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Kino und Oper – zwei völlig andre Genres
Im Gespräch Theaterintendant Hermann Schneider verrät, warum er selbst Opern lieber
auf der Bühne erlebt, die Leinwand-Events aber trotzdem als eine Chance betrachtet

 

Von Michaela Schneider

Würzburg Früher war die Trennung strickt: Kommerzialisierte Popcorn-Unterhaltung erwartete Kinobesucher. Und wer sich anspruchsvollen Kunstgenuss erhoffte, ging lieber ins Theater. Inzwischen sind die Grenzen fließend. Schick gekleidete Damen und Herren mit Sektglas in der Hand erleben via Leinwand Live-Übertragungen aus den berühmtesten Opernhäusern der Welt. Und sogar Kunstausstellungen können Cineasten inzwischen „besuchen“. Hermann Schneider, Intendant am Mainfranken Theater in Würzburg, macht sich im Interview Gedanken über diesen Trend.

 

Herr Schneider, haben Sie selbst schon mal eine Oper im Kino gesehen?

Hermann Schneider:  Ja, ich habe im Kino die Premiereübertragung der Händel-Oper „Giulio Cesare in Egitto“ aus der Metropolitan Opera New York gesehen.

 

Ihr persönlicher Eindruck?

Schneider: Ich bin da zwiegespalten. Technisch war die Übertragung wahnsinnig beeindruckend. Künstlerisch indes war der Abend für mich als Profi sehr unbefriedigend. Dass soll jetzt nicht arrogant rüberkommen und die Veranstaltung herabwürdigen. Aber Theater als Live-Erlebnis ist nun mal das, was Theater seit Jahrhunderten ausmacht. Das soll nicht heißen, dass ich Opernübertragungen im Kino nicht sinnvoll finde.

 

Warum  finden Sie diese Kinoevents doch gut?

Schneider: Die vielen Besucher zeigen doch, dass die Menschen Interesse an Kunst und Kultur haben. Da gehen plötzlich Zuschauer im Kino in eine Oper, die sonst kein Theater besuchen. Ich bin überzeugt, dass einige Leute sich heutzutage die erste Oper im Leben auf der Leinwand statt auf der Bühne anschauen.

 

Das heißt, zum Schnuppern lieber erst einmal ins Kino statt ins Theater. Woran liegt das?

Schneider: Am Preis kann’s nicht liegen, denn ein Theaterabend in einem städtischen Haus wie bei uns ist nicht teurer als ein Kinobesuch. Eigentlich verrückt, wenn man sich überlegt, dass bei uns 100 bis 200 Menschen drei Stunden lang auf und hinter der Bühne arbeiten.  Ich denke aber, dass im Kino die Hürde geringer ist, da fallen Benimmregeln weg, vor denen sich manch einer vielleicht beim ersten Theaterbesuch fürchtet. Wobei  ja das Interessante ist: Auch ins Kino kommen die meisten Opernbesucher schick gekleidet und es gibt Sekt statt Bier. Die Leute testen Oper im Kino und wissen dann, was sie im echten Theater erwartet.

 

Sind die Opernabende im Kino demnach eher Konkurrenz oder Chance fürs Theater?

Schneider: Auf jeden Fall eine klare Chance. Ich verspreche mir davon, dass Oper und Theater mehr noch ins öffentliche Bewusstsein rücken. Die Kunstgattung wird einem anderen Publikum vermittelt. Auch ganz einfach, weil im Kino der Hang nach Idolen und Stars befriedigt wird. Und wenn eine Anna Netrebko Interesse an Opern auslöst, ist das eine tolle Sache! Zumal man ja bedenken muss: Auch die großen Stars haben auf kleinen Bühnen begonnen. Keiner kann ausschließen, dass nicht auch Sänger am Mainfranken Theater das Potenzial zum Weltstar haben!.

 

Denken Sie, dass mit Kunstevents im Kino neue, sprich jüngere Altersgruppen für Kultur gewonnen werden?

Schneider: Nein, das beobachte ich weniger. Das Theaterpublikum bei uns ist gar nicht so alt, mit unserem „jungen Theater“ erreichen wir zum Beispiel auch viele Schüler und Studenten. Wobei ich zugebe: Das Durchschnittsalter des Opernpublikums liegt über der 50. Allerdings sieht das bei den Kinoübertragungen auch nicht viel anders aus, so mein Eindruck.

Abschließend sei ein bisschen Werbung erlaubt: Warum ist Theater live doch etwas anderes als eine Oper auf der Kinoleinwand?

Schneider: Die 3D-Erfahrung ist im Theater eine ganz andere - und mit 3D meine ich das Live-Erlebnis. Oper im Theater ist eine echte Kunstform, eine Kinoübertragung ist eine kommerzielle Verwertung von Kunst und ein ganz anderes Genre. Theater wird zum Besonderen durch die authentische Erfahrung: Was auf der Bühne geschieht, ist real. Die Gefühle der Darsteller und die Atmosphäre, welche die Kunst zum Thema haben, sind unmittelbar da. Aber letztendlich: Dies zu beschreiben ist schwer, das muss man selbst erleben!

Der Artikel  wurde  unter anderem imMain-Echo veröffentlicht.