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Nils Gageik mit einem Quadrocopter.                                                                                                         Foto: Michaela Schneider

Fliegende Lebensretter

Informatik Würzburger tüfteln an unbemannten Flugkörpern, die sich in Gebäuden
autonom bewegen und zum Beispiel Verletzte in brennenden Häusern aufspüren könnten

 

Von Michaela Schneider

 

Würzburg Ein bisschen sehen sie nach Bubenspielzeug aus: die etwa 50 Zentimeter großen, unbemannten Fluggeräte mit den vier Propellern. Doch verbirgt sich hinter den Drohnen weit mehr, nämlich eine völlig neue Technologie, die in ein paar Jahren unter anderem im Rettungswesen eine entscheidende Rolle spielen könnte. Denn: Der wissenschaftliche Mitarbeiter Nils Gageik tüftelt am Lehrstuhl für Informatik der Würzburger Universität im Team von Professor Sergio Montenegro an unbemannten Flugkörpern, die sich eines Tages selbst in Gebäuden orientieren und völlig autonom fliegen könnten. Das wäre laut dem 30-Jährigen völlig neu. Drohnen, wie sie beispielsweise von der Polizei zur Verkehrsüberwachung eingesetzt werden, seien in der Regel ferngesteuert. Drohnen, die für Militär Feindgebiet auskundschaften, fliegen zwar selbstständig, orientieren sich aber mittels GPS – und das taugt vor allem im Freien. Die Würzburger Informatiker indes haben sich die Kombination aus autonom und indoor auf die Entwicklerfahne geschrieben, und zwar unter sämtlichen Einflüssen, von Rauch bis Dunkelheit.

 

Dabei nehmen sich die Würzburger Informatiker auch die Natur zum Vorbild: Wie Fledermäuse sollen die neuartigen Drohnen namens Quadrocopter künftig Hindernisse mittels Ultraschall orten – damit könnten sich die Flugkörper selbst in verrauchten Räumen orientieren. Weitere Informationen aus der Umgebung werden mittels optischer Sensorik wie Infrarot, Laser, Video- und Wärmebildkamera bezogen. Seit rund einem Jahr arbeitet Nils Gageik an dem System, programmiert Software und baut Flugkörper zusammen. Erste  positive Ergebnisse könne das Team verbuchen: „Eine glatte Wand erkennt der Quadrocopter schon, kann Kollisionen vermeiden und ausweichen – bei anderen Hindernissen wie etwa Stoff funktioniert das System noch nicht.“ Der Würzburger Informatiker geht davon aus, dass sein Team noch zwei bis drei Jahre an den Flugkörpern arbeiten muss, ehe sie tatsächlich interessant für die freie Wirtschaft oder auch das Rettungswesen sein könnten.

 

Gerät „merkt“ sich die Strecke

 

Im nächsten Schritt soll eine Technik integriert werden, die die Quadrocopter nicht nur den Weg in Gebäude hinein, sondern auch wieder hinausfinden lässt. „Das hieße in der Praxis: Das Gerät zeichnet auf, wo es entlang fliegt, merkt sich die Strecke und kehrt auf gleichem  Weg wieder zurück“, veranschaulicht Gageik. Optimierbar ist laut dem 30-Jährigen zudem noch die Flugdauer der Quadrocopter. Fünf bis zehn Minuten fliegt das Gerät bei seinem Gewicht und der Batterieleistung derzeit autonom – wenn an dem System weiter gefeilt wird, hält der Informatiker mittelfristig eine gute halbe Stunde für realistisch.

 

Diese Zeit wäre auch nötig, sollten die Würzburger Quadrocopter eines Tages tatsächlich im Rettungswesen eingesetzt werden. Nils Gageiks Vision: Die Flugkörper könnten beispielsweise in brennende oder eingestürzte Häuser fliegen, dort Menschen aufspüren und mittels montierter Geräte Daten wie Temperatur oder chemische Analysen für die Rettungskräfte sammeln, ehe diese ins Gebäude eindringen. Auch könnten die autonomen Flugkörper – versehen mit einer Kamera und Messgeräten - Untergrundareale wie Höhlen, Minen, Kanäle und Katakomben oder auch Industriekomplexe bei Gasgefahr auskundschaften. Und selbst als „Nachtwächter“ könnten die Quadrocopter beispielweise in Banken oder Museen fungieren.

 

In der Praxis erproben die Würzburger Informatiker ihre Quadrocopter übrigens derzeit in einer verlassenen Schule – sowohl bei Tageslicht als auch im Dunkeln. Rauch wird bei Testflügen mittels einer Nebelmaschine simuliert. Jetzt tüftelt das Team um Nils Gageik an einem kleinen Windkanal, um weitere Störeinflüsse zu simulieren. Bis Ende 2014, so die Hoffnung der Würzburger Informatiker, wird das System praxistauglich sein. Ein Faktor, der die Würzburger Quadrocopter für Wirtschaft, Rettungskräfte und Co. übrigens vor allem auch interessant machen würde ist: In Großserie hergestellt, würde das System nach Schätzung von Professor Montenegro vermutlich weniger als 500 Euro kosten. Damit wäre verschmerzbar, wenn ein Gerät beispielsweise im brennenden Gebäude beschädigt würde – sich Rettungskräfte aber nicht mehr in Lebensgefahr begeben müssten, um nach Überlebenden zu suchen, sondern künftig wesentlich gezielter vorgehen könnten.    

 

Der Artikel wurde unter anderem  im  Fränkischen Tag veröffentlicht.