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Berge und Burgen, Seen und Schlösser

Das Ostallgäu lockt Wanderer, Radler und  Wintersportler, aber zum Beispiel auch Kultur- und Burgenfreunde


Von Michaela Schneider


Schloss Neuschwanstein sprengt Besucherrekorde: 1,5 Millionen Menschen aus aller Welt kamen im Jahr 2013 nach Schwangau, um König Ludwigs Märchenschloss zu besichtigen. Gerade Gäste aus dem Ausland reisen oft nur für einen einzigen Tag ins Ostallgäu. Doch reduziert man den Landkreis auf die Königsschlösser Neuschwanstein und Hohenschwangau, tut man der Region Unrecht. Mit Seen und Bergen, Wäldern und Wiesen lockt hier eine herrlich abwechslungsreiche Erholungsregion für Wanderer und Radler, aber auch Wintersportler. Das Kloster Irsee begeistert Kunstfreunde. Die Stadt Füssen bezaubert nicht nur durch ihre Lage, sondern lockt mit altem Mauerwerk. Auch Mittelalter- und Burgenfans kommen auf ihre Kosten. Musikliebhaber zieht es unter anderem nach Marktoberdorf zum Festival Musica Sacra International.


Zunächst ein Blick auf die Geographie.  Das Ostallgäu liegt im schwäbischen Südosten und erstreckt sich vom Norden bis ganz in den Süden des Allgäus. Entsprechend abwechslungsreich präsentiert sich das Landschaftsbild von der schwäbisch-bayerischen Hochebene übers Alpenvorland bis zur Hochplatte der Ammergauer Alpen in mehr als 2000 Metern Höhe. Zum Landkreis gehören mit Buchloe, Füssen und Marktoberdorf drei Städte, zudem sechs Gemeinden, sieben Markgemeinden und zehn Verwaltungsgemeinschaften. Kaufbeuren liegt zwar mitten im Ostallgäu, zählt aber als kreisfreie Stadt nicht zum Landkreis. Knapp 135000 Menschen leben in der Region.


Im Sommer zieht es Radfahrer und Wanderer ins Ostallgäu. Als „Erlebnisregion Schlösser“ ist es Teil der Wandertrilogie Allgäu – einem touristisch attraktiv aufbereiteten, 876 Kilometer umfassenden Wanderwegenetz in drei Höhenlagen. Angedacht ist zudem, das Allgäu 2015 als Radreiseregion vom Deutschen Fahrradclub zertifizieren zu lassen. Hier will sich das Ostallgäu mit verschiedenen Themenradrunden beteiligen. Im Winter reisen Skifahrer, Langläufer,  Schneeschuhgänger und Winterwanderer in die Region.  Die Skigebiete Alpspitze, Breitenberg, Buchenberg und Tegelberg eignen sich mit zusammen 60 Pistenkilometern vor allem auch für Familien.


Neben Wiesen, Hügeln und Bergen prägt Wasser das Landschaftsbild. Das erfährt, wer im Sommer zum Beispiel die Seenlandschaft rund um Füssen mit dem Fahrrad erkundet: Mit rund 16 Quadratkilometern ist hier der als Stausee künstlich angelegte Forggensee das größte stehende Gewässer im Ostallgäu. Den Hopfensee bezeichnen Einheimische wegen seines fast schon mediterranen Flairs auch als bayerische Adria. Geheimnisumwittert indes der Alatsee, der auch „blutender See“ genannt wird, denn: Purpur-Schwefelbakterien lassen das Wasser rot leuchten.  Übers Allgäu hinaus bekannt sein dürfte dies spätestens, seit das Allgäuer Erfolgsautoren-Duo Volker Klüpfl und Michael Kobr den Alatsee zum Tatort des Kluftinger-Krimis „Seegrund“ machte. 2013 wurde der Roman verfilmt.   


Die Geschichte des Ostallgäus reicht weit zurück in die Vergangenheit, älteste Funde menschlicher Existenz gibt es bereits aus der Steinzeit. Später zog sich die Römerstraße Via Claudia Augusta von Rom auch durchs Ostallgäu bis nach Augsburg. Bekannt ist unter anderem, dass auf dem Füssener Schlossberg römische Legionäre stationiert waren. Auf die Römer folgten Alemannen – heute noch existierende Ortsnamen wie Bidingen oder Lamerdingen gehen auf jene Zeit zurück.


Noch prägender allerdings wirkten die mittelalterlichen Herrschaften bis in die Gegenwart, denn ab dem 11. Jahrhundert strebten Hochadel und Reichskirche nach der Landeshoheit.  Machtträger war vor allem das Hochstift Augsburg, doch auch die Welfen und die Grafschaft Tirol kämpften um Einfluss. Zusätzlich betrieben die Hohenegger und die Schwangauer Territorialpolitik.  „Das war eine Art Burgenschach“, sagt der Mittelalterarchäologe Joachim Zeune. Wer Macht demonstrieren wollte, baute eine Burg. Die Bauten dienten dabei weniger als Militärstützpunkte. Vielmehr sollten sie Herrschaftsrechte optisch wie rechtlich absichern. „Vor lauter Königsschlössern werden die anderen Burgen heute gern übersehen. Zu Unrecht“, sagt Zeune. Bereits in den 90er Jahren begann der Archäologe deshalb, die Ostallgäuer Burgenlandschaft zu erforschen, brachte ihre Erschließung und groß angelegte Sanierungsprojekte mit auf den Weg, entwickelte mittelalterliche Spielplätze und schrieb einen „Burgenführer Ostallgäu und Außerfern/Tirol“.  Inzwischen wurde das EU-geförderte Projekt „Burgenregion“ aufs Ober- und Unterallgäu ausgeweitet.


Falkenstein bei Pfronten etwa zeugt laut dem Experten als höchstgelegene Burganlage Deutschlands von einer ungeheuren Macht ihres Bauherren Graf Meinhard II. von Tirol. Hohenfreyberg indes entstand zwischen 1418 und 1432 in einer Zeit, als eigentlich keine mittelalterlichen Burgen mehr gebaut wurden. Friedrich von Freyberg hätte eigentlich die Burg Eisenberg geerbt, war jedoch noch dem niedergehenden Rittertum sehr verhaftet und träumte von einer Burg mit hohen Türmen. Kurzerhand ließ er im 15. Jahrhundert eine Burg des 13. Jahrhunderts bauen. Und als „absolut verkannt“ bezeichnet Zeune zum Beispiel auch das „Hohe Schloss“ in Füssen mit seinen einzigartigen Illusionsmalereien – schlichtweg, weil der Fokus immer auf dem benachbarten Neuschwanstein und auf Hohenschwangau lag.


Das heißt zum einem auf jenem Märchenschloss, das König Ludwig II. – ähnlich wie Friedrich von Freyberg - als idealisierte Vorstellung einer Ritterburg errichten ließ und das jährlich 1,3 Millionen Touristen lockt; zum anderen auf Ludwigs Geburtsschloss, das seinerzeit als Sommerschloss der königlichen Familie fungierte, denn: Im Zuge der Napoleonischen Kriege war zwischen 1802 und 1806 der Übergang der Landeshoheit des heutigen Ostallgäuer Gebietes an Bayern erfolgt. Wer sich intensiver mit der Geschichte der Wittelsbacher beschäftigen möchte, sollte das 2011 eröffnete „Museum der Bayerischen Könige“ in Schwangau besuchen. Es vermittelt multimedial und originell Einblicke in die Historie des Herrschergeschlechts bis in die Gegenwart. Museumsbesuche lohnen sich übrigens zudem gerade auch in den kleineren Ostallgäuer Kommunen:  Hier gibt es einige liebevoll hergerichtete Heimat- und Themenmuseen wie  etwa das Hirtenmuseum in Ebenhofen. Untergebracht ist es im Baschtlehaus - einem ehemaligen landwirtschaftlichen, aus dem 17. Jahrhundert stammenden typischen Allgäuer Mitterstallhof.


Der weitere Geschichtsverlauf hin zum Landkreis: 1862 entstanden mit der Errichtung der Bayerischen Bezirksämter zunächst die Landkreise Füssen, Marktoberdorf und Kaufbeuren. Erst mit der Reform im Jahr 1972 wurden sie – die Stadt Kaufbeuren ausgenommen – zum Landkreis Ostallgäu zusammengefasst.


Und nicht nur die Landschaft und die Burgen können sich sehen lassen, auch hat die Region kulturell einiges zu bieten – zum einen, weil in Marktoberdorf im ehemaligen kurfürstlichen Schloss eine der drei bayerischen Musikakademien angesiedelt ist. Zu exklusiven Meisterkursen wie der „International Summer Academy for Young Artists“ reisen Musiker aus aller Welt an, jährlich finden hier mehr als 40 Konzerte statt. Und noch ein anderer Kulturimpuls geht laut Musikakademieleiter Jürgen Schwarz von Marktoberdorf aus: Auch der Chorverband Bayerisch Schwaben hat hier seinen Sitz und wirkt überregional. Im jährlichen Wechsel lädt die Kreisstadt zudem zu zwei großen Musikfestivals: „Musica Sacra International“ – einer Konzertreihe, die die Musik der fünf großen Weltreligionen ins Allgäu bringt und Einblicke in fremde Kulturen ermöglicht; und der Internationale Kammerchor-Wettbewerb. Pfingsten 2015 werden wieder annähernd 200 Chöre aus mehr als 40 Ländern erwartet. Musiktradition geht zudem von Füssen aus, denn die Stadt gilt als Wiege des Lauten- und Geigenbaus in Europa. 1562 schlossen sich hier die Lautenmacher zur ersten Lautenmacherzunft des Kontinents zusammen.  Mit Pierre Chaubert arbeitet auch heute wieder einer der gegenwärtig renommiertesten Geigenmacher-Meister  in dem Städtchen am Alpenrand. Auf die Tradition geht zudem das jährlich stattfindende Saiteninstrumenten-Festival „vielsaitig“ zurück. Und noch ein weiterer exklusiver Musikgenuss: Die Neuschwanstein-Konzerte im Sängersaal des Königsschlosses, das nächste Mal vom 19. bis 27. September 2015.


Ein wichtiger Wirtschaftsfaktor ist fürs Ostallgäu natürlich der Tourismus. Die „Erlebnisregion Schlosspark“, wie der Landkreis von Tourismusseite her inzwischen betitelt wird, verbuchte 2013 mehr als eine Million Gästeankünfte und knapp vier Millionen Übernachtungen.  Aber: „Der Tourismus ist ein wichtiger, aber nicht der entscheidende Wirtschaftsfaktor“, sagt Andreas Neukam, Abteilung Wirtschaftsförderung beim Landratsamt Ostallgäu. Geprägt wird die Region vielmehr von einer überwiegend familiengeführten Wirtschaftsstruktur, allein Kleinstbetriebe stellen einen Anteil von fast 92 Prozent. Unter den größten Arbeitgebern finden sich jedoch auch Global Player wie der Traktorenhersteller AGCO Fendt in Marktoberdorf, der Maschinenbauer Deckel Maho in Pfronten oder der Nahrungsmittelkonzern Nestle Deutschland in Biessenhofen. Die Landwirtschaft indes beschäftigt heute nur noch gut sieben Prozent Erwerbstätige. „Das Ostallgäu war eine sehr ländliche Region, die sich zu einem sehr starken Standort entwickelt hat“, sagt Neukam. Er spricht von einer „überdurchschnittlichen wirtschaftlichen Entwicklung“. Allein die beiden Unternehmen AGCO-Fendt und Nestlé investierten in den Vorjahren 300 Millionen Euro in ihre Werke im Ostallgäu und bekannten sich damit klar zu den Standorten im bayerischen Süden.

Schlösser, Seen und Berge: Das Ostallgäu lockt Wanderer, Kultur- und Burgenfreunde.


Alle Fotos: Michaela Schneider


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Der Artikel  ist unter anderem  im Magazin „Schönes Schwaben“ erschienen.