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Über Fesseln der Konventionen hinweg getanzt
Stehende Ovationen bei der Uraufführung von „Die Päpstin: Das Ballett“ am Mainfranken Theater


Von Michaela Schneider

Würzburg Johanna presst das schwarze Buch an die Brust, tanzt mit ihm einen Liebestanz. Wissen, Bildung und die Macht der Worte verzücken das Mädchen – und doch kommt die Geschichte auf der Bühne des Mainfranken Theaters Würzburg ganz ohne Worte aus: Ballettdirektorin Anna Vita lässt die Legende der Johanna von Ingelheim nach Motiven des Romans von Donna Woolfolk Cross tanzen. Das Publikum lohnt Inszenierungsidee und Ensembleleistung bei der Uraufführung von „Die Päpstin: Das Ballett“ mit stehenden Ovationen, vor allem jubeln die Zuschauer der Choreographin und Kaori Morito in der Hauptrolle der Johanna zu.


Wie viel Wahrheit in der Legende der Priestertochter Johanna von Ingelheim steckt, ist bis heute strittig. Seit dem 13. Jahrhundert kursiert die Geschichte um eine junge Frau, die sich als Mönch verkleidet Zugang zur Bildung verschafft, nach Rom zieht, dort zum Papst gewählt wird und schwanger wird. Das Szenario des 12. Jahrhunderts böte die Möglichkeit zum mittelalterlichen Historienreigen. Choreografin Anna Vita und Sandra Dehler, die für Bühne und Kostüme verantwortlich zeichnet, wählen einen andern, zeitlos-symbolischen Ansatz.


Bewegliche Balken in rostiger Metalloptik bilden Kreuze, formen sich zur Kathedrale, werden zu tödlichen Waffen, halten gefangen, sorgen für ständige Dynamik. Dazwischen bewegen sich die Protagonisten, tragen einfache, wehende Gewänder in den leuchtenden Symbolfarben der Liturgie. Der schlichte schwarze Raum wird mal ganz, mal punktuell ausgeleuchtet, das ermöglicht rasche Szenenwechsel, sorgt für Bühnentiefe (Licht: Walter Wiedmaier). Kurzum: Funktionalität und Ästhetik formen sich in Bühnenbild, Kostümen und Licht zur ansprechenden, ausdrucksstarken Einheit.  Die Zeitlosigkeit wird dabei noch unterstrichen durch die sehr gemischte Musikauswahl, die vor allem eines tut: Emotionen unterstreichen. Mal tönen sakrale Klänge vom Band, mal mystischer Chorgesang, dann wieder aufgeregter Computersound oder süße Streicherklänge.


Donna W. Cross` Roman aus dem Jahr 1996 umfasst satte 585 Seiten geballte Handlung. Nicht tanzbar, will man meinen, schon gar nicht in knappen zwei Stunden. Anna Vita findet trotzdem einen Weg, eine sehr runde Geschichte zu erzählen, denn sie lässt Johannas Weggefährten als Stereotype auftreten: den dominanten Vater, die liebende Mutter, den fiesen Mörder zum Beispiel. Das führt zwar einerseits zu vereinfachten Gut-oder-Böse-Szenarien, passt andererseits wieder in die abstrakte Inszenierart und lässt pure Gefühle in den Vordergrund treten.


Entsprechend wird den Tänzern in „Die Päpstin“ vor allem emotionale Ausdruckskraft abverlangt. Für Würzburgs Ballettensemble ist dies kein Novum und es weiß gekonnt damit umzugehen, schließlich ist aussagekräftige Bewegungssprache für Anna Vitas Choreographien typisch, die klassische wie moderne Tanzelemente wie selbstverständlich vereinen. Unter den Solotänzern fallen Cara Hopkins als Frau in den Fesseln der Konventionen und Johannas Mutter auf, Ioannis Mitrakis als Vater und dominanter Unsympath sowie Davit Bassénz als Johannes hingebungsvoller Geliebter Gerold. Star des Abends ist dennoch – wieder einmal – die wunderbare Kaori Morito, die in Würzburg auch schon als Carmen, als Aurora in Dornröschen oder als Scheherazade über die Bühne wirbelte. Sie tanzt Träume und Sehnsüchte, kämpft sich aus gesellschaftlichen Fesseln frei, liebt und leidet in Bewegungen, Mimik, Gestik. Tatsächlich wünscht man sich, dass mancher Tanzpart länger dauern würde, denn – und das ist vielleicht ein Manko der Inszenierung: Weil viel zu erzählen ist und Szenen rasch wechseln müssen, rückt der Tanz um des Tanzes Willen in den Hintergrund.   


Trotzdem: Das Publikum ist begeistert, genießt die zauberhafte Gesamtästhetik aus Bewegung, Bühne, Farben, Licht und Musik. Und fiebert mit bei einer Geschichte um Rollenbilder und Konventionen, um Liebe Hass und Mord sowie um die Macht der Bildung.


Dauer: 135 Minuten (mit Pause); nächste Vorstellungen: 19.30 Uhr:  04.11./ 19.11./ 29.11./ 03.12./ 11.12./ 15.12./ 21.12./ 25.12./ 05.01./ 12.01./ 21.01./ 27.01./ 08.02./ 16.02./ 11.03.

Der Artikel  ist unter anderem  im Main-Echo erschienen.