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Vom „Erikativ“ und dem Rechnen wie Adam Riese
Die Wanderausstellung „Patente Franken“ ist jetzt im Mainfränkischen Museum in Würzburg zu
sehen und stellt kluge Köpfe vor, die mit ihren Erfindungen kleine und große Geschichte schrieben


Von Michaela Schneider

Würzburg Wer ins Tempo schnäuzt, tut es. Ein Kleinkind auf dem Bobby-Car macht es ebenfalls. Und auch viele Jeansträger können es nicht lassen: Sie benutzen Dinge, die aus unserem Alltag nicht wegzudenken sind – und von waschechten Franken erfunden wurden. Dr. Erich Schneider, Gründungsdirektor des künftigen Museums in Franken, veranlasst die Fülle an hiesigen Entdeckungen gar zum nicht ganz ernst gemeinten Satz: „Die Ausstellung wäre leichter zu definieren über Dinge, die wir Franken nicht erfunden haben. Die Mondrakete vielleicht?“  Die Rede ist dabei von der Wanderausstellung „Patente Franken“. Konzipiert hatte diese die KulturServiceStelle des Bezirks Oberfranken anlässlich des Tags der Franken 2016 in Hof. Schneider hat sie nun nach Würzburg ins Mainfränkische Museum geholt. Zu sehen ist sie hier bis Ende Oktober und wird dann nach Nürnberg und in den Bayerischen Landtag nach München weiterwandern.  


Als „patent“ bezeichnet man gemeinhin einen geschickten Menschen, der für anstehende Aufgaben gute Lösungen findet. Und die groß geschriebenen „Patente“ schützen neue Erfindungen und fordern Innovationen. 36 patente Menschen des 16. bis 21. Jahrhunderts rücken nun mit ihren Patenten in der Wanderausstellung in einer klassischen Plakatpräsentation, in Schaukästen und in einem „Schrankarchiv“ in den Blick. Und weil es weit mehr clevere Köpfe hierzulande gab und gibt, können Ausstellungsbesucher an einem großen Touchscreen viele weitere patente Franken wie zum Beispiel den Physiker Werner Karl Heisenberg (1901 – 1976) entdecken, dessen formulierte Gesetze zur Quantenmechanik heute als zentraler Baustein des modernen Weltverständnisses gelten.  Auf den ersten Blick sei`s vielleicht ein buntes Durcheinander, sagt der oberfränkische Bezirksheimatpfleger Professor Dr. Günter Dippold mit Blick darauf, dass hier die Entdecker der Bionade oder des Frauenbiers neben dem Erfinder so weltbedeutender Dinge wie dem MP3-Format stehen. „Aber so vielfältig sind die Franken halt“, bringt er`s auf den Punkt. Dafür im Folgenden einige Beispiele.


In der Ausstellung taucht zum Beispiel die promovierte Kunsthistorikerin Erika Fuchs (1906 – 2005) auf. Sie erschuf als Übersetzerin das deutschsprachige „Universum von Entenhausen“ und beeinflusste dadurch die deutsche Comicsprache maßgeblich.  Die Stilform Inflektiv, nämlich wenn die Infinitifendung –n oder –en weggelassen wird und zum Beispiel aus dem Verb seufzen ein „seufz“ wird, wird deshalb heute gerne auch „Erikativ“ genannt. Eine viel ältere Persönlichkeit der Geschichte ist Adam Ries (1492 – 1559) aus Staffelstein. Er veröffentliche mehrere Rechenbücher und gilt als Begründer des modernen Rechnens. Sein bedeutendstes Werk wurde bis ins 17. Jahrhundert mehr als hundertmal aufgelegt. Und dank dieses Erfolgs, gelang es Ries wie Erika Fuchs, die deutsche Sprache zu beeinflussen. Bis heute sagt man redensartlich: „Das macht nach Adam Riese...“


Dass Levi Strauss (1829 – 1902) eigentlich aus dem fränkischen Buttenheim kam und Löb Strauss hieß, war bis vor wenigen Jahrzehnten nahezu in Vergessenheit geraten. Nach dem Tod des Vaters war seine Familie in die USA ausgewandert und stieg in den Textilhandel ein. Levi, wie er sich inzwischen nannte, gründete 1853 in San Francisco einen Handel für Stoffe und Kurzwaren. 1873 meldete er ein Patent für Arbeitshosen an: Die Hosentaschen und andere stark beanspruchte Stellen waren mit Nieten versehen, die strapazierfähige Baumwolle aus Frankreich wurde mit Indigoblau gefärbt. Die Jeans war erfunden.

Christoph Clavius als Erfinder der gregorianischen Kalenderform, die Gebrüder Dassler als Macher der aus der Fußballszene nicht mehr wegzudenkenden Schraubstollenschuhe, der Entdecker der Jupitermonde Simon Marius, Düsenflugzeugvater Willy Messerschmidt oder auch der im Vorjahr verstorbene zugewanderte Würzburger Nicolino di Camillo als Begründer der ersten Pizzeria in Deutschland: Sie und noch viele andere „patente Franken“ haben Geschichte geschrieben. Und Würzburgs Oberbürgermeister Christian Schuchardt sieht darin gleichzeitig eine politische Botschaft: Erfolgreich sein mit Köpfchen sei auch in Zukunft für die Region von ganz großer Bedeutung – und damit einhergehend Investitionen in Wissenschaft und Technik.

Papiertaschentücher, Kultgetränke Bionade, das Bobby-Car, Playmobilmännchen, der Bocksbeutel, Schraubstollenschuhe und die Jeans haben eines gemein: Es handelt sich um Erfindungen „patenter Franken“.

Fotos: Michaela Schneider


Der Artikel ist unter anderem im Main Echo erschienen.

Infokasten: Über die Ausstellung „Patente Franken“


Die Wanderausstellung „Patente Franken“ im Mainfränkischen Museum auf der Festung Marienberg in Würzburg ist bis einschließlich 30. Oktober zu sehen. Geöffnet ist Dienstag bis Sonntag jeweils zwischen 10 und 17 Uhr. Begleitend zur Ausstellung ist ein 112-seitiges Buch erschienen, in dem zahlreiche „patente Franken“ und ihre Erfindungen vorgestellt werden.