Ich schreibe für Sie!
Guten Tag!. Journalismus. Schwerpunkte. Pressetexte. Fotografie. Schöne Literatur. Veröffentlichungen. Archiv. Kontakt. Michaela Schneider - Freie Journalistin in Würzburg
Hier finden Sie eine Auswahl
an Verlagen und Agenturen,
für die ich schreibe:

Impressum

Meine AGB

Nürnberger Nachrichten

Franken.Das Magazin für Land und Leute

Behinderte Menschen

Porter & Pin

Publik Forum

Oper & Tanz

Die deutsche Bühne

Main-Echo

Opernnetz

Griaß di’ Allgäu

Schönes Schwaben

Journalismus

Pressetexte

Fotografie


Kurzgeschichten

                                          Chroniken


Auf Facebook posten
Auf Twitter posten
Auf Google Lesezeichen posten
Per E-Mail senden

Das Wesentliche bleibt fürs Publikum unsichtbar
Das neue Musical „Der kleine Prinz“ nach Saint-Exupérys Erzählung macht in Würzburg
Station – Der eigentliche Zauber der literarischen Vorlage kommt nur in einzelnen Passagen rüber


Von Michaela Schneider
Würzburg  
Generationen lässt Antoine de Saint-Exupérys Erzählung „Der kleine Prinz“ aus dem Jahr 1943 inzwischen träumen, staunen und über das Leben an sich nachdenken. Nachdem der kleine Blondschopf zunächst auch manches Kinderzimmer als Fernsehserie erobert hatte, war es nur eine Frage der Zeit, dass größere Formate folgen. Fast zeitgleich feierten im Dezember 2015 Kinostreifen und Musical Premiere. Jetzt machte das Musical von Deborah Sasson (Musik und musikalische Leitung) und Jochen Sautter (Libretto, Liedtexte, Regie) im Congress Centrum Würzburg Station. Vielleicht ist die märchenhafte, literarische Vorlage einfach zu einzigartig in ihrer schlichten, bezaubernden Sprache, um sie in nette Songs und bunte Kostüme zu pressen. Das Musical „Der kleine Prinz“ ist für Familien unterhaltsam, bleibt aber doch recht seicht. Der eigentliche Zauber der Geschichte kommt nur in einzelnen Passagen rüber. Doch sei erwähnt: Dem Gros des Publikums im recht übersichtlich besetzten Saal scheint der Abend zu gefallen, nicht zuletzt dank eines guten Bühnenensembles.


Dass der Funken der Literaturvorlage nicht so recht zum Tragen kommt, liegt wohl vor allem daran, dass der rote Faden in der Komposition fehlt. Diese wirkt eher wie eine bunte Aneinanderreihung klassischer, moderner und folkloristischer Elemente.  Die Songs bewegen sich auf zu seichtem Musicalniveau, hier wären mehr Mut, mehr Einzigartigkeit wünschenswert gewesen, um Saint-Exupéry und dem Zauber und Tiefgang seiner Erzählung tatsächlich gerecht zu werden. Denn, dass Deborah Sasson dies beherrscht, beweist sie in einigen sehr gelungene Passagen, wenn Szenerien und Naturgewalten klanglich beschrieben werden. Da donnert ein Gewitter, leuchtet die Wüste im Morgenrot oder dem kleinen Prinzen wachsen aus einem Vogelschwarm riesige Flügel. Unbedingt lobenswert ist zudem: Die Musik kommt nicht, wie bei manch anderer tourenden Produktion, vom Band. Direkt zwischen Bühne und Publikum sitzen und spielen neun Musiker.


Ganze Arbeit geleistet hat in den erwähnten atmosphärischen Passagen zudem Daniel Stryjecki mit gelungenen interaktiven Videoanimationen, die ins Geschehen hineinziehen. Diese ersetzen ein aufwändiges Bühnenbild, Bühnenbildner Rafal Knorowski behilft sich beim tourenden Musical mit einigen markanten, beweglichen Elementen wie dem abgestürzten Flieger, den drei Vulkanen des kleinen Prinzen, dem Affenbrotbaum. Musicaltauglich sind die fantasievollen Kostüme – ob Fuchs, Blume oder Schlange. Gleiches gilt für die eher rar gehaltenen Tanzszenen.


Das Ensemble an sich zeigt gute Leistungen, vor allem der junge Sänger Moritz Bierbaum überzeugt als kleiner Prinz. Man will kaum glauben, dass keine Frau, sondern ein Mann auf der Bühne steht und singt. Das kindliche, fragile in Bierbaums Stimme, seine knabenhafte Figur ergänzt er um hervorragendes Schauspiel: Er bewegt sich mit einer gewissen Melancholie und in doch kindlicher Neugier. Getrieben vom Wunsch, die Welt zu begreifen, stellt der kleine Blondschopf schlichte, treffende Fragen, muss dann immer wieder fassungslos den Kopf schütteln und feststellen: „Die großen Leute sind wirklich sehr seltsam!“ Auch der franco-kanadische Bariton Benoit Pitre als Pilot singt gut, sein französischer Akzent in den Textpassagen ist charmant. Bei den Liedern allerdings leidet  die Verständlichkeit. Hervorgehoben sei schließlich noch Nicole Ciroth in der Rolle der akrobatischen Schlange, die selbst im Handstand nicht nur zischt, sondern mit voller Kraft weitersingt.


Das Musical „Der kleine Prinz“ endet nach dem tödlichen Schlangenbiss stimmungsvoll. Sterne funkeln, wenige Worte genügen jetzt, um Bedeutendes zu sagen. Tatsächlich kann die Produktion mit einigen guten Elementen punkten. Aber am Ende glückt es eben doch nicht, mit der weltberühmten literarischen Vorlage mitzuhalten. Weniger, weil es am Können mangelt, eher weil dem Kreativ-Team der Mut fehlt, viel konsequenter vom zu populären, wenig markanten Musical-Mainstream abzuweichen.

Der Artikel  ist unter anderem  in den Fränkischen Nachrichten erschienen.