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Salbkegel aus Fett und Duftstoffen in den Haaren
Die Geschichte des Parfums ist fast so alt wie die Menschheit selbst – Ein Blick
 auf Düfte in der Antike – Workshop im Martin-von-Wagner-Museum am Valentinstag


Von Michaela Schneider

Würzburg Man könne einen freien Mann nicht von einem Sklaven unterscheiden, wenn sich beide parfümieren, kritisierte der griechische Philosoph Sokrates im 5. Jahrhundert vor Christus. Doch jeder Mensch will gut riechen, vor allem auch fürs andere Geschlecht. Und so ist die Geschichte des Parfums fast so alt wie die Menschheit selbst. In einem Workshop im Martin-von-Wagner-Museum in Würzburg konnten sich Teilnehmer pünktlich zum Valentinstag am 14. Februar auf die Spur antiker Duftstoffe begeben. Dabei ging es um Babylonier und Ägypter, Griechen und Römer.


Sicher belegt sei die Verwendung von Duftstoffen ab ungefähr 5000 vor Christus im Babylonischen Reich, sagt Felix Röhr, Geschäftsführer der Museumsinitiative des Martin-von-Wagner-Museums.  Er weiß. Wovon er spricht, denn: Er ist nicht nur Archäologe, sondern verkauft selbst Parfum im Online-Versand. Röhr erzählt: Auf die Spur des babylonischen Duftbooms kamen Wissenschaftler, weil man bei Ausgrabungen in kostbaren Gefäßen eingetrocknete Reste von Tier- und Pflanzenextrakten fand. Konserviert wurden Düfte in der Antike allerdings anders als heute, denn hochprozentiger Alkohol als Lösungsmittel wird erst seit dem 16. Jahrhundert verwendet. Heißt: Antike Parfums waren nicht flüssig wie heute.


Stattdessen verwendeten die Menschen Salben und Öle.  Duftstoffe wurden dafür mittels Wasserdampf destilliert, in kochendem Öl extrahiert oder mit Fett absorbiert. Experten bezeichnen letzteres Verfahren als Enfleurage. Dabei werden oftmals riesige Mengen an Rohstoff benötigt. So bedarf es für ein einziges Kilogramm Rosenöl 5000 Kilogramm Rosenblätter.

Laut Röhr duftete es in der Antike etwa nach dem Holz von Zedern, Zimt, Wacholder und Zypresse; nach dem Blättern von Lorbeer und Muskatellersalbei; nach dem Blüten von Hyazinthe, Lavendel und Rose; nach Harzen wie Weihrauch und Myrrhe; oder auch nach den Wurzeln der Arnika.


Warum aber reagieren Menschen so sensibel auf Düfte und Gestank? Tatsächlich gilt der Geruchssinn heute in der Wissenschaft als der komplexeste chemische Sinn im menschlichen Körper. In der Nase befinden sich um die zehn Millionen Riechzellen kombiniert mit 80 Millionen Riechhärchen. Auf kompliziertem Weg gelangen die olfaktorischen Reize dann von der Nase zum Gehirn. Man nimmt an, dass der Mensch rund 10000 verschiedene Düfte identifizieren kann.


Doch ging es in der Antike in Sachen Duft längst nicht nur um den menschlichen Wohlgeruch. Dafür ein Blick ins alte Ägypten.  Hölzer, Harze und Blätter wurden hier als Räucherwerk zu ehren der Götter eingesetzt. Starb ein Pharao, kamen bei der Einbalsamierung duftende Essenzen und Salben zum Einsatz. Man glaubte, durch betörende Düfte den Göttern näher zu kommen – eine Tradition, die später auch im Christentum Einzug hielt: Weihrauch steht in der katholischen Liturgie für Reinigung, Verehrung und Gebet und gilt als Zeichen der Gegenwart Gottes, beziehungsweise dem Wehen des Heiligen Geistes.


Duftende Öle dienten in der Antike zudem der Krankenheilung und wurden bei Weihe-Riten verwendet. „Kranke wurden damals in Tempelbezirken behandelt“, erzählt Röhr. Die Ärzte jener Zeit setzten dabei auf eine Kombination aus Heilmitteln und der Kraft Gottes. „Die Menschen wurden gesalbt, damit lag ihre Genesung in Gottes Hand“, sagt der Archäologe.  

Doch wussten die Ägypter herrliche Düfte auch ganz weltlich zu schätzen: Edle Damen ließen sich seinerzeit Salbkegel aus Fett und Duftstoffen in die Haare einarbeiten. Ein Gutenachtwunsch lautete: „Schlafe gut, die Nase voller Freuden!“ Wie wertvoll Kosmetikartikel damals waren, zeigen auch Funde im Grab des Pharaos Tutanchamun: Grabräuber entwendeten, wie man heute annimmt, kurz nach der Grablege  aus 50 Krügen 400 Liter Zutaten zur Herstellung kosmetischer Mittel.


Zudem ein Blick zu den Griechen.  Anscheinend war der Verbrauch von Salben und Duftölen derart hoch, dass man versuchte, ihre Produktion einzuschränken. Denn: Olivenöl war eigentlich Nahrungsmittel, die Nutzung als Kosmetikum betrachtete manch einer als Verschwendung. Und auch Sokrates scheint nicht angetan, dass sich selbst Sklaven parfümierten. Trotzdem ließ sich der Siegeszug der Duftstoffe nicht bremsen. Spätestens in Rom wurde Parfümieren zum Teil des alltäglichen Lebens. Der Begriff  Parfum leitet sich vom Lateinischen „per fumum“ ab. Wörtlich übersetzt bedeutet dies „durch den Rauch“.


Von den Mittelmeervölker übernahmen die Araber das Wissen um die Wohlgerüche. Und von dort gelangte dieses Jahrhunderte später durch die Kreuzfahrer wieder zurück nach Europa. Ab dem 17. Jahrhundert entwickelte sich Grasse in der französischen Provence zum Zentrum der  Parfumproduktion. Das weiß spätestens, wer Patrick Süßkinds Bestseller „Das Parfum“ gelesen hat.


Der Artikel  ist unter anderem  im Main-Echo erschienen.

Ein Blick auf die Düfte der Antike im  Martin-von-Wagner-Museum in Würzburg.

Fotos: Michaela Schneider


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