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Präimplantationsdiagnostik - Chance für leidgeplagte Paare
Bei der PID kann ein Embryo nach  einer künstlichen Befruchtung auf eine schwere, erbliche
Erkrankung hin untersucht werden – Das Verfahren wird allerdings nur in Ausnahmefällen genehmigt


Von Michaela Schneider
Würzburg  
Die Vorfreude aufs Kind ist riesig, die zweite, vielleicht dritte Tod- oder Fehlgeburt für die Eltern umso niederschmetternder. Manches Ehepaar hat keine Kraft mehr, sich erneut auf eine Schwangerschaft auf Probe und Achterbahnfahrt zwischen Hoffnung und Trauer einzulassen. Hier kann die Präimplantationsdiagnostik – kurz PID – gute Dienste leisten. Sie ermöglicht es Paaren, den Embryo bei einer künstlichen Befruchtung noch vor dem Einnisten in die Gebärmutter auf konkrete genetische Erkrankungen hin untersuchen zu lassen. Ein Verfahren, das allerdings immer noch umstritten ist. Prinzipiell ist die PID seit den frühen 90er Jahren möglich, war aber auch in Deutschland lange Zeit verboten – unter anderem aus Angst vor einem Trend zu „Designerbabys“. 2011 wurde das Embryonenschutzgesetz gelockert, Rechtssicherheit besteht erst seit Februar 2014 mit Inkrafttreten der PID-Verordnung.


In dem Regelwerk ist unter anderem festgelegt: Die Entscheidung, ob eine PID an einem speziellen Zentrum durchgeführt werden darf, trifft die Bayerische Ethikkommission für Präimplantationsdiagnostik. Amtierende Vorsitzende ist die Frauenärztin Professor Dr. Ursula Zollner, Leiterin des Kinderwunschzentrums an der Universitäts-Frauenklinik Würzburg.  Neben dem Schwerpunkt Reproduktionsmedizin konzentriert sich die 45-jährige Medizinerin auf Perinatalmedizin und spezielle Geburtshilfe. Zu gut weiß sie aus der praktischen Arbeit heraus, was wiederholte Risikoschwangerschaften für Patientinnen bedeuten. „Aus meiner Sicht ist es sehr gut, dass wir Möglichkeiten haben, Frauen diesen Leidensweg zu ersparen“, sagt die vierfache Mutter.


Dass die Wahl-Würzburgerin in die Ethikkommission berufen wurde, mag zum einen an ihrer Schwerpunkt-Kombination Reproduktionsmedizin und Risikoschwangere liegen, zum anderen spielte vielleicht auch der Unterfrankenbonus eine Rolle, denn die acht Mitglieder des Gremiums stammen gut verteilt aus dem ganzen Freistaat. Dabei setzt sich die Kommission mit der Frauenärztin, einem Humangenetiker, einem Pädiater und einem Psychiater aus vier Medizinern sowie je einem Vertreter aus den Bereichen Ethik, Recht, Patienten und Selbsthilfeorganisationen zusammen. Jedem Kommissionsmitglied steht ein Stellvertreter zur Seite. Im Spätsommer ist laut Zollner die erste Sitzung angedacht.


Wozu aber braucht es das neue Gremium? Dazu ein detaillierter Blick auf die PID-Verordnung. Hierin ist klar geregelt, in welchen Ausnahmefällen ein Embryo mittels PID untersucht werden darf – nämlich nur, wenn das Risiko einer schweren Erbkrankheit besteht oder aber eine Tod- oder Fehlgeburt droht (Textauszug siehe Infokasten). Vorausgegangen sein muss zum einen eine Aufklärung und Beratung der Eltern an einem spezialisierten Zentrum sowie eine Prüfung und Antragszustimmung durch die Ethikkommission mit einer Zweidrittelmehrheit.  Dabei wird laut Zollner jeder einzelne Antrag individuell geprüft werden, in strittigen Fällen kann auch einmal das Ehepaar zum Gespräch eingeladen werden. Pro Jahr rechnet Zollner bundesweit mit 200 bis 300 Anträgen.  In Bayern haben im Juli die ersten vier Zentren für Präimplantationsdiagnostik die Arbeit  aufgenommen - und zwar in Regensburg, Martinsried sowie gleich zweifach in München. Ein Antrag aus Franken liegt laut Zollner bis dato nicht vor.


Wie aber funktioniert Präimplantationsdiagnostik in der Praxis? „Vielleicht hat ein Paar bereits ein schwerkrankes Kind in der Familie oder mehrere Tod- oder Fehlgeburten hinter sich. Dann kann es sich in einem PID-Zentrum vorstellen“, sagt Zollner.  Hier wird geprüft, ob sich die PID überhaupt anbietet. Zum einen muss bei einer erblichen Disposition die genaue Krankheit bekannt sein. Zum anderen muss es sich für eine gezielte Untersuchung um eine genetische Krankheit handeln, deren Genort man kennt. „Bei einer ungenauen Familienanamnese macht eine PID also unter Umständen keinen Sinn“, sagt Zollner. Zudem muss bei einer künstlichen Befruchtung eine gewisse Erfolgsrate gegeben sein. Treffen alle Punkte zu, reicht das Paar einen Antrag bei der Ethikkommission ein. Gibt diese nach der Prüfung grünes Licht, steht einer PID nichts mehr im Wege.


Wie bei jeder künstlichen Befruchtung geht eine zweiwöchige, hormonelle Behandlung voraus, um mehrere Eizellen gewinnen zu können. Dabei spritzt sich die Patientin selbst täglich Hormone. Anschließend werden die Eizellen abpunktiert und mit den Spermien des Mannes befruchtet.  Am Tag fünf nehmen die Mediziner oder Reproduktionsbiologen laut Zollner am Embryo eine Biopsie vor. Jetzt haben sich bereits Zellen entwickelt, die sich zum Embryo ausbilden sowie Zellen, die zur Plazenta werden. Mit einem Laser wird ein kleines Loch in die Eihülle geschossen, dadurch wölben sich Trophoblastzellen vor und können entnommen werden, ohne den Embryo zu verletzen. Das Risiko beschreibt Zollner als relativ gering – und auch die Diagnostik gelinge in rund 95 Prozent der Fälle. Anschließend wird der Embryo übertragen oder eingefroren und das Ergebnis abgewartet. Das sehr junge Leben wird dann- bei einem unauffälligen  Bescheid - in die Gebärmutter eingepflanzt. Die Mutter wird  nun eventuell schwanger mit dem guten Gefühl, nicht erneut mit einer Fehl- oder Todgeburt oder einem schwerstkranken Kind rechnen zu müssen.  


So positiv die neue Gesetzeslage erscheint: Nicht jedes betroffene Ehepaar wird sich den Eingriff leisten können, denn Eltern haben derzeit keinen Anspruch auf Kostenübernahme. Eine künstliche Befruchtung kostet – abhängig vom Alter der Frau und den benötigten Medikamenten - zwischen 2000 und 4000 Euro, bei der genetischen Diagnostik ist mit einem weiteren vierstelligen Betrag zu rechnen. Zusätzlich haben es die Antragskosten in sich: Von 100 bis 5000 Euro ist bis dato in der PID-Verordnung die Rede. Was das Paar am Ende tatsächlich zu berappen hat, erfährt es erst im Nachhinein. Glücklich ist Zollner über die Kostenspanne nicht und hofft hier zeitnah auf eine Präzisierung, erläutert: „Das Problem ist: Müssen nur Bürokratiekosten gedeckt werden, bleiben die Kosten überschaubar. Teuer werden kann es, wenn ein Gutachter eingeschaltet wird. Hier wollte sich das Ministerium wohl absichern.“ Die Mitglieder der Ethikkommission üben ihre Arbeit übrigens ehrenamtlich aus, sie bekommen lediglich Fahrtkosten erstattet.


Dass die PID nach wie vor viele Kritiker hat, kann Zollner nur eingeschränkt verstehen. Die Furcht vor Designerbabys sei verständlich und auch die Angst davor, dass es eines Tages gesellschaftlich nicht mehr akzeptiert werde, wenn ein Paar ein krankes Kind zur Welt bringt. Genau deshalb aber habe man sich in Deutschland für einen restriktiven Umgang mit der Präimplantationsdiagnostik entschieden und lasse diese nur in Ausnahmefällen zu.  Gleichzeitig sieht Zollner ein Ungleichgewicht zwischen Präimplantations- und Pränataldiagnostik – das heißt, der Untersuchung des Fötus in der Gebärmutter. „Vor einer Fruchtwasseruntersuchung muss ich niemanden fragen, ob ich mein Kind testen lassen darf – bei der PID braucht es eine Ethikkommission“, sagt die Medizinerin.

Die Frauenärztin Professor Dr. Ursula Zollner ist amtierende Vorsitzende der Bayerischen Ethikkommission für Präimplantationsdiagnostik. Sie betrachtet gerade einen fünf Tage alten Embryo. An diesem Tag können Zellen für eine PID entnommen werden.

Foto: Michaela Schneider


Der Artikel  ist unter anderem  im Magazin „Gesundheit!“ erschienen.

Auszug aus der Präimplantationsdiagnostikverordnung (§5, Absatz 2)


„… (2) Der Antrag hat alle Angaben und Unterlagen zu enthalten, die die Ethikkommission für die Prüfung des Vorliegens (…) benötigt. Vorzulegen sind:

1. in den Fällen des § 3a Absatz 2 Satz 1 des Embryonenschutzgesetzes ein ärztlich humangenetischer Befund über die genetische Disposition der Frau, von der die Eizelle stammt, oder des Mannes, von dem die Samenzelle stammt, oder von beiden, einschließlich der Bezeichnung der daraus hervorgehenden Erbkrankheit, Angaben zur Erkrankungswahrscheinlichkeit der Nachkommen sowie zu der zu erwartenden Krankheitsausprägung,

(…)

4. in den Fällen des § 3a Absatz 2 Satz 2 des Embryonenschutzgesetzes eine ärztliche

Beurteilung der Annahme, dass eine schwerwiegende Schädigung des Embryos zu erwarten

ist, die mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einer Tot- oder Fehlgeburt führen wird, (…).“