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Schachspiel mit Gefühlen
Für die Verdi-Oper „Otello“ holt das Mainfranken Theater den gefragten
Opernregisseur Guy Montavon nach Würzburg – Das Publikum ist gespaltener Meinung


Von Michaela Schneider
Würzburg  
Ja, natürlich geht es im Otello um bedingungslose Liebe und abgrundtiefen Hass, um das Gift der Lüge und um blind machende Eifersucht. Doch in der Inszenierung der Verdi-Oper am Mainfrankentheater Würzburg erlebt das Publikum eine weitere Ebene: Nicht nur Otello wird wie auf einem großen Schachbrett fremd gesteuert, sondern auch der eigentliche Motor der Intrige, der Fiesling Jago, ist nur Handlanger höherer Mächte. Und so kommt es, dass sich Otello an diesem Abend nicht selbst erdolcht, nachdem er aus fremd geschürter Eifersucht seine Gattin Desdemona ermordet hat. Vielmehr wird er von Lodovico, dem Gesandten der Republik Venedig, gerichtet. Anschließend wenden sich die Akteure der großen Intrige geschlossen ab vom toten Liebespaar und lassen die Ereignisse wie ein Beziehungsdrama aussehen.


Vielleicht ist es die freie Interpretation des 1887 uraufgeführten Verdi-Werks durch den international gefragten Opernregisseur Guy Montavon, Generalintendant des Theaters Erfurt, die manchen Zuschauer in Würzburg nicht zufrieden stimmt. Denn neben dem freundlichen Applaus für Sänger und Orchester werden am Ende der Premiere überraschend nachdrückliche Buhrufe laut mit Blick auf die Inszenierung.  Dabei ist der Abend in sich durchaus stimmig und topaktuell in Tagen, in denen Menschen mit anderer Hautfarbe, mit anderem Glauben Ablehnung erfahren - und in denen sich andere Menschen dramatisch instrumentalisieren lassen.


Zumindest mit Ray M. Wade jr. geht das Mainfranken Theater kein Risiko ein, hat sich der amerikanische Tenor doch schon an manchem deutschen Theater als Otello bewiesen.  Weicher, zarter Gesang voller Emotion und Verletzlichkeit, mächtiges Forte voll blinder Wut und herrlich klare Spitzentöne männlicher Stärke reißen das Publikum mit hinein ins Wechselbad der Gefühle, dem der Befehlshaber der venezianischen Flotte ausgesetzt ist. Wade weiß als Otello Blitze nicht nur mit der Hand des Zorns, sondern auch mit der Stimme zu schleudern. Mindestens ebenso überzeugt aber Adam Kim als Jago. Der Bariton verkörpert einen Fiesling, wie er fieser nicht daher kommen könnte. Er spukt aus, singt mal mit hassverzerrtem Gesicht in linkischer Körperhaltung, mal mit arrogant hochgezogener Augenbraue und fiesem Grinsen. Bewusst gepresste Töne sprühen dem Publikum wie purer Hass entgegen.  Bleibt in den Hauptrollen noch Karen Leiber als die Desdemona. Im ersten Akt hat die Sopranistin bei der Premiere Anlaufschwierigkeiten, wirkt ein Stück weit hölzern und man will ihr die bedingungslose Liebe zu Otello nicht recht abnehmen. Ab dem zweiten Akt erlebt das Publikum das feste Würzburger Ensemblemitglied, wie es sie seit fünf Jahren liebt: Als Sängerin, die die Dramatik beherrscht und sich überzeugend zwischen unschuldiger Stimmklarheit und tiefer Verzweiflung bewegt.


Verdis Otello ist keine Oper, die dem Orchester Raum für viel Selbstinszenierung bietet. Entsprechend nimmt das Philharmonische Orchester Würzburg unter Leitung von Generalmusikdirektor Enrico Calesso seine begleitende Rolle an, setzt rare Akzente, die gerade in ihrer Sparsamkeit überzeugen. Exemplarisch seien der donnernde Beginn mit Paukenschlägen und Kanonendonner und im Kontrast die zarten, verklingenden Töne am Ende des ersten Akts genannt. Schöne Akzente setzt zudem der Chor unter Leitung von Michael Clark – die chorale Fulminanz macht kleine Gesangsschwächen in den schnellen Passagen wett.     


Für die Kostüme und die Bühne zeichnet der Italiener Francesco Calcagnini verantwortlich, er lässt Chor wie Solisten durch die Bank in grauer und schwarzer Militärkleidung auftreten, nur die Desdemona und der Gesandte der Republik tragen strahlendes Weiß. Schachbrettfiguren, die hin und her geschoben werden. Wer gut und wer böse ist, wer für die weißen und wer für die schwarzen Figuren steht, spielt dabei eigentlich keine Rolle im großen, fremd bestimmten Spiel. Es braucht – wie so oft in der großen Politik - offensichtliche Täter, offensichtliche Opfer, um andere Interessen zu verschleiern. Calcagnini präsentiert dem Publikum in den vier Akten recht unterschiedliche Bühnenbilder, bei denen er mit Linien, Rechtecken, Dreidimensionalität im Bühnenraum, angedeuteten Schachbrettquadraten spielt. Gemein ist den Bühnenbildern, dass sie allesamt durch Licht-, Farb- und Nebeleffekte eine unheimliche Umgebung voller Kälte andeuten, in der Liebe und Gefühle geopfert werden.  


Dass ein Teil des Publikums seine Probleme mit Guy Montavons Inszenierung hat, mag übrigens ein Stück weit auch daran liegen, dass bei der Premiere ein kleiner technischer Defekt für Undurchsichtigkeit sorgt. Denn als Lodovico den Revolver gegen Otello richtet, ist zwar ein leises, zweimaliges Klicken zu hören, ein Schuss fällt jedoch nicht. Bleibt abschließend zu sagen: Musikalisch lohnt sich ein Besuch des Otello allemal. Zugegeben, die Regie interpretiert den Otello recht frei, doch regt die Inszenierung mehr zum Denken an, als es einem reinen Beziehungsdrama gelänge.


Dauer: 165 Minuten (mit Pause); nächste Vorstellungen: 19.30 Uhr:  24.10./ 31.10./ 08.11./ 13.11./ 17.11./ 25.11./ 05.12./ 17.12./ 20.12./ 27.12./ 08.01./ 13.01.; 15 Uhr:  24.01.

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Der Artikel  ist unter anderem  im Main Echo erschienen.