des Bauernkriegs im Jahr 1525. Als Zeichen wurde ein Morgenstern, auch Stachel genannt, hinausgehängt. Bis heute heißt Würzburgs ältestes Wirtshaus deshalb „Zum Stachel“. Im Bild: Gästeführer Johannes Wohlfahrt.

Foto: Michaela Schneider

Der Artikel  ist unter anderem  in den Fränkischen Nachrichten erschienen.

Infokasten: Die Stadt(ver)führung „Würzburg brennt! – Ketzer und Rebellen im späten Mittelalter“


Die Stadt(ver)führung „Würzburg brennt! - Ketzer und Rebellen im späten Mittelalter“ findet am Sonntag, 17. August, statt. Treffpunkt ist um 15 Uhr am Vierröhrenbrunnen. Geschichtliche Stationen der Führung sind die Bemühungen der Stadt um die Reichsunmittelbarkeit, die „Schlacht bei Bergtheim“ im Jahr 1400, das Ende des Predigers „Pfeiferhannes“ auf dem Scheiterhaufen und der Bauernkrieg im Jahr 1525. Anhand von Gebäuden und Kunstwerken lässt Gästeführer Johannes Wohlfahrt Ereignisse der letzten drei Jahrhunderte des Mittelalters lebendig werden. http://www.mainfranken-touren.de/?go=aktuelles

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