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Magische Landschaften, skandalöse Akte und Südsee-Leben
Expressionismus
Ausstellung im Museum im Kulturspeicher in
Würzburg dreht sich um „Max Pechstein auf Reisen. Utopie und Wirklichkeit“


Von Michaela Schneider

Würzburg Pechstein-Ausstellungen gab es schon zuhauf – der ehemalige „Brücke-Maler“ zählt zu den bekanntesten Vertretern des Expressionismus. Ein Aspekt jedoch blieb bis vor kurzem unbeachtet: Max Pechsteins (12881 – 1955) Reisen durch Deutschland, Italien oder Frankreich bis in die Südsee. Das ist umso erstaunlicher, wenn man bedenkt: Der gebürtige Zwickauer war eigentlich Zeit seines Lebens unterwegs auf Motivsuche.  Nach Stade und Zwickau macht die Sonderausstellung „Max Pechstein auf Reisen. Wirklichkeit und Utopie“  nun im Museum im Kulturspeicher in Würzburg Station.


Zu sehen sind auch bislang nie präsentierte Werke, vor allem Reiseskizzen. Insgesamt umfasst die Ausstellung etwa 90 Arbeiten auf Papier – darunter auch Postkarten, Briefe, Seiten aus Reisetagebüchern und farbintensive Ölgemälde.  Briefzitate – großformatig auf  den Wänden – geben Einblicke in  Max Pechsteins Gedankenwelt, alte Fotografien betten die Ausstellung in den historischen Kontext ein. Auf großformatigen Textfahnen geht es um verschiedene Reisestationen des Künstlers, die Ausstellung ist entsprechend chronologisch aufgebaut.


Es geht um Pechsteins Suche nach Einsamkeit und unberührter Natur abseits von Touristenpfaden. Mit ausdrucksstarken Farb- und Lichtspielen vermittelt er hier die Magie seiner Landschaften. Es geht um eine selbst konstruierte Wirklichkeit, um Inszenierung und Fiktion statt eines Abbilds der Realität. Und es geht um Brüche mit damaligen gesellschaftlichen Konventionen – sei es beim Aktzeichnen oder Darstellungen des einfachen, armen Lebens. „Pechstein und seine Reisen sind identisch“, sagt Kuratorin Dr. Ina Ewers-Schulz. Beim Presserundgang und der Eröffnung zudem dabei: die beiden Enkel des großen Expressionisten, Julia und Alexander Pechstein.


„Ich lebe im Rausche, Arbeit, Meer, Frau – Kind, kaue die Luft
und möchte die Pinsel zerbrechen vor Wonne des Schaffens.“


(Max Pechstein, Nidden, August 1916)


Max Pechstein stammte aus einfachen Verhältnissen – zu seiner ersten größeren Reise aufbrechen kann er erst während seines Studiums, als er den Sächsischen Staatspreis erhält. Dieser war traditionell mit einem Studienaufenthalt in Italien verknüpft.  Pechstein reist laut Ewers-Schulz nach Florenz und Rom – sowie von dort aus weiter ins Mekka der Moderne, nach Paris. Unterwegs malt er nur in Tusche. Ölfarben wären nicht nur teuer gewesen, sondern mit langen Trocknungszeiten auf einer schnelle Reise auch viel zu unpraktisch. Im Kulturspeicher etwa zu sehen: skizzenhafte Eindrücke vom Pariser Seineufer aus dem Jahr 1907.


Drei Jahre später, Max Pechstein verbringt unbeschwerte Tage in Moritzburg bei Dresden. Mit Künstlerfreunden sucht er entlegene Orte, um Aktmodelle in freier Natur zu zeichnen – in einer Zeit strenger Moral eigentlich ein Skandal. Zum Beispiel entsteht nun sein Werk „Mädchen im Walde“. Enkelin Julia Pechstein erzählt: Tatsächlich erscheint einmal ein Gendarm, um die freizügigen Künstler  zur Rede zu stellen. Sie binden sich ihr Material auf den Kopf und flüchten schwimmend auf eine Insel in den Moritzburger Seen.


Neben Akten und unberührter Natur spielen für Pechstein bald auch Bauern und Fischer in seinen Kunstwerken eine wichtige Rolle.  Gegen die konventionellen Regeln seiner Zeit malt er hart arbeitende, kantige Menschen und zeigt ganz bewusst das einfache, arme Leben. Vor allem an der Pommerschen Küste – hier lernt der Maler seine zweite Frau kennen – greift er das Fischerthema erneut auf. Jetzt malt er auch in der Natur in Öl, schleppt Handwerkszeug und Staffeleien an die entlegensten Strände.


Wichtigster Reise-Höhepunkt wird für Pechstein sein Aufenthalt auf den Palauinseln 1914 in der Südsee. Hier findet er das für ihn Ursprüngliche, das er zuvor gesucht, doch nie wirklich gefunden hat. Auch wenn Pechstein laut Kuratorin Ewers-Schulz mit rosaroter Brille auf die koloniale Welt blickt – immerhin ist er selbst mit 40 Kisten Gepäck angereist. Vor allem interessiert er sich in der Südsee für die Einheimischen in ihren Alltagswelten – im Kanu etwa, beim Tanz, im Frauenhaus oder beim Bad im Wasserfall. Gerade in seinen exotischen Werken, die er erst nach seiner Rückkehr in Deutschland bis in die 50er Jahre fertigt, wird deutlich, dass er sich seine Wirklichkeit selbst inszeniert: Die Exotik der Südsee kombiniert er zum Beispiel mit afrikanischen Elementen.


 Fotos: Michaela Schneider




Der Artikel ist unter anderem in Main-Echo erschienen.

Infokasten: Über die Sonderausstellung „Max Pechstein auf Reisen“


Öffnungszeiten: Die Ausstellung „Max Pechstein auf Reisen. Utopie und Wirklichkeit“ ist bis zum 1. September im Museum im Kulturspeicher in Würzburg zu sehen. Geöffnet ist Mittwoch, Freitag, Samstag, an Sonn- und Feiertagen von 11 bis 18 Uhr,  Dienstag von 13 bis 18 Uhr und Donnerstag von 11 bis 19 Uhr.


Führungen und Informationsmaterial: Führungen durch die Sonderausstellung finden in der Regel sonntags um 11.15 Uhr statt. Erstmals kann zudem ein Audioguide durch die Sonderausstellung gegen Aufpreis ausgeliehen werden. Zudem ist ein Hardcover-Katalog erschienen.


Pechstein-Enkel im Museum: Am 6. Juni um 19.30 Uhr wird Max Pechsteins Enkel, Alexander Pechstein, im Vortrag „Aus nächster Nähe“ über seinen Großvater sprechen.  Am Donnerstag, 11. Juli, um 16 Uhr wird Enkelin Julia Pechstein durch die Ausstellung führen und am gleichen Tag um 19.30 Uhr im Museum zu einer Lesereise rund um ihren Großvater starten.


Kinderworkshop: In den Sommerferien bietet das Museum im Kulturspeicher zwei Pechstein-Workshops für Kinder an. „Wellen, Dünen, Fischerboote: Max Pechstein an der Ostsee“ am 1. August, 11.30 bis 14 Uhr (6 bis 9 Jahre); und „Südseeträume am 3. August, 11.30 bis 14 Uhr (ab acht Jahre).