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Kautschuksamen im Krokodil
In einer Sonderführung im Botanischen Garten Würzburg geht es um technisch genutzte Pflanzen


Von Michaela Schneider
Würzburg
Wir schreiben das Jahr 1893. Der amerikanische Chemiker Charles Goodyear experimentiert wie viele andere Erfinder jener Zeit mit Kautschuk. Das Manko: Bei Hitze wird das Naturprodukt weich und klebrig, bei Kälte brüchig. Zufällig fällt Goodyear während seiner Versuche eine Schwefel-Kautschuk-Mischung auf eine heiße Herdplatte – und heraus kommt eine trockene, dauerhaft elastische Substanz. Vulkanisation und Gummi sind erfunden. Rasch gewinnt Kautschuk an weltwirtschaftlicher Bedeutung. Brasilien hält das Weltmonopol und profitiert – bis es dem Biologen Henry Wickham gelingt, 70000 Samen in zwei ausgestopften Krokodilen außer Landes nach England zu schmuggeln. 2700 Samen keimen bald schon in Gewächshäusern bei London, die Pflanzen bilden die Grundlage für erste Plantagen in Celyon und Malaysia. Mit Thailand und Indonesien zählt Malaysia heute zu den Kautschuk-Hauptproduzenten.   


Und nicht nur die Geschichte der Nutzpflanze Kautschuk ist abenteuerlich –das können Besucher am 15. November im Botanischen Garten in Würzburg bei einer Sonderführung erleben. Biologen unterteilen so genannte Nutzpflanzen in Nahrungspflanzen und technisch genutzte Pflanzen, wie auch die Sonderführung betitelt ist. Ob Farbstoffe, Fasern oder Baumwolle für Kleidung, Holz oder Kork als Baustoff: Natürliche Materialien finden sich in fast allen Lebensbereichen. Ergänzen lassen sich die Nutzstoffe noch um Kautschuk, Harze, Lack, Wachs, Energie und Kraftstoffe.  Dabei setzen Wissenschaftler heute gerade in alternative Energien große Hoffnungen. „Fossile Brennstoffe sind endlich. Hier müssen wir forschen und ausprobieren, um Ersatz zu haben, wenn`s eines Tages eng wird“, sagt der Würzburger Botaniker Professor Dr. Wolfram Hartung.


Mais zum Beispiel werde auch heute schon nicht nur als Nahrungs-, sondern auch als Energiepflanze in Biogasanlagen kultiviert. Für Kritik sorgt dies nicht nur aus moralischer Sicht, weil sich`s eben eigentlich um ein Nahrungsmittel handelt, sondern auch, weil hierzulande Maismonokulturen das Landschaftsbild verändern und die ökologische Vielfalt gefährden. „Toll wäre, wenn man einen Energielieferanten fände, der sowieso vorhanden ist. Pflanzliche Abfälle zum Beispiel“, sagt Hartung.

Tatsächlich bringen riesige Monokulturen weltweit entsprechende Probleme mit sich. Ölplantagen zum Beispiel verdrängen die letzten großen Regenwälder. Und auch der konventionelle Baumwollanbau wirkt sich auf die Umwelt aus, wie Hartung am Baumwollforschungsinstitut in den USA selbst erfuhr. „Bei der Ernte werden die Pflanzen gnadenlos mit Chemikalien besprüht bis die Blätter abfallen, so dass dann leichter geerntet werden kann“, sagt der 71-Jährige.  Und der Aralsee zwischen Usbekistan und Kasachstan ist heute zur Hälfte verschwunden, weil hier über Jahrzehnte riesige Wassermengen in die Bewässerung von Baumwollfeldern flossen. „Wo früher Meer war, ist heute Wüste“, sagt Hartung.


Andere Nutzpflanzen sind weit weniger bekannt, Hartung zeigt im Botanischen Garten in Würzburg zum Beispiel den Anattostrauch, dessen rötlich-gelbe Samen früher manchem Lippenstift die Farbe gaben. Das Wachs auf den Blättern der Palmenart Copernicia alba ist Bestandteil mancher Autolack-Politur. Das Harz bestimmter Balsambaumgewächse wird  zu Myrrhe verarbeitet.  Und auf die Idee, aus den Blättern des Scheibenblumengewächses Carludovica palmata Hüte zu machen, kamen erstaunlicherweise nicht die Menschen aus Panama, sondern aus Kolumbien und Ecuador. Als Panamahut gingen die Kopfbedeckungen in die Geschichte möglicherweise ein, weil sie von Arbeitern beim Bau des Panamakanals getragen wurden. Bekannt machten den Panamahut dann so prominente Träger wie Winston Churchill oder Ernest Hemingway.

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Der Artikel  ist unter anderem  im Main-Echo erschienen.

Um technisch genutzte Pflanzen geht es in einer Sonderführung im Botanischen Garten Würzburg mit dem Botaniker Professor Dr. Wolfram Hartung.  Im Bild zeigt er, wie Baumwolle wächst.



Foto: Michaela Schneider