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„Palmboschen binden ist Tradition, ich kenn’s nicht anders“


Von Michaela Schneider

„Palmboschen binden ist bei uns Tradition, ich kenn’s nicht anders“, sagt der 14-jährige Linus aus dem Burgberger Ortsteil Agathazell. Sein Vater Willi Müller ergänzt: „Unsere Familie macht das inzwischen in vierter oder fünfter Generation, das gehört zu Ostern einfach dazu.“ Gebunden werden dann bei den Müllers nicht ein oder zwei Palmboschen, sondern 30 bis 40, denn die Buben der Familie versorgen auf Wunsch die Dorfbewohner in Agathazell mit. Schöner Nebeneffekt: Kleine Spenden für die Kinder, um das Taschengeld aufzubessern.


Linus weiß genau, was es mit den Palmboschen auf sich hat. „Das geht auf Jesus zurück, der auf einem Esel nach Jerusalem eingeritten ist und von den Menschen mit Palmwedeln begrüßt wurde“, erzählt der Bub. Die Palmboschen gelten dabei als Sinnbild für Jesu Leben und Leiden, denn mit dem Palmsonntag beginnt die Karwoche. Sie mündet im Osterfest, an dem Christen Jesu Auferstehung feiern.


Zwischen 20 und 25 Buben aus dem Dorf legen am Palmsonntag traditionell ihre Palmbuschen vor den Altar. Diese werden dann vom Pfarrer geweiht. Spaßiger Brauch in der Region: Am Ende des Gottesdienstes gibt der Priesteein Signal. Dann rennen die Buben zum Altar, holen ihren Palmboschen und spurten so schnell wie möglich aus der Kirche. Warum, erklärt Linus: „Wer als letzter rausläuft, ist der Palmesel. Der ist dann am Palmsonntag der Schande ausgesetzt.“ Andernorts wird übrigens gerne auch als Palmesel bezeichnet, wer in der Familie am Palmsonntag als Letzter morgens aufsteht.


Weit vor dem Palmsonntag müssen jedoch zunächst einmal die „Zutaten“ für die Palmboschen gesammelt werden. Immergrüne Zweige und Hölzer wie Eichenlaub, Palmkätzchen, Stechholder, Eibe oder Thuja zählt Linus unter anderem auf und fügt wie selbstverständlich hinzu: „Man sollte schon wissen, wie heimische Pflanzen aussehen und wachsen.“ Die Boschen binden die Müllers dann mit Weide zusammen und befestigen sie an einem Haselnusstock, der an ein Zepter als Zeichen für Jesu Königswürde erinnert.


 Allein mit dem Binden sind die männlichen Müllers einen Dreivierteltag beschäftigt.  Und die Mädchen und Frauen? „Alte Tradition ist, dass Buben zwischen sechs und 15 Jahren beim Palmboschen binden mitmachen. In Zeiten der Emanzipation sind in manchen Gemeinden heute auch Mädchen dabei. Bei uns bisher nicht“, erzählt Willi Müller.


Daheim befestigen die Müllers einen gesegneten Boschen hinterm Kreuz in der Stube. Ein zweiter  hängt bei den Tieren im Stall, denn die Familie betreibt im Nebenerwerb einen kleinen Milchviehbetrieb mit zwölf Kühen. Schützen sollen die Boschen die Hausbewohner vor Blitz  sowie Feuergefahr und das Vieh zudem vor Rauschbrand. „Bei heftigen Gewittern verbrennen wir ein  Stück Palmboschen im Ofen, um das Gewitter zu vertreiben“, erzählt Vater Willi Müller.  Die Reste des alten Boschen wandern schließlich am nächsten Palmsonntag in den Ofen.

Der Artikel wurde im Ferienjournal Alpsee-Grünten veröffentlicht.

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