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Menschenopfer, grausame Göttinnen und ein mutiger Held
Mit Homers Odyssee gehen am Mainfranken Theater
die „Jungen Klassiker – Short Cuts“ in die nächste Runde

Von Michaela Schneider
Würzburg
Zyklopen fordern Menschenopfer,  grausame Göttinnen lauern auf Reisende, Naturgewalten toben, schöne Sirenen treiben in den Tod: Homers Odyssee, ist ein Epos, das – obwohl 2800 Jahre auf dem Buckel - den Stoff für Hollywoodstreifen liefert. Und auch auf einer Theaterbühne ließe sich das uralte Werk actiongeladen und spektakulär inszenieren. Regisseurin Nele Neitzke wählt am Mainfranken Theater in Würzburg einen anderen Weg: Sie rückt die wortgewaltige Sprache in den Vordergrund. Die Bühnenbilder erinnern ein Stück weit an griechische Vasenmalerei, denn immer wieder verharren die beiden Schauspieler Claudia Kraus und Sven Mattke starr in neuen Posen.  Mit „Odyssee –Short Cuts“ gehen die jungen Klassiker nach den Nibelungen und Faust nun in den Kammerspielen in die dritte Runde.


Bei den Nibelungen und bei Faust durfte das Publikum vor allem lachen. Und so überrascht die Ernsthaftigkeit, mit  der sich die Theaterpädagogin und Leiterin des Jungen Theaters, Nele Neitzke, dem Stoff diesmal nähert. Dem Stück selbst  schadet dies keinesfalls. Immerhin fordert die dramatische, schier unendliche Irrfahrt des Helden zahlreiche Menschenopfer.  Kleine Schmunzler gönnt die Regisseurin dem Publikum trotzdem – wenn etwa die Göttin Kirke nach einem sekundenschnellen, statischen Geschlechtsakt mit Odysseus ein Mehrfaches an Zeit braucht, um verzückt zu Boden zu sinken.


Den Fokus legt Neitzke jedoch klar auf bildhafte Wortgewalt und Sprachdramatik. Als Beobachter mit starrem Blick in die Ferne erzählen Sven Mattke und Claudia Kraus von den großen Abenteuern jenes Helden, der nicht bereit ist, sich dem Willen der Götter zu unterwerfen. Mit List, Mut und Entschlossenheit schafft er es am Ende doch, zu seiner Gattin Penelope zurückzukehren. Mal sprechen die Schauspieler abwechselnd, die dramatischsten Parts erzählen Sie im Kanon, verleihen nur mit kleinen, gut platzierten Gesten Nachdruck. Klar, in 65 Minuten muss es schnell gehen, will man eine 20 Jahre dauernde Irrfahrt beschreiben. Trotzdem: Ein bisschen weniger rasant vorgetragen erhielten Worte, Sätze und Passagen noch mehr bildhaften Nachdruck. Regelrecht erholsam ist`s für die Zuschauer, wenn dann doch die eine oder andere Szene tatsächlich gespielt wird – mit Sven Mattke in der Rolle des Odysseus und Claudia Kraus in allen anderen.  


Die Kostüme von Veronica Silva-Klug sind schlicht und schwarz gehalten, aufwändiger indes ist Annika Wieners Bühnenbild. Ein Metallgerüst füllt große Teile der Bühne aus, ein Steuerrad symbolisiert das Schiff, eine Wasserschüssel, in die Mattke mehrfach eintaucht, das Meer. Kraus und Mattke sind athletisch gefordert, denn das Gerüst wird komplett bespielt. In immer wieder neuen Positionen verharren die Beiden zwischen an, auf und unter den Eisenstangen. Und so erfahren die Short Cuts auch optisch einiges an Dynamik – durch die akrobatischen Anforderungen, aber gerade auch durch das starke Minenspiel des Bühnenduos. Zur Perfektion treibt es Mattke als Odysseus, der an den Schiffsmast gebunden dem Locken der Sirenen ausgesetzt ist. Auch am Ende ist Platz für Action, den Schlussapplaus nimmt das Schauspielduo theaterblutüberströmt entgegen.


Fazit: Es klappt tatsächlich, in einer guten Stunde eines der ältesten, der einflussreichsten Epen der abendländischen Kulturgeschichte zu erzählen und Kernaussagen von Mut, Selbstbestimmtheit und der Sehnsucht nach der Heimat zu transportieren.  Spannend und gelungen ist der junge Klassiker „Odyssee“ allemal, wenn auch diesmal vielleicht nicht ganz so geeignet für Theateranfänger wie die Short Cuts der vorherigen Spielzeiten.


Dauer: 65 Minuten; Alter: ab 14 Jahren; nächste Vorstellungen: 19.30 Uhr:  31.12.; 20 Uhr:  03.10./ 07.10./ 10.10./ 29.10./ 05.11./ 18.11./ 20.11./ 25.11./ 02.12./ 12.12./ 19.01./ 21.01./ 26.01.

Der Artikel  ist unter anderem  im Main-Echo erschienen.