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Von Michaela Schneider

 

Würzburg Seine Arbeit habe ihn verändert, sagt Günter Schuhmann – so lebt er heute sehr bewusst, schiebt Wünsche und Pläne nicht unnötig auf. Denn: Häufig erlebt der 52-jährige, dass individuelle Träume durch schwere Krankheit schnell zerplatzen können. Tagtäglich befasst sich der Lehrer für Pflegeberufe mit dem Thema Tod, mit den Bedürfnissen sterbenskranken Menschen, dem Kummer der Angehörigen und den Anliegen von Ärzten, Pflegern oder auch Seelsorgern. Günter Schuhmann ist Leiter der Akademie für Palliativmedizin, Palliativpflege und Hospizarbeit im Juliusspital in Würzburg. Sie ist bayernweit eine von vier Fortbildungseinrichtungen dieser Art. Seit 2001 wird hier Fachwissen zur Palliativmedizin an Experten wie auch Privatpersonen weitergegeben. Auch Erkenntnisse aus der praktischen Arbeit fließen in die Schulungen und Seminare mit ein, denn: Im selben Jahr wie die Akademie eröffnete im Juliusspital die erste Palliativstation in Unterfranken, seit 2005 gibt es zudem einen ambulanten Pflegedienst der etwa in einem Umkreis von 70 Kilometern rund um Würzburg gleichzeitig 30 bis 50 Menschen betreut. 2010 konnte er auf einen kompletten ärztlichen und pflegerischen 24-Stunden-Bereitschaftsdienst erweitert werden.

 

Was aber bedeutet Palliativmedizin eigentlich? Während es laut Schuhmann in der so genannten kurativen Medizin um Heilen geht, dreht sich die Palliativmedizin ums Lindern der Symptome einer unheilbaren Krankheit. In stationären Hospizen geht es darum, Menschen in der letzten Lebensphase zu begleiten und ein würdevolles Sterben zu ermöglichen. Ziel dagegen auf der Palliativstation: den sterbenskranken Menschen durch eine symptomatische Therapie soweit zu unterstützen, dass er im Idealfall wieder in die eigenen vier Wände zurückkehren kann.

 

Dabei stehen der Mensch und seine ganz persönlichen Wünsche im Mittelpunkt, die jeweiligen Behandlungen werden auf seine Bedürfnisse abgestimmt. Schuhmann veranschaulicht: Das Tumorleiden eines Patienten ist beispielsweise weit fortgeschritten, Bestrahlungen und eine Chemotherapie wären möglich, vielleicht würde er dann nicht vier, sondern acht Wochen weiterleben – davon aber sechs Wochen lang im Krankenhaus liegen, statt daheim bei der Familie zu sein. „Hier geht es nicht darum zu reflektieren, was man medizinisch noch alles tun könnte. Es geht darum zu fragen, was für diesen Menschen in dieser Situation das Richtige ist“, so der Akademieleiter. Ein zentraler Begriff in der Palliativmedizin ist dabei die Lebensqualität – und auch diese kann nur der Betroffene für sich selbst definieren. Schon eine Zigarette oder ein Stück Schokolade macht den einen Patienten einen Augenblick lang glücklich. Anders, so Schuhmann: „Ein Mensch, der früher sehr kommunikativ war und nach einem Schlaganfall plötzlich nicht mehr sprechen kann, mag dagegen für sich keine Lebensqualität mehr sehen“. Hier zeigt sich, wie differenziert und sensibel in der Palliativmedizin Entscheidung zu treffen sind. Zwar wird aktive Sterbehilfe klar abgelehnt. Doch seien die Wünsche zu berücksichtigen – und dadurch bestimmte, medizinisch mögliche Behandlungstherapien gegebenenfalls nicht mehr zu veranlassen, so der Akademieleiter.

 

Der palliative Gedanke ist dabei eigentlich nicht neu – auch wenn ein Blick in die Krankenhauslandschaft den Eindruck erwecken könnte, denn gerade im ländlichen Raum ist die palliative Versorgung trotz Rechtsanspruchs immer noch lückenhaft. Hindergrund: Die individuellen Bedürfnisse des Menschen gerieten in den medizinischen Fortschritten immer weiter aus dem Blick – Schuhmann spricht von einer „Apparatemedizin“. Er kritisiert: Das medizinische System heute sei schon aufgrund des Zeit- und Kostendrucks auf junge Leute ausgelegt – und nicht auf alte, sterbenskranke Menschen, bei denen nun einmal jeder Handgriff, jedes Gespräch viel länger dauere. Entscheidungen in Kliniken würden aufgrund von Zeitmangel am Patienten vorbei getroffen. Es gehe um Zahlen und Durchschleusen. „Das ist vielleicht vertretbar, wenn ich mir ein Bein breche, nicht aber am Lebensende“, sagt Schuhmann.

 

Das französische Sprichwort: „Heilen – manchmal, lindern – oft, trösten – immer“ klingt da aus Sicht eines Palliativmediziners sehr modern, stammt aber aus dem 16. Jahrhundert. In mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Hospizen wurde nicht nur alten und gelähmten Menschen, sondern auch chronisch Kranken und Pflegebedürftigen Zuflucht gewährt. Vor allem im 19. Jahrhundert erschienen etliche Arbeiten zur ärztlichen Sterbebegleitung. Eines Tages allerdings war mit der modernen Medizin immer mehr möglich, auch bei lebensbedrohlichen, schon sehr weit fortgeschrittenen Krankheiten rückte die Heilung ins Zentrum nahezu aller Bemühungen – selbst wenn die Erfolgsaussichten bei nahezu Null standen. Die Symptombehandlung und die individuellen Sorgen, Ängste und Bedürfnisse der Patienten blieben dabei häufig außen vor.

 

„Bis in die 1960er Jahre wurde in der Medizin getan, was man tun konnte – bis schließlich ein Punkt erreicht war, an dem man fragte: Ist das noch gut für den Patienten?“, sagt Schuhmann. Beispiel Magensonde: Diese war anfangs für Patienten gedacht, die etwa nach einer Mittelgesichtsfraktur zeitweise nichts essen konnten als „Sonde auf begrenzte Zeit“. Heute kann bis zum Tod künstlich ernährt werden. Ethisch fraglich wird die lebensverlängernde Maßnahme, wenn ein sterbenskranker Patient bewusst  Nahrung verweigert.

 

Die erste deutsche Palliativstation eröffnete 1983 in Köln. Als eigenständige Wissenschaft hielt die Palliativmedizin Ende des Jahrtausends Einzug an der ersten Universität. Die Palliativstation im Juliusspital war 2001 die erste in Unterfranken und die siebte in Bayern.

 

Die Palliativakademie des Juliusspitals bietet dabei zum einen Schulungen für Fachkräfte an, zum anderen will sie die breite Öffentlichkeit aufklären. Die Kurse dauern – je nach Berufsgruppe – insgesamt bis zu 160 Stunden. Hinzu kommen kürzere Seminare zu Spezialthemen wie Atemtherapie, Patientenverfügungsberatung, Trauerbegleitung für Ehrenamtliche und Ethikberatung. „Unsere Weiterbildungen für Fachkräfte richten sich praktisch an alle Berufsgruppen, die mit Menschen im letzten Lebensabschnitt zu tun haben – von Ärzten und Pflegekräften über Therapeuten bis hin zu Seelsorgern“, sagt Schuhmann. Die meisten Kursteilnehmer kämen aufgrund persönlicher Erfahrungen in die Kurse – wegen eines Todesfalls in der Familie oder einem bestimmten Erlebnis  während der Berufsausübung.

 

Intensives Anliegen in allen Kursen: eine neue Grundhaltung. „Wir wollen Ärzten und Pflegekräften vermitteln, ihre Patienten und deren Lebensentwürfe ernst zu nehmen, darauf einzugehen und die Behandlungsziele entsprechend auszurichten“, sagt Schuhmann. Eine zentrale Rolle spiele dabei das Thema Kommunikation. In Rollenspielen versetzen sich Mediziner deshalb selbst in die Lage sterbenskranker Menschen, trainieren zuzuhören und aufs Gegenüber einzugehen. Hier spielen auch betriebswirtschaftliche Aspekte hinein, der Akademieleiter veranschaulicht: Ein Patient, der gerade eben die Diagnose Krebs erfahren habe, sei mit sich selbst beschäftigt, könne erst einmal keine anderen Informationen mehr aufnehmen oder Entscheidungen treffen. Sinnvoller und wesentlich effektiver, als gleich über Behandlungsmöglichkeiten zu sprechen, sei daher ein zweites Gespräch am Folgetag. In der Kommunikation hinein spielt auch der Umgang mit der Trauer von dem Tod. „Ein Patient darf traurig sein, Pflegepersonal sollte dies verstehen und zulassen“, sagt Schuhmann.

 

Ärzte und Pflegekräfte werden überdies in der Symptombehandlung geschult. Häufigsten

Beschwerden: Schmerzen, Verstopfung, Atemnot und Erbrechen. Dabei ist die Medizin heute in der Symptomlinderung laut Schuhmann weit, eine entsprechende Behandlung mache dabei vielfach „das Leben wieder lebenswerter“. „Aus diesen Erfahrungen heraus bieten wir seit kurzem auch Kurse für Physiotherapeuten in der Palliativakademie an. Wir wollen ihr Verständnis wecken, wie es dem Menschen im Bett geht, wie er sich fühlt“, sagt Schuhmann. Zudem beinhalte der Kurs Spezialanwendungen wie etwa die Colonmassage – eine Darmbehandlung, die bei Verstopfung durch Medikamente helfen kann.

 

Auch wendet sich die Palliativakademie des Juliusspitals mit regelmäßigen Vorträgen an die Öffentlichkeit. Der palliative Gedanke wird immer noch stark mit dem Sterben verknüpft – dabei geht es eigentlich um die Zeit davor“, so Schuhmann. Der Tod sei ein Thema, über das die meisten Menschen nicht sprechen möchten. „Wir blenden das Alt- und Gebrechlich-Sein aus – es ist aber Realität in einer Gesellschaft, die immer älter wird“, so Schuhmann.

Patientenwünsche rücken am Lebensende in den Blick

Die Akademie für Palliativmedizin am Juliusspital in Würzburg schult Fachpersonal und klärt
die Öffentlichkeit auf – Leiter der Akademie beschreibt, wie Leiden sterbenskranker Menschen gelindert werden

 

 


Forschungsverbund setzt sich mit den Ursachen und Folgen für Mensch und Natur auseinander

          

An der Palliativakademie werden Fachkräfte geschult, die mit Menschen im letzten Lebensabschnitt zu tun haben – im Bild ein Kurs für Berufe im Gesundheitswesen von Kranken- und Altenpflegern bis hin zu Sekretariats- und Servicemitarbeitern.   

Foto: Michaela Schneider

Zeit für Stille – oder auch einmal für Klagen: Hierfür gibt es am Juliusspital auf der Palliativstation einen eigenen Raum.      

 

Foto: Michaela Schneider

 

Der Artikel ist unter anderem in „Gesundheit - Das Magazin“ erschienen.

Anspruch auf Palliativversorgung

 

Laut Paragraph 37b im Sozialgesetzbuch (SGB) V besteht ein Rechtsanspruch auf Palliativversorgung. Grundlage ist das Gesetz zur Regelung der Patientenverfügung, das der Deutsche Bundestag im Juni 2009 beschlossen hat. Wörtlich heißt es im SGB: „Versicherte mit einer nicht heilbaren, fortschreitenden und weit fortgeschrittenen Erkrankung bei einer zugleich begrenzten Lebenserwartung, die eine besonders aufwändige Versorgung benötigen, haben Anspruch auf spezialisierte ambulante Palliativversorgung. Die Leistung ist von einem Vertragsarzt oder Krankenhausarzt zu verordnen. Die spezialisierte ambulante Palliativversorgung umfasst ärztliche und pflegerische Leistungen einschließlich ihrer Koordination insbesondere zur Schmerztherapie und Symptomkontrolle und zielt darauf ab, die Betreuung der Versicherten nach Satz 1 in der vertrauten Umgebung des häuslichen oder familiären Bereichs zu ermöglichen...“

dazu, dass Wissenschaftler über Generationen mit diesen weiterarbeiteten. „Das Veto hat immer das Original. Das stand früher den wenigsten zur Verfügung. Im digitalen Zeitalter hat jeder die Möglichkeit Handschrift und Transkription selbst zu überprüfen“, sagt Schmidt.

 

Günter Schuhmann ist Leiter der einzigen Palliativakademie in Unterfranken.

 

Foto: Michaela Schneider

Foto: Michaela Schneider

 

Foto: Michaela Schneider

Gemütlichkeit statt Krankenhausatmosphäre: Hierauf wird auf der Palliativstation wert gelegt, so zum Beispiel im Aufenthaltsraum.     Foto: Michaela Schneider

Foto: Michaela Schneider