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Fesselnde Faszination des Grauens
Pianist Jens Thomas und Schauspieler Matthias Brandt interpretieren im Gastspiel in
Würzburg Hitchcocks wohl größtes Meisterwerk unter dem Titel „Psycho – Fantasie über das Entsetzen“ neu


Von Michaela Schneider
Würzburg
Stille kann unglaublich grausam sein. Grausam, wenn man weiß, dass an ihrem Ende der Schockmoment lauert. Und gerade weil man weiß, dass  sich die ausgedehnte Stille auf nichts anderes als den markerschütternden Schrei zubewegt, lässt dieser das Publikum umso heftiger zusammenzucken.  Zwei, die das Spiel mit dem Klanghorror in Perfektion beherrschen, konnten die Zuschauer jetzt am Mainfranken Theater in Würzburg in einem Gastspiel erleben: Gemeinsam mit dem Pianisten und Sänger Jens Thomas interpretiert Schauspieler Matthias Brandt Alfred Hitchcocks wohl größtes Meisterwerk unter dem Titel „Psycho – Fantasie über das Entsetzen“ neu. Das Publikum schaudert, gruselt sich, fiebert mit und erlebt ein unter die Haut gehendes, verdichtetes Psychogramm eines Psychopaten.


Bei den Texten greift Brandt nicht auf den Hitchcock-Film von 1960, sondern auf die literarische Vorlage des Autors Robert Bloch aus dem Jahr 1959 zurück. Trotzdem rückt der jüngste Sohn des früheren deutschen Bundeskanzlers Willy Brandt die bekanntesten Szenen des Films ins Zentrum – allen voran natürlich die Duschszene. Erst wird das Blutbad mit dem Schlachtmesser aus Marions Sicht erzählt, dann wird der Blick auf Norman Bates gespaltene Persönlichkeit gelenkt. Und das gelesene, inszenierte und vertonte Gemetzel steht der filmischen Vorlage in nichts nach, lässt gruseln, den Atem anhalten und wird zu einem jener Momente, in dem man wegschauen und weghören möchte, doch von der Faszination des Grauens derart gefesselt ist, dass man hinschauen und hinhören muss. Das Klavier pocht, das Schlachtmesser droht, ACDCs „Touch too much“ dröhnt in Jens Thomas‘ ganz eigener Variante über die Bühne. Sein Schrei und das verzerrte Gesicht bilden da nur noch das i-Tüpfelchen.


Dabei wusste vorab keiner so genau, was ihn erwarten würde – selbst das Duo auf der Bühne nicht. Denn Abend für Abend improvisiert Pianist Jens Thomas den Soundtrack zur inszenierten Lesung neu – und Schauspieler Brandt lässt sich auf die Überraschung mit jeder Faser seines Körpers ein, so scheint es zumindest. Und auch Thomas versinkt regelrecht in den Flügel, scheint zu verschmelzen mit der Geschichte, mit dem Psychopathen, mit der Musik.  Jagendes Herzklopfen und die nahende Katastrophe verwandeln sich am Flügel ebenso in Klangbilder wie das röchelnde Sterben der Marion Crane, das Zetern und Sticheln der Mutter und der brodelnde Hass des Norman Bates.  Der Pianist bezieht nicht nur die Tasten, sondern auch den Holzkörper und die Saiten des Flügels in seine Improvisationen ein. Er spielt mit seiner Stimme – säuselt und röchelt, kreischt und haucht, lässt Melancholie in magischen  Melodien schweben.


Matthias Brandts Talent als Sprecher und Schauspieler steht der Klavierimprovisation in nichts nach. Er zeichnet die gespaltenen Persönlichkeit des Norman Bates stimmlich so realistisch nach, dass es schaudern lässt – angefangen beim fies-irren Kichern der Mutter über Normans stotternde Schüchternheit,  seine hasserfüllte Wuttiraden oder sein lüsternes, artikuliertes Gaffen  bis hin zum kleinen Jungen, der Schutz in Mamas Armen sucht. Nach der inszenierten Lesung wünscht man sich, dass Brandt in Zukunft jeden guten Krimi als Hörbuch einsprechen möge.


Gemeinsam schaffen es Jens Thomas und Matthias Brandt, einen Albtraum zu Worten und Klängen, Lauten und Tönen zu formen, der mindestens so gruseln lässt wie die große Filmklassiker-Vorlage. Das Publikum applaudiert lang, das Bühnenduo lohnt dies mit zwei Liedzugaben: ACDCs „Highway to Hell“ in der Norman-Bates-Version und zur nervlichen Entspannung schließlich „Keep it down boy“ – eine eigene Komposition von Jens Thomas aus seiner CD „Speed of Grace“.

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Der Artikel  ist unter anderem  im Main Echo erschienen.