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Bedrohter fränkischer Sänger
Ortolan drohte aus der Kulturlandschaft zu verschwinden – Artenhilfsprogramm des
Landesbundes für Vogelschutz scheint erste Erfolge zu verbuchen - Zahl der Brutreviere wieder gestiegen


Von Michaela Schneider
Würzburg  
Er kann wunderbar singen, doch zu Gesicht bekommt man ihn selten: Die Rede ist vom Ortolan, der gerne auch Gartenammer genannt wird. Dass viele Menschen von dem kleinen Vogel noch nichts gehört haben, mag zudem daran liegen, dass sein Bestand dramatisch zurückgegangen ist. Er ist nur noch in wenigen Revieren in Bayern anzutreffen – und zwar vor allem in Franken. Mancher Ornithologe sagt gar, der kleine Geselle habe einen eigenen fränkischen Dialekt entwickelt und sein““Srü-srü-srü-srü-tjuuüj“ klinge hier viel schöner als in anderen Gegenden. Was dran ist, sei dahin gestellt. Fakt aber ist: Der Ortolan braucht Hilfe, wenn er die fränkische Landschaft auch in Zukunft mit seinem Gesang bereichern soll. Seit dem Jahr 2006 führt der Landesbund für Vogelschutz deshalb im Auftrag des Bayerischen Landesamtes  für Umwelt ein Artenhilfsprogramm für den Ortolan durch. Dieses betreut die 44-jährige Würzburger Diplom-Biologin Dagmar Kobbeloer.


Eigentlich fühlte sich der Ortolan in Franken immer wohl. Warum?

Dagmar Kobbeloer: Der Ortolan ist ein Charaktervogel in der fränkischen Kulturlandschaft. Typisch war hier früher die kleinräumig strukturierte Nutzung mit vielen Obstbäumen und Hecken. Die Landwirtschaft war auf Selbstversorgung ausgerichtet, es gab auf kleiner Fläche von allem etwas. Hinzu kommen das milde Klima und die wasserdurchlässigen und dadurch nicht zu feuchten Böden. Diese sind für den Ortolan als Bodenbrüter perfekt. Und während das Weibchen am Boden brütet, bewacht das Männchen von einem Baum oder heute manchmal auch von einem Strommast aus  das Nest. Streuobstäcker sind hierfür optimal geeignet, zumal das Nahrungsangebot reichlich und vielfältig ist, nicht so viel gedüngt wird und die Flächen unter den Bäumen dennoch bewirtschaftet werden.


Doch diese Flächen schwinden – und damit gehen auch die Ortolan-Bestände zurück?

Kobbeloer: Genau, die Globalisierung hat die Landwirtschaft verändert. Der Trend geht zu monotonen, großen Äckern und dem Wechsel zu Energiepflanzen. Einzelgehölze verschwinden.  Von 1989 bis 2003 ging der Ortolanbestand im Bayern um mehr als 60 Prozent zurück. Und dieser Trend setzte sich fort. 2003 wurden noch 363 Reviere gezählt, 2009 waren es nur noch 178. 2015 wurden wir bei der Kartierung dann positiv überrascht, denn wir konnten 241 Reviere zählen, das bedeutete eine Zunahme von immerhin35 Prozent.  


Also haben die Bemühungen im Zuge des Artenhilfsprogramms gefruchtet?

Kobbeloer: Das Artenhilfsprogramm hat sicher dazu beigetragen, die Brutbedingungen zu verbessern. Aber die Rahmenbedingungen sind komplex, hier können auch andere Einflussfaktoren eine Rolle spielen. So werden in Frankreich zum Beispiel immer noch viele Ortolane gefangen, obwohl dies eigentlich verboten ist. Vielleicht hat hier der Jagd-Druck etwas nachgelassen. Und auch die Bedingungen in Afrika spielen für den Ortolan als Zugvogel eine Rolle. Über seine Reisen wissen wir bislang jedoch wenig. Vielleicht wird sich das künftig ändern. Bis dato war es schwierig, Ortolane mit Sendern auszustatten, weil die Vögel dafür einfach zu klein waren. Inzwischen gibt es Minisender, die weniger als ein Gramm wiegen. Wissenschaftler in Niedersachsen und in Schwedenhaben bereits Ortolane mit Sendern ausgestattet, um genauere Informationen über Routen und Reisebedingungen zu sammeln. Wir haben uns in Franken bisher dagegen entschieden, weil die Population hier einfach zu klein ist und die Störung zu groß wäre.  


Welche konkreten Maßnahmen umfasst denn das Artenhilfsprogramm?

Kobbeloer: Teil des Artenhilfsprogramms sind jährliche kleinräumige und alle sechs Jahre groß angelegte Bestandserfassungen. Und wir haben begonnen mit Landwirten zu kooperieren, das funktioniert sehr gut. Diese bewirtschaften nun in traditionellen Brutgebieten Flächen nach unseren Vorgaben. Auf den entsprechenden Streifen wird nicht gespritzt, ortolantauglich angebaut und während der Brutzeit von 20. April bis 30. Juni nicht bewirtschaftet. Die finanziellen Verluste bekommen die Landwirte ersetzt. 70000 bis 80000 Euro fließen pro Jahr in die Maßnahme, beteiligt sind rund 80 Landwirte mit knapp 200 Flächen.   


Kann der normale Gartenbesitzer ebenfalls etwas für den Ortolan tun?

Kobbeloer: Nein, leider nicht, weil der Ortolan nun einmal in landwirtschaftlichen Flächen zuhause ist. In der Brutzeit sollten Hundebesitzer die Tiere jedoch angeleint und nicht ins Feld laufen lassen. Zudem sollten Fotografen die brütenden Tiere nicht stören – selbst wenn es reizt, ein so seltenes Tier zu fotografieren.


Woran erkennt man den Ortolan denn eigentlich?

Kobbeloer: Optisch ist er sehr unauffällig. Das Weibchen huscht am Boden herum, das Männchen ist hoch oben im Baum meist nur mit dem Fernglas zu erkennen. Viel markanter als der orange-braun getönte Bauch, der gelbe Bartstreif, die helle Kehle und der markante helle Augenring ist sein Gesang. Wer einen Ortolan einmal bewusst gehört hat, wird ihn immer wieder erkennen. Sein Lied ähnelt dem der Goldammer, klingt aber etwas schwermütiger. Alle unsere Erfasser sagen: Es sei ein wunderbares Erlebnis, im Frühjahr wieder die ersten Ortolane zu hören.


Warum ist`s denn eigentlich so wichtig, den Ortolan zu erhalten?

Kobbeloer: Das ist eigentlich eine philosophische Frage, vielleicht sollte sie eher lauten: Welchen Wert geben wir den Dingen? Meiner Überzeugung nach ist es jede Art wert, erhalten zu werden, denn wir können kaum genau abschätzen, welche Auswirkungen der Verlust einer Art auf das System hat, und erst die Artenvielfalt macht unsere Landschaft so reich. Wenn wir uns dafür nicht mit allen Mitteln einsetzen, werden wir eines Tages zum Beispiel nur noch wenig  verschiedene Vogelgesänge hören.

Der Artikel  ist unter anderem  im Main-Echo erschienen.