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Von Maulaffen und Bachbrunzern

Dialektforschung Für eine neue Publikation wurden unterfränkische Ortsnecknamen gesammelt

 

Von Michaela Schneider

 

Würzburg Charmant sind die Unterfranken zu ihren Nachbarn  selten. Zumindest, wenn’s um Namen geht, die sie sich für die Bewohner anderer Ortschaften ausdenken. Zu Maulaffen und Kumbeer werden da die Aschaffenburger, zu Luftbeuteln die Marktheidenfelder und zu Kiliansvögeln die Würzburger. Und diese Necknamen zählen noch zu den harmlosen - da finden sich ebenso Euerdorfer Bachbrunzer oder Forster Rosenkranzscheißer. Ein Team des Unterfränkischen Dialektinstituts (UDI) hat die unterfränkischen Ortsnecknamen gesammelt und nun im 80-seitigen Büchlein „Dreidörfer Narrn stehn auf drei Sparrn“ veröffentlicht.

 

Dabei ist das Werk letztlich ein Ableger des Sprachatlas von Unterfranken in Würzburg, denn: Zwischen 1991 und 1996 führten die Mitarbeiter hierfür Befragungen in insgesamt 179 Dörfern und Städten durch, dabei ging es auch um Ortsnecknamen. Hauptquelle der neuen Publikation bilden nun diese Dialekterhebungen des UDI. Hinzu kamen Informationen aus Aufnahmeformularen, die Institutsmitarbeiter interessierten Laien vorlegten. Schließlich griff das Autorenteam noch auf das „Bayerische Schelmenbüchlein“ von Franz Josef Bronner aus dem Jahr 1911 zurück.

 

Das Ergebnis: Insgesamt 512 Spottnamen, die 420 Orte beschreiben. Mal lustig und fantasievoll, mal derb, abfällig und ziemlich boshaft. Dabei denken sich die einzelnen Nachbarn häufig verschiedene Namen für ein und denselben Ort aus. Und als „Schnüdel“ – das heißt zugezogene Fremde - werden nicht nur die Lohrer bezeichnet, sondern auch die Haßfurter, Schweinfurter und Zeller. Wie Mitherausgeberin Monika Fritz-Scheuplein erläutert, enthält das Büchlein deshalb drei Register: die Ortsnecknamen in alphabethischer Reihenfolge; die geneckten Orte; und schließlich die einzelnen Bildbereiche.

 

Denn: Das Autorenteam ist auch der Frage nachgegangen, welches Bild die Unterfranken von sich selbst und ihren Nachbarn haben, wenn sie sich und andere verspotteten. Das Ergebnis: Am häufigsten weißt man sich gegenseitig bestimmte Handlungen zu. Und die thematisieren dann nicht selten das Ausscheiden von Kot oder Urin – Fritz-Scheuplein spricht vom „Spott mit der Notdurft“. Kirschkernscheißer, Hochseicher oder Bachbrunzer begegnen dem Leser da im Register. Oder aber, den Nachbarn werden unsinnige Handlungen unterstellt, Beispiel: der Straßbessenbacher Wellenkipper. Ebenfalls beliebt: Tiernamen. Und da rangieren Spottnamen rund um Hasen und Krähen - fränkisch Groken und Kraken - an erster Stelle. Weitere Bilder drehen sich unter anderem um Produkte (Dörnsteinbacher Ölkrügchen), Körperteile (Sailaufer Wasserköpp)  oder Essen (Großostheimer Grundbirnen).

 

„Bürger identifizieren sich mit dem Ort, in dem sie geboren sind“, sagt Prof. Dr. Dr. Norbert Richard Wolf, Projektleiter des Unterfränkischen Dialektinstituts. Deshalb müsse er Johann Wolfgang von Goethe widersprechen: Namen seien – anders als von Faust geäußert – mitnichten Schall und Rauch. Dabei gehe es bei den Ortsnecknamen weniger um die Orte selbst. Vielmehr würden die Menschen charakterisiert, die in den Orten lebten. Wolf spricht von „kollektiven Eigenschaften“. Hinzu kommt aus sprachwissenschaftlicher Sicht: Der mundartliche Wortschatz basiere häufig auf sehr altem Vokabular. Und gerade Derbheiten, wie sie sich in den wenigen schmeichelhaften Necknamen finden, fänden selten Eingang in die Schriftsprache. Heißt: In Ortsnecknamen lebt altes Vokabular weiter, das sonst vielleicht längst vergessen wäre.

 

Wie die Unterfranken zu ihren eigenen Necknamen stehen, ist von Ort zu Ort verschieden. In mancher Gemeinde kennt man sie nicht einmal, andere Kommunen greifen sie inzwischen als Selbstbezeichnung auf, weiß Monika Fritz-Scheuplein. Beliebt ist dies vor allem bei Faschingsvereinen. Beispiel: die Marktheidenfelder Lorbser.

 

Der Artikel ist im Main-Echo erschienen.

Monika Fritz-Scheuplein und Norbert Richard Wolf präsentieren das Buch „Dreidörfer Narrn stehn auf drei Sparrn“.

 

Foto: Michaela Schneider

 

Infokasten: Über das Buch

 

Fritz-Scheuplein, Monika; König, Almut; Krämer-Neubert, Sabine; Wolf, Norbert Richard: „Dreidörfer Narrn stehn auf drei Sparrn. Ortsnecknamen in Unterfranken“, Verlag Königshausen & Neumann GmbH, Würzburg 2012, ISBN 978-3-8260-5048-0, 80 Seiten, 9,80 Euro