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Gabriele Brunsch (links) und Helga Kelber haben vor zehn Jahren zwei eigene Bühnen gegründet und spielen nun im Papiertheater Kitzingen.


Fotos: Michaela Schneider

Ein Miniatur-Holländer aus Aquarellpapier

In Kitzingen wird die alte Kunstform des Papiertheaters wieder zum Leben erweckt – Im
19. Jahrhundert spielten Familien in der eigenen Stube die Werke der großen Meister nach


Von Michaela Schneider

Kitzingen Meeresrauschen setzt ein. Eine Stimme erzählt von Begebenheiten „weit, weit oben im Norden“. Dann erklingt Wagners Arie des fliegenden Holländers im Papiertheater Kitzingen. Dazu schwankt auf Helga Kelbers kleiner Bühne ein kunstvolles gestaltetes Papier-Segelschiff in Silhouette. Das handgemalte Meer wogt, das Licht flackert geisterhaft vor dramatischer Kulisse. Jetzt tritt er selbst auf: der fliegende Holländer. Jener Mann, der Gott lästerte und nun dazu verdammt ist, ewig über die Weltmeere zu streifen. Retten kann ihn nur die Liebe einer Frau. Mit feinsten Pinselstrichen gezeichnet, erkennt man jede Locke des Miniatur-Helden aus Papier und jede Falte seines wallenden Umhangs. Eine knappe Stunde dauert der detailreiche Zauber vergangener Tage an diesem Spätnachmittag.


In erster Linie wenden sich die Inszenierungen im steinernen Gewölbe in der Grabkirchgasse in Kitzingen an Erwachsene. Doch gerade dank der begrenzten Dauer von maximal einer Stunde, sind fast alle Vorführungen auch kindertauglich. Mit Kasperltheater oder ähnlichem hat das zauberhafte Spektakel indes rein gar nichts zu tun. Papiertheater ist eine alte Kunstform, die ihre erste Blüte vor rund 200 Jahren zu Beginn des 19. Jahrhunderts erlebte.


Vor zehn Jahren begründeten Helga Kelber und Gabriele Brunsch das Papiertheater Kitzingen in Unterfranken. Jede der heute 64-jährigen Damen bespielt eine eigene Bühne. „Der blaue Schleier“ heißt jene von Gabriele Brunsch, „Anderwelt“ hat Helga Kelber ihre Bühne betitelt. Im Repertoire haben die theaterbegeisterten Künstlerinnen jeweils sechs Theaterstücke – angefangen bei zwei Wagner-Inszenierungen bis hin zum Kunstmärchen. Trotzdem erlebt man die Lehrerinnen im Ruhestand bei allen Vorstellungen im Doppelpack, denn: Beide Bühnen sind zu groß, um von einer Person bespielt zu werden. Gearbeitet wird mit verschiedenen Techniken: Während Helga Kelbers Darsteller mittels Führungsstäben bewegt werden, arbeitet Gabriele Brunsch mit einem Schienensystem.


Die Figuren und Kulissen haben die beiden Frauen zu allen Werken selbst gezeichnet und gebastelt. Lediglich beim „Fliegenden Holländer“ dienten alte Papiertheaterfiguren des 19. Jahrhunderts als Vorlage. Anschauen – auch aus der Nähe und mit Blick hinter den Vorhang – ist im Papiertheater jederzeit erlaubt, anfassen nicht: Die filigranen Figürchen aus Aquarellpapier wurden zwar mit Pappkarton verstärkt, sind aber trotzdem extrem empfindlich. Viel zu lange würde es dauern, Kulissen und Figuren zu ersetzen. Zwei Jahre braucht es mindestens, bis ein neues Papiertheater-Stück bühnenreif ist.


Die beiden Regisseurinnen basteln dabei nicht nur, sondern wählen Musik und Textpassagen aus, erarbeiten die Dramaturgie und nehmen den Ton mal allein, mal mit männlicher Unterstützung auf. Gabriele Brunsch hat einen Teil ihrer Werke sogar selbst geschrieben, unter anderem mit „Dido und Aeneas“ ein Drama nach antikem Vorbild. Zu sehen sein wird es wieder ab Februar. In 17 Szenen treten hier etwa 60 unterschiedliche Akteure auf, darunter allein elf verschiedene Dido-Figürchen, verrät sie. Fast fünf Jahre Arbeit steckten in dem Bühnenwerk.


Wie aber kamen die beiden Frauen vor zehn Jahren aufs Papiertheater? Auslöser war die Kunsthistorikerin und Papiertheatersammlerin Dorothea Reichelt aus Marktbreit. Sie organisierte damals eine Papiertheater-Ausstellung und wollte in dem Zusammenhang eines der einstigen Werke lebendig werden lassen. Die Wahl fiel auf den fliegenden Holländer. Als Mitstreiterinnen holte sie die beiden Lehrerinnen Helga Kelber und Gabriele Brunsch ins Boot – beide auch damals schon  künstlerisch und theaterdramaturgisch aktiv. Aus einer ersten Aktion entwickelte sich rasch eine Leidenschaft, die die beiden Unterfränkinnen bis heute nicht loslässt. Drei Jahre lang spielten sie  gemeinsam den Holländer, begründeten und bauten dann jeweils ihr eigene Theaterbühne und mieteten zusammen das Gewölbe in Kitzingen an.  „Hier können wir unsere Begabungen geballt in eine Kunstform packen“, sagt Helga Kelber.


Und während sie nach der Vorstellung vorsichtig den fliegenden Holländer und seine Senta verstaut, sagt ihre Theaterkollegin Gabriele Brunsch: „In den Figürchen steckt so viel Arbeit. Sie haben für uns alle ein Wesen.“

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Der Artikel ist unter anderem ein den Fränkischen Nachrichten erschienen.

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Infokasten: Papiertheater im 19. Jahrhundert


Die Menschen waren zu Beginn des 19. Jahrhundert theaterbegeistert und kannten die Werke der großen Meister. Regelmäßige Theaterbesuche aber gestalteten sich für das Gros der Bürger schwierig. Und so holte sich das Bildungsbürgertum Theater stattdessen ins Wohnzimmer. Druckereien fertigten – bald schon millionenfach - passgenaue Ausschneidebögen mit Figuren und Kulissen inklusive Textheftchen für die großen Bühnenklassiker. Die Familien setzten sich  zusammen und bastelten nach Vorlage. Dann wurde geprobt: Theaterspiel, Gesang, Musik. War die Inszenierung bühnenreif wurden Verwandtschaft und Freunde in die gute Stube geladen. Papiertheater als kreative Variante des modernen DVD-Abends sozusagen. Als im 20. Jahrhundert das Fernsehen Einzug hielt in die deutschen Haushalte, war die Zeit des Papiertheaters vorüber. Seit 20, 30 Jahren erlebt die  gutbürgerliche Kunstform allerdings eine Renaissance.


Infokasten: Über das Papiertheater Kitzingen


An zwei Wochenenden pro Monat finden Samstag und Sonntag öffentliche Vorstellungen im Papiertheater Kitzingen statt, die Termine werden im Internet unter www.papiertheater-kitzingen.de bekannt gegeben. Als nächstes stehen folgende Vorstellungen auf dem Programm: 18./19. sowie 25./26. Januar „AttaBoy und die Entführung“ - ein modernes Märchen von Gabriele Brunsch (ab zwölf Jahren); und 15./16 und 22./23. Februar „Dido und Aeneas“ oder „Die Zwischenzeit des Glücks“ - ein kleines antikes Drama von Gabriele Brunsch (ab 15 Jahren). Beginn ist immer um 17 Uhr. Zudem bieten Helga Kelber und Gabriele Brunsch Privatvorstellungen für Familien- oder Unternehmensfeiern im Gewölbekeller in der Grabkirchgasse 4 in Kitzingen an.