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„Ein guter Chirurg ist, wer seine Komplikationen beherrscht“
Der Begriff „Schönheitschirurg“ ist nicht geschützt – Dr. Jens Kauczok, Facharzt für Plastische
und Ästhetische Chirurgie, wirft einen kritischen Blick auf die Branche und rät Patienten zur Vorsicht


Von Michaela Schneider

Würzburg Die Sehnsucht nach dem perfekten Aussehen treibt nicht nur Frauen unters Messer. Das Geschäft mit Botox-Spritzen, Fettabsaugen und Brust-Implantaten boomt. Spätestens der französische Implantat-Skandal im Jahr 2011 hatte jedoch auch eine Diskussion entfacht über die Risiken von Schönheitsoperationen. Großes Manko in der Branche: Der Begriff „Schönheitschirurg“ ist nicht geschützt. Das heißt: Nicht jeder Mediziner, der sich Schönheitschirurg nennt, hat tatsächlich eine mehrjährige Zusatzausbildung zum Facharzt für Plastische Chirurgie durchlaufen. Einer, der mit gewisser Skepsis auf die Entwicklungen in der Branche blickt, ist Facharzt Dr. Jens Kauczok. Im April hat er in Würzburg eine Praxis für Plastische und Ästhetische Chirurgie eröffnet. Zuvor arbeitete der gebürtige Schweinfurter zuletzt als geschäftsführender Oberarzt an der Klinik für Plastische und Ästhetische Chirurgie, Handchirurgie und am Schwerbrandverletztenzentrum in Köln-Merheim.


Inwiefern hat Sie die Arbeit am Schwerbrandverletztenzentrum  geprägt?

Dr. Jens Kauczok: Bezogen auf den Behandlungsweg spielt es bei der Wiederherstellung eines Körperteils keine Rolle, ob die Veränderung durch eine Verbrennung oder Alterung eingetreten ist. Gearbeitet wird mit der gleichen chirurgischen Technik. Anders ist natürlich die Dimension der Veränderung bei schweren Verbrennungen. Als plastischer Chirurg war es in Köln toll zu sehen, welche Erfolge man bei einem Schwerbrandverletzten bei der Rekonstruktion des Gesichts heute erzielen kann. Geprägt hat mich die Arbeit insofern, dass ich mitunter nicht verstehen kann, wieso manche Patienten bereits mit kleinsten Makeln ihres Körpers so überaus unglücklich sind.


Das heißt: Es kommt vor, dass Sie einen ästhetischen Eingriff ablehnen und einen Patienten wieder nach Hause schicken?

Kauczok: Ja, natürlich. Ich muss zwar die seelische Belastung des Patienten nicht in der gesamten Tiefe nachvollziehen, aber sein ästhetisches Problem erkennen. Nur dann operiere ich. Bei allen Operationen müssen zudem zwei Sachen stimmen: das Risiko und der Effekt. Wenn hier ein Gleichgewicht besteht, kann ich mit gutem Gewissen operieren. Anders ausgedrückt: Kann der Patient viel gewinnen, ist ein Eingriff gerechtfertigt.


Nehmen wir als praktisches Beispiel die Fettabsaugung. Taugt diese bei jedem Patienten?

Kauczok: Nein, denn Fettgewebe kommt wieder. Eine Fettabsaugung macht keinen Sinn bei Adipositas, sondern nur bei sogenannter Lipodystrophie, das heißt einer Missverteilung des Fettgewebes. Man kann Fett nicht am ganzen Körper, sondern nur an einzelnen Stellen absaugen. Ein typisches Beispiel dafür sind „Reiterhosen“ bei einer ansonsten schlanken Frau. Diese lassen sich gut behandeln. Das Schlimme allerdings ist: Wenn ich einem Patienten von einem Eingriff abrate und ihn wieder nach Hause schicke, wird sich ein anderer Arzt finden, der operiert.


Damit sind wir bei der Problematik um den ungeschützten Begriff des „Schönheitschirurgen“ …  

Kauczok: Ganz genau, das ist das Hauptproblem in der Branche. Ästhetische Operationen können letztendlich von jedem Arzt angeboten und durchgeführt werden. Nehmen wir den vielleicht den Fall des medienbekannten Schönheitschirurgen von der Bodenseeklinik: Tatsächlich ist er eigentlich Hals-Nasen-Ohren-Arzt. Dass ein solcher Arzt Nasen operiert, mag mir eingehen. Aber was hat er mit Brüsten oder Bäuchen zu tun? Mein Wunsch wäre, dass im Allgemeinen Eingriffe nur vornehmen darf, wer auch tatsächlich dafür ausgebildet wurde. Ein guter Chirurg ist, wer nicht nur Standard-Operationen, sondern auch seine Komplikationen und alle Eventualitäten beherrscht. Das ist jedoch oft nicht der Fall. Seit April waren mehrere Patientinnen bei mir mit Komplikationen nach Eingriffen durch andere Ärzte.


Was waren das für Komplikationen?

Kauczok: Nur drei Beispiele: Ein Arzt hatte nach Zerfall eines PIP-Implantats – das sind die Skandal-Implantate aus Frankreich – ein neues Implantat reinoperiert, ohne dass die Infektionssituation verheilt war. Eine Patientin war bei mir wegen einer fehlerhaft durchgeführten Lidkorrektur. Hier war nur die Haut weggenommen worden, für eine Korrektur des tieferliegenden Fettgewebes hatte der Kollege nicht gesorgt. Bei einer weiteren Patientin war das Brustimplantat in die falsche Schicht eingesetzt worden, Experten sprechen dann von einer „Double Bubble“, das heißt von einer Doppelkonturierung der Brust. Das Problem in allen Fällen war: Keine dieser Patientinnen war gegen Komplikationen versichert.


Das heißt: Treten Komplikationen auf nach einer Schönheitsoperation, bleibe ich als Patient auf den Folgekosten sitzen?

Kauczok: Generell gilt: Lässt sich eine Frau oder ein Mann aus ästhetischen Gründen operieren, übernehmen Krankenkassen weder die Kosten für die Operation selbst, noch für Komplikationen. Treten diese auf, haben Patienten auf einmal ein ästhetisches, ein gesundheitliches und ein finanzielles Problem. Aber: Patienten haben in bestimmten Fällen die Möglichkeit, vorab eine Versicherung abzuschließen, um sich gegen Folgekosten bei Komplikationen abzusichern. Hier ist entscheidend:  Nur Patienten von Ärzten, die Mitglied in der Deutschen Gesellschaft der Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgen (DGPRÄC) oder der Vereinigung der Deutschen Ästhetisch-Plastischen Chirurgen (VDÄPC) sind, können diese Versicherung abschließen. Zwar sind alle Mitglieder in den beiden Gesellschaften verpflichtet, Patienten auf die Möglichkeit der Zusatzversicherung hinzuweisen. Oft vergisst der Patient aber, diese noch vor der OP abzuschließen. Ich schließe daher die Versicherung selbst für alle meine Patienten ab.


Für Patienten ist’s nicht einfach, gute Ärzte von schwarzen Schafen zu unterscheiden. Woran erkenne ich einen guten Schönheitschirurgen?

Kauczok: Wichtig zunächst einmal ist, dass er an einer renommierten Klinik zum Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie ausgebildet wurde. Denn: Ich werde nur ein guter Chirurg durch praktische, handwerkliche Erfahrung, nicht durch theoretische Kurse. Und: Einen guten Mediziner erkennt man auch daran, dass er Mitglied in einer seriösen Fachgesellschaft wie der DGPRÄC oder der VDÄPC ist, denn hier werden nur entsprechend ausgebildete Fachärzte für plastische und ästhetische Chirurgie aufgenommen. Es gibt zwar auch jede Menge andere Gesellschaften für Schönheitschirurgie, hier rate ich aber zu großer Vorsicht, denn eine solche Gesellschaft kann letztendlich jeder gründen!


Sie bieten in Ihrer Praxis nicht nur ästhetische, sondern auch plastische Chirurgie an und haben zudem eine kassenärztliche Zulassung. Warum?

Kauczok: An der Arbeit als plastischer Chirurg begeistert mich vor allem die Vielschichtigkeit. Mikrochirurgie bedeutet, auf ganz präzisem, feinem, sehr individuellem Niveau zu arbeiten. Nicht umsonst bezeichnen sich die Plastiker gern auch als „Uhrmacher unter den Chirurgen“. Natürlich zählt die ästhetische Chirurgie zum wirtschaftlicheren Teil meiner Arbeit. Allerdings würden mich nur rein ästhetische Eingriffe nicht ausfüllen. In Städten wie München oder Düsseldorf verliert die „High Society“ mit Botox-Partys den Sinn für die Ernsthaftigkeit ästhetischer Eingriffe. Da bin ich anders und deshalb auch froh, solche Patienten hier nicht zu haben. Und noch ein Satz zur kassenärztlichen Zulassung: Zwar bedeuten Kassenleistungen für die Praxen einen hohen bürokratischen Aufwand, aber meinem Verständnis nach muss die plastische Chirurgie zugänglich sein für alle Patienten.  

Der Artikel  ist unter anderem  im Main-Echo erschienen.

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Dr. med. Jens Kauczok ist Spezialist auf dem Gebiet der Ästhetischen, Plastischen und Rekonstruktiven Chirurgie. Im April 2014 hat er eine Praxis für Plastische und Ästhetische Chirurgie in Würzburg eröffnet, Operationen führt er auch in der Tagesklinik Ringparkcenter sowie in der Rotkreuzklinik Würzburg durch. Neben Eingriffen aus dem ästhetischen Bereich wie etwa Brustvergrößerung, Bauchdeckenstraffung, Lid- oder Nasenkorrekturen deckt er das rekonstruktive und handchirurgische Gebiet ab.