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Ran an den Quereinstieg – nicht blauäugig, aber optimistisch

 

Von Michaela Schneider

 

Geisteswissenschaftler in den Führungsetagen großer Industrieunternehmen und Ärzte als Vertriebsleiter: Im angelsächsischen Raum werden Quereinsteiger von Firmen gesucht. In Deutschland indes gehören sie bislang eher zu den Exoten. Trotzdem kann auch hier ein Quereinstieg glücken. Wie, verraten Quereinsteiger und eine Karriereberaterin.

 

Eigentlich war die Informatik immer schon Silke Fritzens Steckenpferd, als Jugendliche bastelte sie bereits ihre erste Homepage und arbeitete sich in HTML und Java ein. Trotzdem ließ sich die heute 28-Jährige von Familie und Freunden nach dem Abitur überzeugen: Informatik machen nur die Jungs. Und so studierte sie stattdessen Wirtschaftsgeografie mit dem Ziel, in die Entwicklungshilfe zu gehen. Das klappte nach dem Studium – doch merkte Fritzen während ihres zweijährigen Aufenthalts in Äthiopien, dass sie so ihre Werteprobleme mit der Entwicklungspolitik hatte. Zurück in Deutschland hielt sie sich mit Hilfsjobs über Wasser – und stolperte irgendwann über eine Stellenanzeige. Gesucht wurden SAP-Berater, Quereinsteiger erwünscht. „Ich fragte mich selbst, warum ich die Stelle bekam, denn von SAP hatte ich keine Ahnung“, erzählt die 28-Jährige, ergänzt: „Mein Chef sagte sich vermutlich: Das technischer Verständnis scheint da zu sein. Und ich selbst war mir sicher, dass ich das kann und will. Das brachte ich beim Bewerbungsgespräch wohl rüber.“

 

Wie wichtig eine entsprechende Vermarktung ist, bestätigt Karriereberaterin Valentine Wolf-Doettinchem. „Als Quereinsteiger muss ich besonders gut argumentieren, warum ich einer Firma Benefit bringe“, sagt die 45-Jährige. Dabei weiß sie durchaus, wovon sie spricht, denn eigentlich ist sie Diplom-Kulturpädagogin, stieg dann in die Werbebranche ein und arbeitet heute als Kommunikationstrainerin und Karriereberaterin. Eine reine „Weg-von-Motivation“ reiche selten aus für einen Quereinstieg. Die sei zwar ein toller Anreiz. Um sich vermarkten zu können, sollte man sie aber um eine „Hinzu-Motivation“ ergänzen und den Wechsel gut vorbereiten. Wolf-Doettinchems Tipps: Praktika während des Urlaubs in der anvisierten Branche oder eine Nebentätigkeit auf 400 Euro Basis; viele, viele Gespräche mit Menschen, die bereits im angestrebten Beruf arbeiten; ein gezielter Netzwerkausbau; Signale zur Einarbeitungsbereitschaft. „Zum Beispiel können Quereinsteiger im Bewerbungsgespräch anbieten: Testen Sie mich beim Probearbeiten“, veranschaulicht Wolf-Doettinchem. Zudem ganz wichtig: Der Mut zum Quereinstieg.

 

Den bewies der Unternehmensberater und Autor Jens-Uwe Meyer in seiner Karriere gleich mehrfach: Der heute 46-Jährige arbeitete als Polizeikommissar unter anderem in der Rauschgiftfahndung, als er sich eines Tages die Frage stellte: „Gibt es mehr im Leben, das ich noch nicht gesehen habe?“ Er machte während seiner Ferien ein Praktikum beim Radio – und fuhr anschließend zwei Jahre lang zweigleisig. Heißt: Er arbeitete weiter bei der Polizei „als gäbe es keine Alternative“, jobbte beim Radio und knüpfte etliche neue Kontakte. Eines Tages erhielt er ein Stellenangebot bei einem Radiosender. „Das war ein finanzieller Rückschritt“, erinnert er sich, betont: „Wer einen Quereinstieg plant, muss mit dem Anspruchsdenken brechen.“ Trotzdem sollte Meyer den Wechsel nie bereuen. Ein Jahr später ergriff er die Chance, zum Fernsehen zu gehen, – und arbeitete sich Schrittweise bis zum Studioleiter in Jerusalem und Washington, Chefredakteur der Jugendwelle MDR JUMP und Programmdirektor beim Radiosender Antenne Thüringen hoch. Parallel schrieb er seine ersten Bücher. Und eines Tages war sie wieder da, die Frage, ob es noch mehr gebe im Leben: „Die Neugier kam, was es heißt, sich selbstständig zu machen.“ Resultat: Meyers eigenes Unternehmen „Die Ideeologen. Gesellschaft für neue Ideen mbH“. Er begleitet heute Ideenentwicklung und Kreativitätsprozesse in namhaften Firmen, ist gefragter Redner und hat sechs Bücher veröffentlicht. Seine Empfehlungen für den Quereinstieg: ein langsames Vortasten in die neue Branche, parallel zum alten Job; die Bereitschaft, Schritte zurück zu gehen; Leidenschaft und Eigenmotivation; und, wenn möglich, sollte man sich den Rückweg in den alten Job offen halten.

 

Letzteres ist nicht immer machbar – vor allem, wenn ein Quereinstieg aus der Not heraus geboren wird – wie zum Beispiel bei Stefan Hemmerich. Der heute 42-Jährige hatte als Sonderschullehrer wie etliche Kollegen über fünf Jahre immer nur Einjahresverträge erhalten, anschließend auf die Festanstellung gehofft, doch blieb diese aus. Hinzu kam: Hemmerich stellte andere Ansprüche ans pädagogische Arbeiten, als die Strukturen des Schuldienstes ermöglichten. Recht spontan entschied er sich deshalb für einen totalen beruflichen Bruch, stieg in die Versicherungsbranche ein und besann sich parallel auf ein altes Hobby: Schon früher hatte er für Bekannte Rechner gewartet und Internetanschlüsse eingerichtet. So kam es, dass Hemmerich, um sich über Wasser zu halten, auch DSL-Anschlüsse verkaufte. Unter anderem dem Chef eines Tochterunternehmens der Mediengruppe Main-Post – und dieser bot ihm kurzerhand eine feste Stelle an. Inzwischen ist der einstige Sonderschullehrer beim Haupthaus des Verlags angestellt und arbeitet in der digitalen Verkaufsunterstützung. Hemmerich empfiehlt: Wer in seinem Job unglücklich ist, sollte sich über die eigenen Qualifikationen klar werden, beweglich bleiben und Augen und Ohren offen halten. Und: Aufs Glück vertrauen und den Mut zum Neuanfang aufbringen. „Nicht blauäugig, aber optimistisch“, betont er.

 

Spannend ist zudem der Karriereweg des studierten Bauingenieurs Jan-Michael Müggenburg, der sich gleich nach dem Studienabschluss im Jahr 2001 für einen Branchenwechsel entschied und nun als Teamleiter auch Chancen  für Quereinsteiger sieht.  „Die IT war immer mein Hobby, ich kannte auch schon die Vorläufer des World Wide Web, hatte mir aber zunächst gesagt: Mach Dir nicht das Hobby zum Beruf“, erinnert er sich - bewarb sich nach dem Diplom aber dennoch als Trainee bei einem IT-Unternehmen, das später Teil von T-Systems wurde.  Hier arbeitete er als Entwicklungsprojektleiter, Berater und Testmanager. Inzwischen ist er Teamleiter im Bereich Telekom IT und betont: Bei der Suche nach neuen Mitarbeitern, wolle er sich den Zugang zu Topleuten nicht versperren, ist deshalb auch grundsätzlich offen für Bewerbungen von Quereinsteigern. Seine Tipps: Die Bewerbungsunterlagen sollten fehlerfrei und gut aufbereitet sein, zudem müsse klar daraus hervorgehen, warum der Bewerber gerade zu diesem Unternehmen passt. Im Bewerbungsgespräch lege er vor allem Wert auf ein authentisches Auftreten und sichtbare Begeisterung für die Arbeit.

 

Und wann ist der richtige Zeitpunkt für einen Wechsel? „Immer dann, wenn man spürt: Das, was ich mache, ist nicht das Richtige“, sagt Karriereberaterin Wolf-Doettinchen.

 

 

 

 

Der Artikel wurde unter anderem  im  Fränkischen Tag veröffentlicht.

Der Artikel ist unter anderem im Main-Echo erschienen.

Der Artikel ist in der deutschen Erstausgabe des  Studentenmagazins „Real World“ erschienen.