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Wenn Radioaktivität Leben rettet
Zwei Mediziner aus Würzburg stellen mit der personalisierten
Medizin und radionuklid-basierter Therapie neue Möglichkeiten der Krebsbehandlung vor


Von Michaela Schneider
Würzburg
Die Diagnose Krebs verändert Leben. Doch während die Behandlung früher oft mit langen stationären Aufenthalten verbunden war, haben sich Therapiemöglichkeiten in den letzten Jahren enorm weiterentwickelt. Das Comprehensive Cancer Center (CCC) Mainfranken der Universität Würzburg, hat es sich zum Ziel gesetzt, Patienten mit Tumorerkrankungen  nach aktuellem Stand der Wissenschaft zu behandeln. Und: Mediziner erforschen hier selbst neue Therapiewege. Von einer „extremen Dynamik in der Onkologie“ sprach Professor Ralf Bargou, Direktor des integrativen Krebsbehandlungs- und Krebsforschungszentrums beim „Onkologischen Pflegekongress“ – einer Gemeinschaftsveranstaltung der Pflegedirektion des Universitätsklinikums und des CCC Mainfranken. Ein Blick auf die so genannte personalisierte Krebsmedizin, aber auch auf neue Therapien in der Nuklearmedizin.


Was genau steckt hinter dem Begriff der personalisierten Krebsmedizin? Dafür zunächst ein allgemeiner Blick auf die Molekularbiologie. Experten erforschen und begreifen hier das menschliche Erbgut immer detaillierter und verstehen nach und nach, wie die kleinsten Bauteile menschlichen Lebens zusammenwirken. Das ermöglicht, dass Medikamente  sehr exakt auf Erkrankungen zugeschnitten werden. Zudem arbeiten Ärzte heute in der Diagnostik mit so genannten Biomarkern, sprich biologischen Merkmalen, die auf krankhafte Prozesse im Körper hinweisen können.  Biomarker können dabei Zellen, Gene, Genprodukte oder auch bestimmte Moleküle sein. Wird die Therapie dann exakt auf diese individuellen Gegebenheiten zugeschnitten, ist die Rede von einer personalisierten Medizin.   


Tumor ist nicht gleich Tumor

„Bisher wurden alle Patienten mit einer bestimmten Tumorerkrankung gleich behandelt, obwohl – wie wir heute wissen – zum Teil genetisch ganz unterschiedliche Erkrankungen vorliegen“, sagt Bargou. Denn: Inzwischen kann das Tumorgenom jedes einzelnen Patienten genetisch analysiert werden, der Mediziner bezeichnet dies als technologische Explosion. Krankenkassen sind in Sachen Erstattung des diagnostischen Hilfsmittels allerdings noch recht zurückhaltend, erste Modellversuche laufen. „Derzeit sind wir dran, das Verfahren auch in Würzburg einzuführen“, sagt Bargou.


Ein Blick auf die Behandlung. Früher lauteten die klassischen vier Säulen der Tumortherapie: Chirurgie, Strahlung, Chemotherapie und Stammzellentherapie. Als fünfte Säule ist inzwischen laut Bargou die molekulare Therapie hinzugekommen. „Die klassische Chemotherapie ist nach wie vor die übliche Therapie bei vielen fortgeschrittenen Krebserkrankungen und hat vielen Patienten das Leben gerettet. Sie ist aber nicht der Stein der Weisen“, so der Mediziner. Denn: Während die Chemotherapie auch gesunde Zellen zerstört und Erbgut schädigt, bleiben bei der zielgerichteten molekularen Therapie Langzeitschäden in der Regel aus.


Um deren Wirkungsweise zu verstehen, ist ein Blick auf die Entstehung von Krebszellen nötig. Jede gesunde Zelle besitzt laut Professor Bargou Rezeptoren, die Signale in Sachen Zellteilung oder Zellwachstum aufnehmen. Treten Zellmutationen auf, kann es passieren, dass diese Rezeptoren nicht mehr richtig arbeiten und „wachsen, wachsen, wachsen“ signalisieren. Es kommt zum ungeregelten Zellwachstum, ein Tumor entsteht. Die Idee der Forschung: Genau an dieser Stelle muss eine Blockade eingebaut werden.


Tatsächlich gelang es Wissenschaftlern, Wirkstoffe zu entwickeln, die gezielt Wachstumssignalwege blockieren und damit das Zellwachstum stoppen. Beteiligt waren an solchen jahrzehntelangen Forschungsarbeiten auch Wissenschaftler aus Würzburg. Neue Wirkstoffe wurden inzwischen an zahlreichen Studienpatienten getestet, Erfolge konnten bei der Behandlung verschiedener Tumorerkrankungen, wie beispielsweise bei bestimmten Leukämieformen  verbucht werden. Bargou hofft, dass schon im kommenden Jahr ein neues fertiges Medikament zugelassen wird.

Ein Allheilmittel gegen Krebs? „Bei zahlreichen Krebserkrankungen treibt nicht eine, sondern treiben mehrere Mutationen den Zellwachstum an“, skizziert Bargou die Schwierigkeit, vor der Forscher nun stehen. Und: „Jeder Tumor eines Patienten hat ein anderes Profil und ist einem anderen Selektionsdruck ausgesetzt.“ Anders formuliert: Tumore folgen im Zeitraffer den Regeln der Darwin’schen Evolutionsbiologie. Der Direktor des CCC spricht von einer „komplexen Genetik und Biologie, die einen fast erschlagen will.“ Er betont aber auch: Jede Mutation wäre dabei im Prinzip pharmakologisch angehbar, an verschiedensten Medikamenten wird derzeit geforscht. Der große Vorteil der personalisierten Medizin:  Eine höhere Chance auf Therapieerfolg durch die zielgerichtete Therapie bei viel geringeren Nebenwirkungen.


Dem Tumor mit Radioaktivität zu Leibe rücken

Und noch auf eine ganz andere Therapieform hoffen Onkologen in Zukunft: auf die so genannte radionuklid-basierte Therapie. Hierbei werden laut Professor Andreas  Buck, Direktor der Klinik und Poliklinik für Nuklearmedizin in Würzburg, radioaktive Moleküle zur Tumorbekämpfung genutzt. Klarer Vorteil der Behandlung gegenüber der konventionellen Strahlentherapie: Die Therapie hat praktisch keine akuten Nebenwirkungen und auch keine toxischen Langzeitnebenwirkungen. Skepsis herrscht teilweise beim Krankenhauspersonal, denn: Der Patient wird radioaktiv, wer ihn behandelt,  wird mitbestrahlt. Buck beruhigt jedoch: Die Belastung ist überschaubar, eine Stewardess etwa ist einer sechsmal höheren Strahlung aus dem Kosmos ausgesetzt.


Eingesetzt wird die Radiojod-Therapie schon lange  bei Schilddrüsenerkrankungen. Das Prinzip funktioniert dabei sowohl bei einem gutartigen Tumor zur Verkleinerung, als auch beim Schilddrüsenkarzinom.  Auch Lungenmetastasen des Schilddrüsenkarzinoms sind mit dieser Methode behandelbar. Der Patient schluckt dabei das radioaktive Jod in einer Kapsel, über die Magenschleimhaut wird es aufgenommen, ans Blut abgegeben, gelangt in die Schilddrüse und wird hier konzentriert gespeichert. Das übrige Gewebe ist dabei nur einer geringen Strahlung ausgesetzt. „Der Tumor ist anschließend mausetot“, betont Buck.


Behandelt werden auf ähnliche Art mittlerweile vor allem auch bösartige Lebertumore und Lebermetastasen, die operativ nicht entfernbar sind.  Auch wenn nur wenige Patienten mit dieser Methode bis dato dauerhaft geheilt werden, betont Nuklearmediziner Buck: „Die Therapie kann den Tumorwachstum über viele Jahre hinauszögern.“ Sie könne alle paar Jahre wiederholt werden und bleibe für den Patienten nahezu ohne Nebenwirkungen.  „Die Entwicklung neuer Medikamente läuft seit rund zehn Jahren. Wir hoffen, Lebertumore irgendwann doch völlig heilen zu können.“


Die Therapieform selbst ist also nicht neu. Inzwischen versuchen Nuklearmediziner aber, die Behandlung auch auf andere Erkrankungen anzuwenden. So gibt es zum Beispiel bereits ein Mittel, um Knochenmetastasen gezielt zu bestrahlen. Und in Würzburg wurde eine Substanz entwickelt, um das sehr seltene Nebennierenrindenkarzinom zu behandeln.


Versuche laufen, das Prinzip in Zukunft auch bei häufiger vorkommenden Tumoren wie etwa dem Prostatakarzinom anzuwenden.  Hierbei geht es übrigens nicht allein um die Behandlung des Tumors, sondern auch darum, ihn überhaupt erst einmal sichtbar zu machen.  Das Prinzip:  An der Oberfläche der Krebszellen in Prostatatumoren setzt sich das Eiweiß PSMA fest, das ansonsten im menschlichen Körper sehr selten ist.  Spezielle radioaktive Wirkstoffe binden sich ausschließlich an dieses Eiweiß und markieren den Tumor für die Bildgebung. In der Universitätsklinik Heidelberg werden Prostatatumore auf diese Art auch schon von innen her bestrahlt, die Würzburger Universitätsklinik arbeitet laut Buck an der Einführung der Therapie.

Der Artikel  ist unter anderem  im Magazin „Gesundheit!“ erschienen.

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